Das Wort zum Sonntag

Nachdem die Stadt Stuttgart ein Versammlungsverbot zur Eindämmung der Verbreitung des Coronavirus ausgesprochen hat, unter das die Kirchen zwar nicht fallen, werden dennoch die meisten Gotteshäuser an den kommenden Sonntagen geschlossen sein.

Die Evangelische Landeskirche in Württemberg empfiehlt daher ihren Pfarrerinnen und Pfarrern ebenfalls auf Gottesdienste zu verzichten und andere Wege der Verkündigung zu wählen.

Damit Sie dennoch die gute Botschaft erreicht, lesen Sie hier vereinzelte Predigten und Ankündigungen unserer Stuttgarter Dekaninnen und Dekane, die Ihnen Kraft und Zuversicht geben sollen.

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Okuli, 15. März 2020 Lukas 9,57-62

Stadtdekan Søren Schwesig verweist auf die digitalen Angebote der Evangelischen Kirche in Stuttgart

Liebe Gemeinde,

in wenigen Wochen feiern junge Menschen in unseren Gemeinden ihre Konfirmation. Dann verpflichten diese jungen Menschen öffentlich und vor Gott, ein Leben in der Nachfolge Jesu zu führen. Wir, die wir unsere Konfirmation schon lange hinter uns haben, haben ebenfalls dieses versprochen: ein Leben in der Nachfolge Jesu. Was ist aus unserem Versprechen geworden? Ist uns diese Nachfolge gelungen und gelingt sie uns?

Eins ist klar: Leben in der Nachfolge Jesu – das ist eine Lebensaufgabe für alle, die sich Christinnen und  Christen nennen. Und es ist ganz gewiss immer wieder eine riesengroße Herausforderung.
Dass Leben in der Nachfolge Jesu kein Spaziergang ist, merken wir gleich, wenn wir auf ein Jesuswort aus dem Lukas-Evangelium hören. Ich lese Verse aus dem 9. Kapitel:

57 Als die Jünger mit Jesus unterwegs waren, sagte einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du auch gehst. 58 Jesus antwortete ihm: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel haben ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.“ 59 Einen anderen forderte Jesus auf: „Folge mir nach!“ Der sprach aber: „Herr, erlaube mir, zuerst noch einmal nach Hause zu gehen, um meinen Vater zu begraben.“ 60 Aber Jesus antwortete ihm: „Überlass es den Toten ihre Toten zu begraben. Du aber geh los und verkündige das Reich Gottes!“ 61 Wieder ein anderer sagte zu Jesus: „Herr, ich will dir nachfolgen! Aber erlaube mir zuvor, zuerst Abschied zu nehmen von meiner Familie.“ 62 Aber Jesus sagte ihm: „Wer die Hand an den Pflug legt und dabei zurückschaut, der eignet sich nicht für das Reich Gottes.“

Sind das nicht harte Worte? Das ist doch eigentlich ungeheuerlich, was Jesus dem Menschen da zumutet!? Jesus mutet denen, die ihm folgen wollen, Heimatlosigkeit zu. Er verlangt Pietätlosigkeit angesichts des Toten. Und zuletzt verlangt er auch noch Beziehungslosigkeit.

Wer kann so leben?

• Ohne Heimat, ohne einen Ort, von dem ich sagen kann: Hier bin ich zuhause. Hier gehöre ich hin.
• Ohne die Pietät, den Toten die letzte Ehre zu erweisen, gar dem eigenen Vater?
• Ohne Beziehungen, ohne eingebunden zu sein in ein soziales Netz, in das Netz von Familie und Freunden umgeben von menschlicher Nähe und Wärme?

Wer kann so leben? 
Heimatlosigkeit, Pietätlosigkeit, Beziehungslosigkeit. Jesus mutet uns in der Nachfolge viel zu.

Und doch sind Menschen in dieser ganzen Radikalität in die Nachfolge Jesu getreten:

• Franz von Assisi, der Reichtum und Wohlstand aufgab, der alle Brücken zur Familie abbrach und ein armseliger kleiner Mönch wurde. Der nur die Menschen und die Schöpfung liebte und ein Leben voller Hingabe und Entbehrung lebte.

