Das Wort zum Sonntag

Woche 2 der Coronakrise ist geschafft: Arbeiten im Homeoffice klappt, Spaziergehen ist so populär wie nie zuvor und Toilettenpapier immer noch Mangelware. Die Kurzarbeit bereitet neue Sorgen. Da kommt der Zuffenhäuser Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon ein Song von Silbermond in den Sinn...

Judika, 29. März 2020 Hebräerbrief 13,12-14

Die Zuffenhäuser Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon predigt an Himmelfahrt

Die Frühlingssonne lockt.
Die Tage sind länger und heller.
Überall blüht es wieder und die Vögel singen um die Wette.
Es könnte so schön sein.
Doch Rausgehen muss gut überlegt werden.
Einfach so - lieber nicht.
Allenfalls einzeln eine Runde drehen.
Draußen Zusammensein wird teuer.
Damit es auch die Letzten kapieren: Drinnen-Bleiben rettet Leben.
Und so bleiben die Kinder im Haus, die Alten und die, die nicht wissen, wie es mit ihrem Arbeitsplatz, mit ihrem Betrieb weitergehen wird.
Die anderen müssen raus: die Menschen, die Versorgung sicherstellen.
In den Krankenhäusern und Heimen, auf den Bauernhöfen und in den Supermärkten, bei der Müllabfuhr und beim Bäcker und viele andere.
Nein, dafür reicht Klatschen vom Balkon nicht.
Ihre Leistung braucht Anerkennung, die sichtbar und spürbar ist.
Auch, wenn die Krise vorbei ist.

Drinnen und draußen.
Viel zu tun die einen und nicht wissen, wohin mit sich die anderen.
Dieser Spagat prägt gerade unser Leben.

Ein Lied von „Silbermond“ kommt mir in den Sinn.
Es ist schon älter, aber es bündelt die Gefühle derzeit ganz gut:

Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist
und alles Gute steht hier still.
Und dass das Wort, das du mir heute gibst,
morgen noch genauso gilt.

Diese Welt ist schnell
und hat verlernt beständig zu sein.
Denn Versuchungen setzen ihre Frist.
Doch bitte schwör, dass wenn ich wieder komme,
alles noch beim Alten ist.

Gib mir ein kleines bisschen Sicherheit
in einer Welt in der nichts sicher scheint.
Gib mir in dieser schweren Zeit irgendwas das bleibt.

Gib mir einfach nur ein bisschen Halt.
Und wieg mich einfach nur in Sicherheit.
Hol mich aus dieser schnellen Zeit.
Nimm mir ein bisschen Geschwindigkeit.
Gib mir was... irgendwas, das bleibt.

Ein sicherer Ort.
Einer, an dem alles noch beim Alten ist.
Ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Ja, das wäre schön.
Einschlafen und Aufwachen und alles wäre wieder gut.
Wer hat sich das in diesen Tagen nicht schon gewünscht?
Irgendwas das bleibt, wo sich alles so rasant verändert hat.

Drinnen und draußen.
Während wir versuchen uns im völlig veränderten Alltag einzurichten, gibt es noch ein anderes „draußen“.
Im Schlamm, in Zelten und Containern hausen Geflüchtete an den Grenzen der Europäischen Union.
Zusammengepfercht auf engstem Raum, unter fürchterlichen hygienischen Bedingungen.
An Händewaschen und sicheren Abstand nicht zu denken.
Kinder, Junge und Alte, Schwangere und Kranke.
Doch die Grenzen sind dicht.
Immer höher die Zäune, mit Stacheldraht überzogen, mit Wasserwerfern verteidigt – das christliche Abendland.
Es ist eine Schande!

Draußen sind auch in unserer Stadt Menschen.
Aus dem Leben gefallen. Den Halt verloren. Auf der Straße gelandet.
Das geht manchmal verdammt schnell.
Ein hartes Leben, schon unter normalen Umständen.
Aber jetzt?
Wo alle hinter verschlossenen Türen sitzen?
Wo Bilder von leeren Innenstädten weltweit die Runde machen?
Wer schaut nach ihnen?
Wie erleben sie „ein kleines bisschen Sicherheit“?

