Neue Pfarrerin für den Westen

Eigentlich kennt sie ihre neue West-Gemeinde schon, denn dort war Pfarrerin Astrid Riehle in den vergangenen Monaten bereits zur Dienstaushilfe im Einsatz. Dann wurde sie ganz offiziell auf diese Pfarrstelle gewählt und hat am 15. März dort ihren Dienst als Gemeindepfarrerin angetreten.

6 Fragen an Pfarrerin Astrid Riehle...

Die "Neue" in der Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde: Pfarrerin Astrid Riehle

Doch bevor der Festgottesdienst zur Amtseinsetzung in der Evangelischen Paul-Gerhardt-Kirchengemeinde am Sonntag, 31. März 2019 um 10 Uhr ansteht, hat sich die ehemalige Referentin des Stadtdekans noch kurz Zeit für ein Interview genommen.

RED: Gestern noch als persönliche Referentin des Stadtdekans im Dekanatamt Stuttgart-Mitte, heute im Pfarrbüro der Paul-Gerhardt-Gemeinde im Stuttgarter Westen. Was hat sich räumlich verändert?

AR: Noch hat sich nicht viel verändert. Die Renovierung von Pfarrhaus und Amtszimmer in der Paul-Gerhardt-Gemeinde wird erst in den Sommerferien abgeschlossen sein. Bis dahin pendle ich zwischen Heslach, meinem derzeitigen Wohnsitz, und dem Westen. Gut, dass die U 34 mich bequem von Tür zu Tür befördert.

RED: Okay, dann schauen wir doch mal auf die Art der Tätigkeit. Was ist inhaltlich anders?

AR: Ich werde ein weiteres Kapitel in meiner Berufsbiografie aufschlagen. Nach verschiedenen Gemeindeerfahrungen, der Zeit als Studienleiterin am Pfarrseminar der Landeskirche in Birkach, der Vertretung in der Hochschulseelsorge und der Stelle am Dekanat werde ich zu den Wurzeln des Pfarrdienstes zurückkehren. Das ist gut so. Eine alte Dame sagte vor dem Dienstantritt im Dekanat zu mir: „Sie müssen zu den Menschen. Passen Sie auf, dass Sie von der Bürokratie nicht aufgefressen werden." Ich habe das nie vergessen. Ich freue mich, meine Arbeitskraft in den kommenden Jahren wieder ganz in die Gemeinde einzubringen und mit den spirituellen Suchern und Zweiflern unterwegs zu sein.

RED: „Im Westen nichts Neues“ trifft ja auf die Kirchengemeinden in diesem Stuttgarter Stadtteil nicht zu. Welche Rolle wird die Paul-Gerhardt-Gemeinde bei der geplanten Fusion in diesem Jahr und danach spielen?

AR: Die Paul-Gerhardt-, Johannes- und Paulus-Gemeinden schließen sich zu einer großen Kirchengemeinde zusammen. Wir sind darauf bedacht, dass Bewährtes an jedem Standpunkt fortgeführt wird und Neues Kirchturm übergreifend begonnen wird. Die Paul-Gerhardt-Gemeinde bringt als besondere „Mitgift“ die Begegnungsstätte im Stuttgarter Westen ein. Dort treffen sich Seniorinnen und Senioren, Kreative, musikalisch Interessierte, Spielbegeisterte und Begegnungshungrige. Haus Abraham e.V. und das Stuttgarter Lehrhaus sind ebenfalls in Paul-Gerhardt zu Hause. Sie pflegen den interreligiösen und den christlich-jüdischen Dialog. Außerdem halte ich den Garten vor dem Zentrum für eine kleine Oase. Ich würde mich freuen, wenn ihn in Zukunft noch mehr Menschen im Sommer für Gespräche und zur Erholung nutzen könnten.

RED: "Gespräche im Pfarrgarten" also... klingt verlockend. Du bist ja schon Pfarrerin zur Dienstaushilfe in der Paul-Gerhardt-Gemeinde gewesen. Worauf freust du dich am meisten und was möchtest du in die neue Gemeinde mit einbringen?

 

AR: Am meisten freue ich mich auf die Menschen. Ein tolles, tüchtiges Team an Haupt-, Neben- und Ehrenamtlichen identifiziert sich mit der Gemeinde und diesem besonderen Standort. Das Ensemble von Kirche und Pfarrhaus mit dem klösterlich anmutenden Paul-Gerhardt-Innenhof, mit Brunnen und Maulbeerbaum, hat eine wunderbar ruhige und spirituelle Ausstrahlung. Das Zentrum aus den 70er Jahren ist geräumig. Es bietet viel Platz und hat eine Kegelbahn! Ich möchte mich zusammen mit den Haupt- und Ehrenamtlichen dafür einsetzen, dass es im Stadtteil als „Haus für alle“ wahrgenommen und genutzt wird. Denn „alles wirkliche Leben ist Begegnung“. Das Wort Martin Bubers bleibt gültig, auch im Zeitalter der Digitalisierung.
Was ich persönlich in die neue Gemeinde einbringe? Es ist meine Aufgabe, die Erinnerung an Gott wach zu halten und mit der Gemeinde zusammen die Menschenfreundlichkeit Gottes auszustrahlen. Damit uns das gelingt, braucht es Orte und Zeiten der „Einstrahlung“. Sorgfältig vorbereitete Gottesdienste, geistliche Übungen wie Körpergebete, Meditationen, Exerzitien, Seelsorge sind für mich Kraftquellen des Glaubens. Das bringe ich mit, das gebe ich ein und ich freue mich, wenn es in Anspruch genommen wird.

RED: Wenn du deine neue Gemeinde beschreiben müsstest, was macht sie so besonders, einzigartig usw.?

AR: Sie hat großes Potenzial. Die Örtlichkeiten und Mitarbeitenden habe ich schon erwähnt. Die vielen Kinder und ihre Familien in Kindergarten, Kindertagesstätte und Kinder- und Familienzentrum, die diakonische Arbeit, das musikalische Angebot für alle Altersgruppen reicht von Klassik bis Jazz.

RED: Das klingt nach echt viel Potenzial und auch Arbeit! Doch irgendwann ist ja auch mal "Dienstschluss", falls es das jemals bei einer Pfarrerin gibt. Dann trifft man dich wo an?

AR: Man trifft mich um 22:15 Uhr bei den Tagesthemen, hin und wieder in Ballett, Theater, Oper oder Kino, beim gemischten Frauenchor Fortissimas e.V., bei einem köstlichen Bier oder Glas Wein an. Um ganz und gar abzuschalten, liebe ich es, in die Sauna zu gehen.

RED: Immer voller Tatendrang und das soll auch weiterhin so sein! Gutes Gelingen und Wirken in deiner neuen alten Gemeinde, liebe Astrid! Übrigens, im Anschluss an den Einsetzungsgottesdienst gibt es Grußworte und einen Stehempfang.