• Dietrich Bonhoeffer, der die ungestörte Laufbahn eines theologischen Gelehrten aufgab, sich dem Widerstand gegen Adolf Hitler anschloss und dafür im KZ umgebracht wurde, als ein Nachfolger Jesu Christi.

• Mutter Teresa, die das Leben in Beschaulichkeit und Meditation, die ihren Orden hinter sich ließ und stattdessen im Elend von Kalkutta arbeitete und dort auch starb.

Es hat diese Gestalten im Laufe der Geschichte des Christentums gegeben, die in der von Jesus beschriebenen Radikalität in die Nachfolge aufbrachen und alles und alle hinter sich ließen. Und es ist gut, dass es sie gegeben hat. Wir brauchen ihr Vorbild.

Aber was ist mit uns? Was fangen wir mit diesem radikalen Ruf Jesu in die Nachfolge? Was heißt das für die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die bald versprechen werden, in der Nachfolge Jesu leben zu wollen.

Vielleicht machen wir uns einfach mal Gedanken, was dieser Ruf in die Nachfolge bedeutet. Ich behaupte, dass der Ruf in die Nachfolge kein Aufruf ist zu religiösen Höchstleistungen. Den Ruf in die Nachfolge verstehe ich als einen dreifachen Ruf. Es ist der Ruf zur Freiheit, der Ruf zum Leben und der Ruf in eine Zukunft.

Freiheit, Leben, Zukunft – das verspricht uns Jesus, wenn wir uns auf ein Leben mit ihm einlassen.

Darum zuerst der Ruf in die Freiheit:
„Die Füchse haben ihren Bau, und die Vögel haben ihr Nest. Aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sich ausruhen kann.“

Vielleicht können wir diesem Jesuswort etwas abgewinnen, wenn wir es nicht nur verstehen als ein Wort des Verlustes; dass ich meine Heimat zurücklassen soll und damit alles, was mir lieb und wert ist. Verstehen wir dieses Wort doch mal als Ruf in die Freiheit.

Eine neu geschenkte Freiheit kann fremd und unheimlich wirken. Wir wissen noch nicht, was diese Freiheit uns bringen wird. Als Israel von Gott aus der Sklaverei geführt wird und sie den Weg in die Wüste antreten, da ist ihnen diese neu gewonnene Freiheit bald zu schwer. Sie erinnern sich an die sogenannte Fleischtöpfe, die sie in Ägypten hinter sich gelassen haben und sehnen sich nicht nur einmal danach. Aber die Israeliten tauschten die Fleischtöpfe ein – am Ende – nach langer mühevoller Wanderung für die Freiheit des Gelobten Landes.

Der Weg in die Freiheit reißt oft heraus aus der häuslichen Geborgenheit und der Sicherheit der vier Wände. Aber am Ende wiegt die Freiheit schwerer als alles Zurückgelassene.

Unsere Tage sind bestimmt von der Sorge, was der Coronavirus noch alles mit uns machen wird. Werden meine Lieben und ich verschont bleiben? Wer wird sterben? Wie wird unser Leben in wenigen Wochen aussehen? Ich verstehe Jesu Ruf in die Freiheit so, dass er uns an dazu aufruft, dass wir die Fesseln der Sorge um unsere Zukunft ablegen. Es hilft nichts, sich immerzu zu sorgen darum, was passieren wird.

Ich habe in diesen Tagen einen sehr bewegenden Bericht eines Pfarrers aus den Waldensertälern in Norditalien erhalten. Das ganze Leben ist dort in Quarantäne getaucht, das öffentliche Leben existiert nicht mehr unter anderem sind auch religiöse Feiern und Zusammenkünfte verboten. Der Pfarrer endet seinen bewegenden Bericht mit den Worten:

„Darüber hinaus und vor allem erinnern wir uns daran, dass in einem Monat Ostern ist. Der Tag, an dem wir eine Hoffnung feiern, die alle Frucht besiegt hat. Der Herr sei mit euch allen.“

Für uns Christen gilt, was Jesus selbst uns sagt: Sorgt euch nicht um euer Leben. Vertraut darauf, dass Gott euch jeden Tag das gibt, was ihr zum Leben braucht. Und vergesst nie: Der Menschensohn hatte keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen konnte. Sollten wir da nicht mit dem auskommen können, was wir mehr haben als Millionen Menschen auf dieser Erdkugel?
In Jesu Worten scheint das auf, was wir Freiheit vom Sorgen nennen – und das ist gewiss ein hohes Gut.