Von einem, der von drinnen nach draußen gegangen ist, erzählt der Hebräerbrief:

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Ein kleines bisschen Sicherheit in einer Welt, in der nichts sicher scheint.
Nein, das beschreibt der Hebräerbrief nicht.
Ganz kurz deutet er an, was Jesus erleiden musste.
Einsamkeit:
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Einer der besten Freunde hat ihn verraten, ans Messer geliefert.
Seine anderen Freunde zu erschöpft, um mit ihm die Nacht durchzustehen.
Später tauchen sie ab. Haben zu viel Angst um sich, wissen nicht, was ihnen noch blüht.
Schmerzen.
An Körper und Seele.
Geschunden bis aufs Blut.
Ausgeliefert den anderen.
Ihren Quälereien, ihren Blicken, ihrem Spott.
Jesus ist diesen Weg gegangen.
Damit wir darauf vertrauen können: er weiß, wie das ist.
Er hat es selbst durchgemacht.
Jesus ist nicht drinnen geblieben. In Sicherheit.
Er war da draußen.
Nichts kann uns von ihm trennen.
Keine Einsamkeit.
Keine Angst.
Kein Schmerz.
Keine Ohnmacht.
Er ist bei uns.

Jesus ist auch heute draußen.
In den Lagern an den Grenzen.
Im Schlamm und in der Kälte.
Er ist draußen auf der Straße, bei denen ohne Zuhause.
Friert mit ihnen.
Leidet mit ihnen.
So wie wir sie behandeln, behandeln wir ihn, das hat er uns eingeschärft.

Jesus ist auch heute draußen.
Bei denen, die gerade aus der Spur kommen.
Bei denen, die nicht mehr weiterwissen.
Bei denen, die vor die Tür gesetzt werden.
Bei denen, die gerade kaum mehr nach Hause kommen, weil sie so lange im Einsatz sind.
Bei denen, die einsam um Luft ringen müssen.
Ihnen allen ist er nahe.
Leidet mit ihnen.
Hält aus mit ihnen.
Er bleibt in dieser unsicheren Zeit.
Bleibt nahe.

So gern wir es hätten: sich einrichten in Sicherheit geht nicht.
Kein Ort ist ganz sicher.
Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.
Wir sind und wir bleiben unterwegs durch dieses Leben.
Aber es ist kein Weg ins Ungewisse.
Es ist der Weg in Gottes zukünftige Stadt.
Dorthin, wo Leid, Geschrei, Schmerz und Tod ein Ende gesetzt ist.
Dorthin, wo Gott bei uns wohnt.
Gott wird unsere Tränen trocknen.
Und uns in die Arme schließen.
Darauf gehen wir zu.

Amen

Pfarrerin Franziska Stocker-Schwarz vom bibliorama - das bibelmuseum Stuttgart predigt hin und wieder auch in der Stuttgarter Stiftskirche

Liebe Stiftskirchengemeinde, liebe Geschwister,
drinnen oder draußen, alleine oder zusammen, das macht einen großen Unterschied dieser Tage.
Ich vermisse Sie, liebe Stiftskirchengemeinde. Wir sind hier ziemlich allein, Sie müssen draußen bleiben. Wir sind drinnen, Mesner Markus Friedrich und ich. Aber eigentlich wären wir gerne mit Ihnen zusammen.
Sie sind drinnen in Ihrer Wohnung – und gehen nur nach „Draußen“, wenn es sein muss.
Drinnen und Draußen sind zwei wichtige Worte zurzeit.

Glücklicherweise ist uns heute am Sonntag Judika in der Passionszeit ein Predigtwort gegeben, dass auch mit diesen Worten „Draußen“ und „Drinnen“ arbeitet: Hebräer, Kap. 13, die Verse 12 – 14.

„Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Übersetzung Luther 2017)
  ** „Herr, segne Dein Wort an uns allen. Amen.“ **

Wie ein Detail aus einem alten Standbild so kommt uns dieser Text aus dem Hebräerbrief entgegen. Da sind Worte, die wir kennen... Eben das Wort „draußen“ oder das Wort „Stadt“. Aber so wie bei einem alten Standbild auch Dinge dargestellt werden, die man heutzutage nicht mehr versteht… (denken Sie z. B. an die Darstellung des Schutzmantelchristus in der Stiftskirche: Da werden zu den Füßen der Christusgestalt über zwölf verschiedene Menschen dargestellt. Alle haben unterschiedliche Kopfbedeckungen. Jede einzelne Kopfbedeckung hat ihre Bedeutung, da kann man lange darüber sinnieren.)
Genauso bringen die wenigen Worte in diesen drei Versen jeweils einen ganzen Kranz von Bedeutungen mit sich.

