Die BasisBibel

DIE „Bibelübersetzung für das 21. Jahrhundert“, so nennt die Deutsche Bibelgesellschaft die BasisBibel, die seit Januar 2021 zu haben ist. „Sie ist eine neue Bibelübersetzung, die sich in besonderer Weise durch ihre Verständlichkeit und Zuverlässigkeit auszeichnet.“ (Deutsche Bibelgesellschaft).

Es gibt schon mehr als 35 deutsche Bibelübersetzungen. Brauchen wir noch eine? Ja, denn jede hat Vor- und Nachteile. Keine kann alles erfüllen. Und noch ein Ja, denn Sprache verändert sich und unsere Lesegewohnheiten verändern sich, im digitalen Zeitalter besonders.

„Sätze, wie in einer sms, nicht mehr als 16 Wörter.“ – ich erinnere mich noch, so ähnlich lautete ein bei der Deutschen Bibelgesellschaft intern geäußerter Gedanke, als man dort über ein neues Bibel-Übersetzungsprojekt sprach. An eine Art „Elementarbibel“ für junge Leute war gedacht. Denn auch aus der evangelischen Jugendarbeit kam Anfang der 2000er Jahre der Wunsch nach einer neuen Bibelübersetzung.

Den alten Text gut und richtig verständlich zu machen, ist eines der Ziele. Und leicht lesbar sollte er sein. Dabei orientierte man sich von Anfang an daran, dass die digitalen Medien unsere Lesegewohnheiten enorm verändern: Wir werden im Alltag mit immer mehr Texten konfrontiert und gleichzeitig oder deswegen nimmt die Bereitschaft, lange Texte zu lesen, ab. Klar war auch von Anfang an, dass die Texte sich auch am Bildschirm gut lesen lassen müssen. Hätten Sie an so etwas gedacht bei der Bibel? Ist wichtig heutzutage.

Eine Bibel – konzipiert auch für den digitalen Raum. Auch daran erinnere ich mich noch: Das war eine völlig neue Herangehensweise. Es gibt diese neue Übersetzung deshalb nicht nur als Buch, sondern auch digital als Online-Bibel im Internet und in der App Die-Bibel.de. Und – es wäre sonst nicht die Deutsche Bibelgesellschaft – Texttreue zum biblischen Urtext stand auch ganz oben auf der Agenda.

Im Jahr 2002 beschloss die Deutsche Bibelgesellschaft den Start des Übersetzungsprojekts. Man begann ein Jahr später mit dem Markusevangelium, denn das ist am leichtesten zu übersetzen. Seit 2010 gibt es das Neue Testament der BasisBibel zu kaufen. Und nun die „Vollbibel“, die ganze Bibel.

„Was lange währt, wird gut“ – das kann man bei der BasisBibel wirklich sagen. So eine Bibelübersetzung dauert lange, wenn man sie genau und gründlich vornimmt. Heutzutage sitzt dabei niemand mehr einsam in einer verstaubten, engen Studierstube, sondern über 40 Theologinnen und Theologen haben an der neuen Übersetzung und deren Prüfung gearbeitet. Alle biblischen Texte wurden vollständig neu übersetzt. Grundlage dafür waren die hebräischen und aramäischen Schriften des Alten Testaments sowie der griechische Text des Neuen Testaments. Die ÜbersetzerINNEN nutzten die aktuellsten wissenschaftlichen Ausgaben, die den Bibeltext am zuverlässigsten darstellen. Es wurde Wert daraufgelegt, die ursprüngliche Bedeutung möglichst genau wiederzugeben.

„Rund 100 000 Stunden hat das Projekt in Anspruch genommen. Eine einzelne Person hätte dafür elfeinhalb Jahre ohne Unterbrechung benötigt“, erfährt man bei der Deutschen Bibelgesellschaft.

Verständlich, aber nicht trivial ist die neue Bibelübersetzung. Sie macht uns die Welt von damals verständlich. Unter anderem dadurch, dass besondere biblische Begriffe wie „Gnade“, „Reich Gottes“ oder „Messias“ farblich hervorgehoben und in einem zusätzlichen Kurztext am Rand erläutert werden; bei der Online-Ausgabe bekommt man per Klick auf das markierte Wort die Erklärung dazu eingeblendet. Das erspart eigenes Suchen und stört den Lesefluss nicht, denn man entscheidet selbst, ob man die Begriffserklärung lesen möchte oder nicht. In der digitalen Fassung gibt es noch mehr Zusatzinformationen, Fotos, Videos und Landkarten.

Die sprachliche Struktur der neuen Bibel folgt bestimmten Regeln. Die Sätze in der BasisBibel sind in der Regel nicht länger als 16 Wörter und umfassen einen Haupt- und maximal einen Nebensatz. Alle Informationen eines Satzes sind klar gegliedert und linear angeordnet. Dadurch gibt es zum Beispiel keine komplizierten Schachtelsätze. 

Alles in allem: Sehr, sehr gut geeignet für Menschen, die erstmals in der Bibel lesen möchten. Sehr, sehr gut geeignet für Konfirmandinnen und Konfirmanden und andere Jugendliche. Sehr gut geeignet aber auch für alle anderen Altersgruppen, die sich ein leichteres Verständnis von biblischen Texten wünschen – besonders zu empfehlen für die Paulusbriefe – und gleichzeitig Wert legen auf eine seriös theologisch gearbeitete Übersetzung. 

Sehr gut auch als Ergänzung zur Lutherbibel 2017, die in ihrer besonderen und kunstvollen Sprache manchmal etwas schwer verständlich ist – im Vergleich mit der BasisBibel erhellt sich manches. Hier ein Beispiel aus beiden Übersetzungen, nicht um einer den Vorzug zu geben, sondern um die Besonderheiten deutlich zu machen:

Lukas 10,36-37 (aus „Der barmherzige Samariter“) 

Lutherbibel 2017: 

Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war? Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen! 

BasisBibel:

Was meinst du: Wer von den dreien ist dem Mann, der von den Räubern überfallen wurde, als Mitmensch begegnet?« Der Schriftgelehrte antwortete: »Der Mitleid hatte und sich um ihn gekümmert hat.« Da sagte Jesus zu ihm: »Dann geh und mach es ebenso.

Text: Pfarrerin Bettina Hoy (unter Verwendung von Informationen der Deutschen Bibelgesellschaft)