Abschied Pfarrer Jürgen Spohn

Pfarrer Jürgen Spohn von der Evangelischen Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof geht zum 1. September 2020 in den Ruhestand. Zeit, um Bilanz zu ziehen - das dachte sich auch sein Pfarrkollege Dr. Winfried Maier-Revoredo, der ihm ein paar Fragen gestellt hat...

6 Fragen an Pfarrer Jürgen Spohn...

Pfarrer Jürgen Spohn sagt Adieu und verabschiedet sich in den Ruhestand.

Lieber Herr Spohn, ich danke Ihnen sehr für unsere Zusammenarbeit. Ihre diakonische Einstellung, Ihr Einsatz für die Konfirmanden- und Jugendarbeit haben mich beeindruckt und das Ringen mit der EDV. Sie waren mir ein lieber und verlässlicher Partner. (Friedemann Kammerer, Vorsitzender Kirchengemeinde Möhringen und Fasanenhof)

Vieles fällt in die Zeit von Jürgen Spohn: Bonhoefferkirche unter Denkmalschutz, Kindergarten, Sanierungen, Krankenpflegeverein und Fusion mit Möhringen und und und. Pfarrer Spohn kann stolz auf arbeitsreiche und bewegte Jahre sein. Er hat unseren größten Dank verdient. Dank auch seiner lieben Gattin Jutta Kopf-Spohn, die viel zu einer lebendigen Gemeinde beigetragen hat. (Bernhard Wurster,
ehemaliger Vorsitzender des KGR Fasanenhof)

Diese beiden Zitate und zugleich Grußworte verbinden Gegenwart und Vergangenheit von Pfarrer Jürgen Spohn, der sich gerne den Interviewfragen seines Kollegen Dr. Winfried Maier-Revoredo gestellt hat:

WMR: Was deine Tätigkeit auf dem Fasanenhof angeht – worauf blickst du besonders gerne zurück?

JS: 15 Jahre Fasanenhof – der Stadtteil und die Kirchengemeinde sind für meine Frau und mich zur Heimat geworden. »Fasanenhof – hier leben wir«, das Motto des Bürgervereins, ist auch zu unserem geworden: Wir sind hier Nachbarinnen und Nachbarn.
Bereichert haben mich die zahllosen Begegnungen – mit Jung und Alt – in Freud und Leid, wie vielen Menschen und Familien konnte ich nahe kommen und von den Begegnungen selbst profitieren. Und wie viel Leben ist in unserem Gemeindezentrum – sei es über den Kindergarten, die Gruppen und Kreise, auch mit unseren zahlreichen Partnern und Hausgenossen. Besondere Highlights waren auch die besonderen Gottesdienste zu den Gemeindefesten, die wir zuletzt immer mit dem Christ Mission Center und der südkoreanischen Missionsgemeinde gefeiert haben. Und die Miteinander-Gottesdienste mit dem bhz Stuttgart e. V., einer diakonischen Einrichtung der Behindertenhilfe, und mit dem gemeindepsychiatrischen Zentren (GPZ) in Möhringen.
Ein Höhepunkt waren auch unsere Konfirmandenwochenenden auf dem Georgenhof. Schade, dass es gerade in diesem Jahr ausfallen musste!
Ich bin dankbar für die vielen haupt- und ehrenamtlichen MitarbeiterINNEN der Gemeinde, mit denen ich immer sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet habe. Es hat einfach Freude gemacht und mich gestärkt, so viele wunderbare Menschen um mich zu haben.
Schön war es einfach auch, in diesem so grünen Gemeindezentrum zu leben, in einem Pfarrhaus, das schöner nicht sein kann. Meine Frau hat gerne im Grüngelände des Zentrums mitgearbeitet und einen Kräutergarten angelegt. Hoffentlich findet sie eine/n NachfolgerIN.

WMR: Was war schwierig?

JS: Schwierig war ganz gewiss die Frage, wie es mit unseren Gebäuden weitergehen soll. Als ich im Jahr 2005 meinen Dienst angetreten habe, waren schon viele Modelle im Gespräch, auf welche Gebäude möglicherweise verzichtet werden kann. Dies gipfelte dann in dem Beschluss des Kirchengemeinderats, unsere Bonhoefferkirche aufzugeben und die Kirche in das Gemeindezentrum zu integrieren. Nach vielen Gesprächen und Interventionen ist es bis zum heutigen Tag nicht so weit gekommen – auch Dank der guten Mieteinnahmen, die die Gemeinde erzielt.
Nicht einfach war sicher auch der Anfang der neu fusionierten Gemeinde Möhringen und Fasanenhof. Da gab es manche Dinge, die ganz neu organisiert werden mussten. Wir mussten alle erst lernen, unsere gegenseitige Wahrnehmung zu schärfen, vorhandene Arbeit richtig einzuschätzen und zu würdigen. Das alles wird noch Zeit und Kraft brauchen – und viel Einfühlungsvermögen. Ich sage aber auch: Wir sind ganz gewiss auf einem guten Weg!