Also, so wie man sich in ein altes Kunstwerk erstmal „hineinversenken“ muss, um es zu verstehen, ist es auch bei diesen Worten aus dem Hebräerbrief. Denn sie stammen aus dem letzten Kapitel, das eine Zusammenfassung des gesamten Schreibens darbietet. Der Brief ist wie eine Predigt an Christen, die ungefähr 50 Jahre nach Jesu Tod lebten. Diese Frauen und Männer kannten die hebräische Sprache. Sie kannten sich aus in den hebräischen Schriften, in den fünf Büchern Mose. Ja, sogar noch darüber hinaus kannten sie die Auslegung ihrer Zeit. Und sie hatten Jesu Worte beherzigt: „Ihr wisst, was zu den Alten gesagt war, ich aber sage Euch.“ Also: Diese Gläubigen kannten dieses Alte, die Gebote und Vorschriften der Torah und die Lehren der Rabbiner.
Sie wussten, was zu den „Alten“ gesagt war, und sie kannten, was in Jesus „Neues“ gilt. Für den Alten Bund galt, „drinnen“ im Tempel, „drinnen“ am Opferaltar, da ist das Heil. Aber „draußen“ vor dem Lager, oder vor der Stadt, da ist der Ort, wo Menschen bestraft wurden.

So wurde ja auch Jesus draußen vor der Stadt, auf dem Hügel Golgatha hingerichtet. Das war der Ort der Schande. Das galt „für die Alten“. Aber im Sinne Jesu, der sprach „Ich aber sage Euch!“ ist es völlig anders. Das Kreuz und dieser Ort wurde zum Ort des Heils für die gesamte Christenheit.So singen wir ja auch in einem Passionslied:

„Nun gehören unsere Herzen ganz dem Mann von Golgatha, der in bittern Todesschmerzen das Geheimnis Gottes sah. Das Geheimnis des Gerichtes über aller Menschen Schuld, das Geheimnis neuen Lichtes aus des Vaters ewger Huld.“ (EG 93,1)

„Draußen“, dieser Ort wurde zum Ort des Heils. Denn Jesus hat sein Leben für die vielen dahingegeben, wie es im Markusevangelium, Kap. 10, Vers 45 heißt.
In ihm wirkte Gott und versöhnte die Welt mit sich selbst. Daher war für die urchristliche Gemeinde der Ort „draußen“ eigentlich der Raum, wo sie „drinnen“, in Christus, waren.
Und in diesem Sinne werden sie aufgefordert, zu Jesus nach draußen zu gehen.
Vers 13: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager…“
Es geht also darum, bei Jesus zu sein….

Er war damals auf Golgatha ziemlich allein. Nur einige Frauen, seine Mutter und seine Tante z.B. und Maria Magdalena, standen näher bei ihm. Ansonsten war er nur von Hohn und Spott, von den Verbrechern zur Rechten und Linken und den römischen Soldaten umgeben. Alleine hatte er sein Kreuz da hinaus tragen müssen und war darunter zusammengebrochen.

Bei Jesus da draußen zu sein, kann uns dieser Tage stärken. Denn er, den wir als Herrn und Heiland bekennen, versteht uns, wenn wir uns dieser Tage sehr alleine fühlen. Er weiß, wie es sich anfühlt, wenn man alleine ist. Er sieht Sie in Ihrer Wohnung. Er versteht Sie!
Er versteht diejenigen, die unter der momentanen Last fast zusammenbrechen. Wenn das Geschäft schier am Zerbrechen ist, wenn die Arbeit auf der Krankenstation einfach viel, zu viel ist.

