Bilanz Vesperkirche light

Plötzlich war sie da: die Coronakrise. Für alle schwierig, doch für Menschen am Rande der Gesellschaft oder auf der Straße fast nicht zu bewältigen: lange Warteschlagen vor den Tafelläden, weggefallene Minijobs und kein Mittagstisch in evangelischen Einrichtungen. Bis die Vesperkirche light kam.

Vesperkirche light: Das waren neben warmen Mittagessen to go auch "Carepakete".

Doch genau so schnell wie das Virus kam, wurde auch die Vesperkirche light ins Leben gerufen. Eine Welle der Solidarität und Spendenbereitschaft machte dies möglich, unterstützt von der Rotary Stiftung Stuttgart, der Robert Breuning Stiftung und der Aktion Mensch. Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann schaut dankbar und auch ein bisschen stolz zurück.

Einfach nur eine Hand, die hilft, das war Vesperkirche light 2020. Keine Vesperkirche mit allen Dimensionen. Das gestattete die Viruslage nicht. Doch Vesperkirche light setzte in der schwierigen Phase der Corona-Pandemie ein Zeichen der Verbundenheit. Ein Signal für alle, die in der Coronazeit besonders belastet waren. Für die Menschen, die einen kleinen Geldbeutel haben, für die, die eine Tagesstruktur benötigen, für die, die psychisch und physisch beeinträchtigt sind und deshalb nicht kochen können. Oder auch für die Menschen, die obdachlos sind und kein Zuhause haben.

Die Mittagstische waren nicht geöffnet, die Begegnungsstätten hatten geschlossen. Die Kaffeestunden im Gemeindehaus fanden nicht statt. Manche Menschen in Stuttgart fragten sich: "Wohin soll ich denn gehen? Wie komme ich an ein Mittagessen?"

Vom 1. April an bis zum 12. Juni 2020 hat Vesperkirche light ca. 13.000 Essen an ganz unterschiedlichen Orten in Stuttgart ausgegeben. Das Küchenteam des Rudolf-Sophien-Stiftes unter Leitung von Bernd Fischer hat dankenswerterweise das Essen to go gekocht und transportfähig gemacht.

Ganz herzlichen Dank allen SpenderINNEN, besonders der Rotary Stiftung Stuttgart, der Robert Breuning Stiftung und der Aktion Mensch, ohne die wir diese Vesperkirche light nicht hätten durchführen können.

Danke an alle, die mitgeholfen haben, dass die Ausgabe gelingen konnte. Danke an die Ehrenamtlichen, Danke an die Ott-Goebel-Jugend-Stiftung, Danke an Herrn Heer, Familie Hungerbühler für die wunderbaren Lebensmittelspenden. Danke an alle, die uns Geld oder Lebensmittel oder Masken gespendet haben.

Unsere Gäste konnten so an Ostern und an den Sonn- und Feiertagen die Menschenfreundlichkeit Gottes schmecken. Das war in den Hochzeiten der Pandemie gleichsam eine Kostbarkeit.

So konnte die Vesperkirche light von Montag bis Freitag in der Büchsenstraße, an der Oase in Stuttgart-Rot, an den gemeindepsychiatrischen Zentren in Möhringen und Birkach und im Cafe 72 in Bad Cannstatt durchgeführt werden. 

An den Sonn- und Feiertagen konnten wir ab Gründonnerstag zwischen 12:30 Uhr und 13:30 Uhr an der Leonhardskirche ein warmes Mittagessen to go ausgeben. Eine Ausgabetheke war vom Schreiner in die Tür der Sakristei eingepasst worden. Mit 30 Essen haben wir angefangen. Wir hätten 50 Essen ausgeben können. Kartoffeln und Äpfel und Brot, gespendet von der Olgastraße 46, konnten wir zusätzlich weitergeben. Auch Nudeln und Käse. Alles ging weg wie "warme Semmeln". Weiter wären geschätzt gewesen: Wasser, Kaffee und eine Toilette.

Es kamen bevorzugt ältere Menschen zur Essens-Ausgabe. Viele RentnerINNEN, die alles brauchen konnten. Am Karfreitag waren wir mit 70 Essen am Start. Wir hätten noch 30 Portionen dazu ausgeben können. Äpfel und Brot und Eier gab es obendrein. Am Karsamstag stand die Schlange bis zum Sieglehaus. 70 Essen waren nicht genug; für 30 weitere Portionen haben wir Äpfel und Brot und Eier und Gemüse ausgegeben. Alle Gäste haben sich diszipliniert in der „Corona-Schlange“ angestellt und den Abstand eingehalten. Am Ostersonntag haben wir 120 Portionen ausgegeben. Das hat so gerade gereicht. Die Schlange war lang, aber insgesamt herrschte eine gute Atmosphäre. Alle waren sehr diszipliniert und wir wurden zu keinem Hotspot.

St. Maria hat sonntags mit dem Lastenrad ca. 80 Essen ausgefahren. Viele unserer Gäste waren sehr angetan und dankbar für das Essen und die Aktion. So haben wir durchgehalten bis zum Pfingstfest. Da waren wir dann bei 170 Portionen angekommen.

Die Aktion war von der Öffentlichkeit und den SpenderINNEN getragen; die Mitarbeitenden hatten sich freiwillig im Diakoniepfarramt gemeldet. Den Gästen hat das Essen geschmeckt, sonst wären sie nicht so regelmäßig angestanden, oft zwei Stunden lang. Auch die Polizei hat uns unterstützt, wo das nötig war.
Insgesamt ist es eine tolle Aktion gewesen, durch die wir Erfahrungen gesammelt haben. Wir wissen jetzt, wie so etwas jetzt auch in Zeiten einer Pandemie geht. Wir sind dankbar für die Erfahrungen und für das hohe Engagement in der Zivilgesellschaft.

Text: Diakoniepfarrerin Gabriele Ehrmann