WMR: Welche Stelle nimmt deine Tätigkeit auf dem Fasanenhof in deiner gesamten Pfarrerkarriere ein und wo und wie hat sie dich geprägt, verändert?

JS: Ein großes Glück war für mich, dass die beiden Pfarrstellen, die ich recht lange bekleidet habe, beide ideal zu mir gepasst haben – auf ihre jeweilige Art. Ich war gerne Jugendpfarrer in Ludwigsburg – jene Arbeit, die mir sehr viele internationale Kontakte geschenkt hat und Projekte im Kirchenbezirk, die es heute noch gibt. Auf dem Fasanenhof gingen solche Kontakte weiter – ganz im Sinne dessen, was mir in der Gemeindearbeit wichtig ist – eine große ökumenische Offenheit und Weite. Es kam hinzu – die diakonische Gewichtung der Arbeit, die ich auch weiterhin für sehr wichtig halte. Im Christentum gehören Wort und helfende Tat eng zusammen. Auf dem Fasanenhof ist das so und das hat mich immer gefreut.
Immer sehr schön und deswegen auch prägend fand ich die offene und herzliche Art der Menschen, die hier leben. Offen in alle Richtungen, indem man sich gegenseitig respektiert und toleriert. Ich schreibe diese Zeilen in Coronazeiten und erlebe es gerade wieder: Man hält zusammen, man nimmt sich wahr und unterstützt sich. Das gilt auch für die Flüchtlinge, die seit 2015 unmittelbar benachbart zu uns leben – wir winken uns zu, reden miteinander, es gibt keinerlei Schwierigkeiten.

WMR: Gibt es so etwas wie ein Fazit deiner Tätigkeit – überhaupt und im Fasanenhof im Besonderen?

JS: Ich – als einer, der ursprünglich nie Pfarrer werden wollte, noch am Ende vom Studium – habe gemerkt, dass mir unser Gott genau den richtigen Beruf geschenkt hat. Er hat mich in die richtigen Weinberge geschickt. Die Vielseitigkeit des Berufs ist enorm und schön – in seinen zahllosen Begegnungen mit den Menschen und in den Inhalten der Verkündigung.
Und wenn ich dachte, ich weiß nicht mehr weiter und habe keine Kraft mehr, dann hat mir unser Gott genau in dem Moment, als ich Kraft brauchte, sie auch gegeben und mich getragen. Dies nehme ich aus meiner gesamten Pfarrerszeit mit in den Ruhestand, in dem ich gerne auch Pfarrer bleibe.
Der Fasanenhof – das nehme ich auch noch mit – ist ein Zeichen dafür, wie bunt und vielfältig Gott seine Menschen geschaffen hat – und wie man gerade so in Freude und Frieden miteinander leben kann, indem man sich gegenseitig bereichert.

WMR: Und wo geht es hin, wenn du hier auf dem Fasanenhof deine Zelte abbrichst?

JS: Ich werde mit meiner Frau nach S-Hedelfingen in das Haus meiner Familie zurückkehren. Dort leben meine Mutter und mein Bruder, auf die ich mich sehr freue. Für mich schließt sich somit ein gewisser Lebenskreis – Anfang und Ende.

WMR: Letzte Frage: Was hast du jetzt vor mit der Zeit, die vor dir liegt?

JS: Einerseits will ich meine Hobbies mehr pflegen als bisher. Ob der Sport oder die Musik – und dann auch einige Sachen wieder lernen wie z. B. Sprachen. Andererseits möchte ich gerne reisen – neue Länder kennenlernen, aber auch alte Kontakte nach Osteuropa und Frankreich wieder aufleben lassen. Und einen Garten werden meine Frau und ich auch pachten und ihn pflegen. Und dann möchte ich gerne immer wieder mal nach Fasanenhof und Möhringen blicken und kommen, um dann hoffentlich zu sehen, dass alles auf einem guten Weg ist.

Pfarrer Jürgen Spohn wird im Gottesdienst am Sonntag, 26. Juli 2020 um 10 Uhr in der Bonhoefferkirche auf dem Fasanenhof verabschiedet.