Vor drei Tagen begegnete mir um die Mittagszeit eine Verkäuferin, die ich aus dem Supermarkt kenne. Sie lief auf der einen Straßenseite, ich auf der anderen. „Hallo, und einen guten Feierabend!“ rief ich hinüber. Sie sagte: „Ja danke, das kann ich brauchen! Ich bin echt müde, für heute reicht’s und, ich sag Ihnen, das Wort „Klopapier“ kann ich nicht mehr hören.“

Todmüde – schier am Zusammenklappen… Jesus versteht’s.
Er versteht auch diejenigen, die auf der Isolierstation als Kranke liegen und sich sterbeelend fühlen. Erlauben Sie mir ein persönliches Wort: „Ich erinnere mich noch gut, wie ich als junge Mutter durch einen Virus sterbenskrank wurde und wochenlang auf der Isolierstation lag. Jede Handreichung, jedes Lächeln eines Pflegenden war eine Wohltat. Ich war so schwach, mein Glaube war so schwach. Es war gut, sich in den Schutzmantel des Gebets anderer zu hüllen.“

Jesus versteht uns leidende Menschen und hüllt uns ein in seinen Mantel des Schutzes und des Friedens.
Das ist das erste heute morgen:
Jesus kann überall drinnen sein und helfen.
Zweitens: Vers 13: „So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“
„seine Schmach tragen?“

Warum spricht der Predigttext von Schmach? Warum sollen Christen mit Jesus seine Schmach teilen?
Nochmal ein Blick zurück in die Welt des 1. Jahrhunderts nach Christus. Diese ersten Christen kannten schon Verfolgung. Sie waren schon aus der Stadt vertrieben worden, weil sie „dem neuen Weg“ anhingen. Daher werden sie nun aufgefordert, darin mutig zu bleiben. Jeder Christ soll diese Chuzpe haben, wegen Jesus Christus belacht, bedrängt oder vielleicht sogar verfolgt zu werden. Das ist eine große Herausforderung. Wir hier in Deutschland genießen völlige Freiheit, unseren Glauben zu leben.

Aber vergessen wir es nicht, vor drei Sonntagen haben wir im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, ACK, wieder an die verfolgten Glaubensgeschwister weltweit gedacht. Die Verfolgungssituationen werden stärker. Weltweit leiden nun über 260 Millionen Christen an hoher bis extremer Verfolgung. Christenverfolgung ist leider nicht nur eine Geschichte aus der frühen Christenheit.
Der Hebräerbrief mahnt und erinnert alle Christen aller Zeiten, in den Spuren Jesu zu gehen und in den Wegen der christlichen Lehrer!  Auch wir sollen bereit sein, „Jesu Schmach“ zu tragen. Diesem Beispiel soll jeder nachfolgen. Dass es uns nicht zu viel ist, wegen Jesus Christus vielleicht belacht, bedrängt oder vielleicht sogar verfolgt zu werden.

Heute an diesem Sonntag, wo Gott, der Richter, auch im Sonntagsnamen genannt wird, wollen wir auch an diejenigen denken, die leiblich verfolgt werden. Über 70 Millionen Menschen etwa sind zur Zeit auf der Flucht. Bitte beten Sie für diese Menschen.

Am 3. März dieses Jahres hat es z.B. Pfarrer Haroutune Selimian aus Aleppo hier in Stuttgart bezeugt, dass es Hoffnung mitten in Krieg und Katastrophe gibt. Seine Kirche in Nordsyrien wurde 2014 wieder aufgebaut. Die Gemeinde versteht sich als Brückenbauer und Friedensstifter. Über das Gustav-Adolf-Werk sind wir tatkräftig mit ihnen verbunden; aber eben auch im Gebet.

Auch wir als Christen in der Stadt Stuttgart haben eine große Aufgabe. Da können Sie und ich viel tun. Für mich ist es im Moment auch nicht leicht. Das bibliorama ist bis auf weiteres geschlossen. Es gibt sehr viel zu planen, abzusagen, zu rechnen, zu organisieren.

Jedoch gibt es auch so viele Möglichkeiten, die Hoffnung in Jesus weiterzugeben. Es gibt die Aktion des Balkonsingens. Da könnte man um 19 Uhr abends das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ am offenen Fenster oder vom Balkon aus singen oder musizieren. Es gibt die Möglichkeit, ein Licht ins Fenster zu stellen beim Abendläuten und füreinander zu beten. Das wäre doch wunderbar, wenn da viele mitmachen würden. Zünden Sie Lichter an, erleuchten Sie Stuttgart mit dem Licht des Gebets. Und lassen Sie es sich gefallen, wenn man sie dafür belächelt.