Dann der Ruf ins Leben:
Es mutet hartherzig an, wenn Jesus dem, der ihm mit Ernst nachfolgen will, nicht erlaubt, den eigenen Vater zu begraben. „Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!“

Es geht hier nur vordergründig um eine Bestattung. Hintergründig sagt Jesus hier etwas über den Tod und das Leben aus. Jesus will, dass wir uns in seiner Nachfolge dem Leben zuwenden und nicht dem Tod. Er will, dass wir uns verabschieden von einer Kultur des Todes.

Es ist ja so, dass wir uns in unserer Gesellschaft kaum mehr über den Tod unterhalten. Wenn in der Familie ein Todesfall eintritt, so höre ich oft von den Angehörigen: Hätten wir doch mehr über den Tod gesprochen. Vielleicht hätten wir uns dann leichter verabschieden können. Aber den Tod haben wir in unserer Kultur tabuisiert. Wir leben und reden, als wäre der Tod keine Sicherheit unseres Lebens.
Dabei ist der der Tod in unserer Gesellschaft sehr präsent und sogar dominant. Kein Tag, an dem wir nicht konfrontiert werden mit den Bildern des Todes in Syrien oder Afghanistan. Jeden Tag berichtet unsere Zeitung von Verkehrstoten, oft Menschen, die durch den Leichtsinn und die Unbeherrschtheit anderer ihr Leben verlieren. In immer kürzeren Abständen verlieren Menschen auf der ganzen Welt ihr Leben durch Überschwemmungen, Erdbeben oder Dürrekatastrophen. Und für unsere Kinder und Jugendliche ist der Tod in den vielen Computerspielen sogar schon zum Spiel geworden. Der Tod ist in unserem Leben allpräsent und eigentlich übermächtig.

Davon müssen wir wegkommen. Lasst die Toten ihre Toten begraben, wir aber wenden uns dem Leben zu. Es gilt, mit aller Macht, wieder das Leben zu schützen. So wie es der Tübinger Theologe Eberhard Jüngel formuliert: „Es gilt, Abschied vom Tode zu nehmen – und nicht Abschied vom Leben. Wer Jesus folgt, ist ganz und gar für das Leben da. Und: Arbeit für das Gottesreich ist Abschied vom Tode.“

Und zuletzt - wir vernehmen einen Ruf in die Zukunft:
Zukunft gibt es nur, wenn wir nach vorne blicken. „Wer seine Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“

Das deutet darauf hin, dass es Zukunft nur gibt, wenn die Vergangenheit zurückgelassen wird. Dies ist freilich ein gefährliches Unternehmen. Denn wir wissen, dass es keine Zukunft gibt ohne den Blick zurück in die Vergangenheit und ohne die Erkenntnisse, die man aus der Vergangenheit gewonnen hat. Deshalb ist der Blick nach vorne auch klar zu definieren. In Wochenpsalm, der diesem Sonntag auch den Namen gegeben hat, heißt es: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“

Das ist der Blick nach vorne. Und wir Christen, die wir mitten in der Passionszeit stehen, blicken nach vorne auf einen Herrn, der ins Leiden, in den Tod ging. Und wir bekennen, dass er das für uns getan hat zur Vergebung unserer Sünden.

Er hat unsere oft so schuldhaft verstrickte Vergangenheit, auch unsere Verstrickung in den Tod auf sich genommen, sie für uns getragen, damit wir den Blick nach vorne tun können, damit uns Zukunft und Leben eröffnet ist.