Noch ein drittes: Vers 14 - „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ Wir sehnen sie herbei.
Gerade in diesen Tagen spüren wir es ja, wie sehr wir unsere Stadt vermissen. Den vertrauten Gang über den Wochenmarkt, das gemeinsame Plaudern beim Einkaufen, das Bummeln um die Stiftskirche und über den Schlossplatz. All diese Orte und ihre Menschen, diese Stadt ist uns lieb und wert. Aber in diesen Tagen werden wir daran erinnert, dass all dieses Leben hier, so schön es auch sein mag, nicht das Eigentliche ist. Sondern es gibt etwas Anderes.

Die Urchristen sprachen von dem, was kommen wird, die neue Stadt! Johannes schaute das neue Jerusalem vom Himmel herabkommen. Eine Stadt, von Gott gebaut. Die Glaubenden sehnten sich nach dem Neuen. Vielleicht kann uns die Not dieser Tage daran erinnern, dass unser Leben hier, wo wir uns oft so gut eingerichtet haben, nicht das Eigentliche ist, was Bestand hat. Denn ein jeder von uns wird einmal sterben.

Wenn wir uns miteinander noch einmal an die alte Skulptur des Schutzmantelchristus erinnern. Ganz verschiedene Menschen sind dort um den Christus versammelt. Sie stehen unter seinem Schutz. Bürgerinnen und Bürger, Verheiratete und Unverheiratete, Kaufleute, Handwerker, Gelehrte, Geistliche wie Pfarrer, Bischof und sogar der Papst. Wenig später wurde eine ganz andere Art der Darstellung beliebt, die auch all diese verschiedenen Menschen, in ihren verschiedenen Aufgaben, in ihren verschiedenen Ständen zeigte…Aber alle gezeigten Menschen standen in Gefahr. Sie wurden stets in Begegnung mit einem Gerippe dargestellt. Der Gevatter Tod näherte sich, kam jedem nahe, egal aus welchem Stand. Was für ein schreckliches Bild!

Immer wieder, durch die Jahrhunderte hindurch, meinte man: Die Leute brauchen so eine Erinnerung daran, dass sie sterben müssen.
„Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“
Dieser Bibelvers soll uns heute nicht erschauern lassen, oder kalten Angstschweiß auf die Stirn treiben. Nein, sondern die zukünftige Stadt, das zukünftige Zuhause, die sichere Wohnung kommt uns entgegen. Das ist die Botschaft, die Jesus brachte. Das unterstreicht christliche Predigt:
Hab keine Angst. Gott hat einen Platz für Dich. Gott weiß um Dich und kommt Dir entgegen. Er klopft bei Dir an und will bei dir drinnen sein. Ja, noch mehr, ER, der Lebendige, will für Deinen zukünftigen Weg sorgen.

Wir sehnen uns nach der zukünftigen Stadt, wo wir in Sicherheit sind. Wo kein Leid und Schmerz noch Geschrei mehr sind. Wo der Tod keine Macht mehr hat. Diese Sehnsucht kann in Jesus und durch Jesus gestillt werden. Ob drinnen oder draußen, ob alleine oder zusammen, ob in der Gegenwart oder in der Zukunft: Der große Gott kann uns beschützen, über den Tod hinaus.

Daran erinnert auch der Schutzmantel des Christus in der Stiftskirche. Der Christus trägt die Zeichen des Todes. Christus für uns gestorben. Und er breitet den Mantel weit aus. Die himmlische Welt hilft mit Engeln mit. Weit ausgebreitet wird der Mantel, um uns alle zu schützen vor dieser Macht des Todes und der Hölle. Er will uns unter seinen Mantel nehmen und behüten und durchtragen.
Ich meine, es ist es wert, gerade in diesen Tagen, sich zu Jesus auszustrecken und ihm zu sagen: „Herr, komm du bald. Du bist das Zukünftige. Du bist das, was wir brauchen.“

Amen