Schuld und Versagen – so sagt uns der in die Nachfolge rufende Christus - werden nicht unter den Teppich gekehrt, ignoriert oder vertuscht. Schuld und Versagen dürft ihr bei mir, dem Christus Gottes ablegen, ich trage sie ab. „Du aber verkündige das Reich Gottes.“

So ruft er uns in die Nachfolge, dass wir zu Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern am Reich Gottes werden. Dass wir uns einsetzen dafür, dass Menschen Zukunft und Leben und Freiheit haben.

Amen

Okuli, 15. März 2020 Matthäus 26,14-30

Dekanin von Zuffenhausen: Elke Dangelmaier-Vinçon

Liebe Gemeinde!

Wir sind mitten in der Passionszeit. In vier Wochen feiern wir Ostern. Da nimmt uns der heutige Predigttext mit hinein in eine Szene, die uns allen vertraut ist. Wie hören auf Matthäus 26:

Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen Judas Iskariot, hin zu den Hohenpriestern 15 und sprach: Was wollt ihr mir geben? Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm dreißig Silberlinge. 16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit, dass er ihn verriete. 17 Aber am ersten Tage der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten? 18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa feiern mit meinen Jüngern. 19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm. 20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. 21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. 22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's? 23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten. 24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre. 25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es. 26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib. 27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus; 28 das ist mein Blut des Bundes,  das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden. 29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich. 30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Liebe Gemeinde!

Es ist keine einfache Zeit. Jesus spürt, dass sich etwas zusammenbraut. Er redet von der Endzeit, vom Weltgericht. Allerdings droht ihm kein Virus. Zu unbequem war er. Zu anders hat er von Gott gesprochen als die Menschen es gewohnt waren. Er weiß, dass sein Leben in Gefahr ist. Und tatsächlich ist sein Tod schon beschlossene Sache. Die Verantwortlichen wollen nur noch die Festtage abwarten, bevor sie zuschlagen. Schließlich hat Jesus ja auch Freunde und Anhänger. Die wollen sie nicht gegen sich aufbringen. Es soll vor allem keinen Aufstand geben

Wie dunkle Wolken hängt die Drohung über Jesus, über seinem Leben. Noch einmal erfährt er Zuwendung. Verschwenderisch, kostbar, einfach so. Eine Frau salbt ihn. Salbt ihn wie eine Prophetin einen König. Die Namenlose einen, der schon so gut wie tot ist. Was hätte man mit dem Geld alles machen können. Die Jünger sind außer sich. Doch Jesus nimmt die Frau in Schutz. An dieser Stelle setzt unser Predigttext ein. Da geht einer der Jünger, geht zu den Feinden Jesu und bietet ihnen einen Deal an. „Was gebt ihr mir, wenn ich ihn euch verrate?“  Dreißig Silberlinge. Dreißig Silberlinge für das Ende einer Freundschaft. Dreißig Silberlinge für ein Leben - der Judaslohn - sprichwörtlich bis heute. Dreißig Silberlinge so viel ist dem Alten Testament ein Sklave wert. So viel muss man zahlen, wenn der eigene Ochse den Sklaven eines anderen getötet hat. Für dreißig Silberlinge bekommt man zur Zeit Jesu einen Esel. Heute reicht es umgerechnet für einen Kleinwagen. Nicht einmal daran hat sich etwas geändert.

Was ist ein Leben wert?
Einen Sklaven, einen Esel, einen Kleinwagen?

Der engste Kreis bricht. Das Vertrauen ist zerstört. Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Wem kann man noch trauen, wenn einen die Nächsten ans Messer liefern? Wenn einer alles nur noch abtastet, wann es so weit sein wird. Dann ist der Tod schon im Spiel. Ausgerechnet an der Schwelle zum Fest der Freiheit. Passah, die Stärkung auf dem Weg in die Freiheit.

„Meine Zeit ist nahe“, sagt Jesus. Nach außen ist alles wie immer. Der Saal ist bereit, das Lamm ist gebraten. Es ist Abend, die Lampen brennen. Jesus und die Jünger liegen um den Tisch. Es könnte so schön sein, gemütlich, festlich. Ein Abend unter Freunden, mit Wein und gutem Essen.

Doch dann dieser Satz: „Einer unter euch wird mich verraten.“  Die Jünger fahren hoch. Auf vielen Bildern und Altären ist diese Szene gemalt. Immer ist Judas unschwer zu erkennen. Mal am gelben Gewand des Neidischen, mal am Geldbeutel, den er umklammert. Judas, der, der Jesus verrät. Der noch vor der Kreuzigung an diesem Verrat zerbrechen wird. Der nicht weiterleben will mit dem Wissen, einen Unschuldigen ausgeliefert zu haben. Der deshalb sein Geld und sein Leben wegwirft.

Doch die anderen Jünger zeigen nicht mit dem Finger auf Judas. Der da, der muss es sein. Nein, sie sind bestürzt, traurig. „Bin ich es?“  fragen sie. Sie blicken nach innen, sind ganz normale Menschen. Die sind nie ganz schwarz oder ganz weiß. Sie spüren, dass auch in ihnen etwas ist, das sie zum Verräter machen könnte. Da ist Petrus, impulsiv, immer vorne dabei. Nimmt gern den Mund voll. Ist bereit, für Jesus in den Tod zu gehen - sagt er. Und verleugnet Jesus dann doch dreimal. Da sind die Söhne des Zebedäus. Auch sie wollten ganz vorne dabei sein. Wenn nicht jetzt, dann bitte eine Führungsposition im Reich Gottes. Ihre Mutter hat schon einmal ein gutes Wort für sie eingelegt. Auch die anderen wollten schon mal genau wissen, wer der Größte sein werde. Da stellt ihnen Jesus ein Kind hin. An ihm sollen sie sich ein Beispiel nehmen. Ganz nah wollten sie Jesus sein, sind mit ihm gegangen, haben ihm zugehört, zugesehen.
Und doch sind sie sich nicht sicher. Die Jünger sind keine Heiligen. „Herr, bin ich es?“  Es ist in jedem/jeder von uns.

Und dennoch bricht Jesus dieses Passamahl nicht ab, wirft die  Jünger nicht raus. Er feiert mit ihnen. Feiert auch mit dem, der ihn verraten hat. Teilt mit ihnen Brot und Wein. Teilt das, was so lebensnotwendig ist, wie das Brot. Teilt den Wein und all das, was das Leben bunt und reich macht. Er sagt ihnen zu: Nehmt und esst. Nehmt mich in euch auf. Nehmt und trinket alle daraus. Alle – auch du, Judas. Auch du, Petrus.
Trinket alle. Ich gebe mich für euch. Für euren krummen Dinger. Für eure Lebenslügen und eure Feigheit. Für eure Brüche, für euren Verrat. Damit die Welt nicht bleibt, wie sie ist. Nehmt und esst, nehmt und trinkt. Ich sehe euch so, wie Gott euch gemeint hat. Lasst den alten Kram hinter euch. Ihr könnt es besser. Ich traue es euch zu. Auch für euch gibt es eine Alternative. Gott will, dass ihr frei seid. Nehmt und esst, nehmt und trinkt. Schmeckt schon das Fest, die Freude, die bei meinem Vater auf euch, auf uns, wartet.

Darauf können wir auch dann vertrauen, wenn wir derzeit nicht wirklich miteinander Brot und Wein teilen können. Wir müssen zur Zeit andere Formen suchen, wie wir beides teilen können: das Brot, das Lebensnotwendige, und den Wein, das Schöne, das Fest. Aber gerade in diesen Zeiten kommt es darauf an, nach wem wir schauen? Nur nach unserem Vorteil – Hauptsache, mir geht es gut. Hauptsache ich habe genug zu Hause. Oder schauen wir auch nach den anderen? Nach denen, die unsere Hilfe brauchen. Sei es ein Einkauf. Sei es ein Anruf. Wir werden dabei Fehler machen. Hinterher ist man sicher gescheiter. Es bleibt aber dabei: In die Einladung Jesu, in seine Zusage, sind auch wir hineingenommen. So, wie wir sind.  Gott sei Dank!

Amen