Die Glocken der Veitskapelle

1380 stiftet Reinhard von Mühlhausen, Bürger zu Prag, für seinen verstorbenen Bruder Eberhard die Veitskapelle, geknüpft an die Bedingung, dort täglich eine Seelenmesse abzuhalten. 5 Jahre später ist der Bau samt Glockenturm vollendet. Die Seelenmesse ist mittlerweile passé; die Glocken aber läuten weiter...

Die Veitskapelle in Mühlhausen hat zwei Glocken, die zu entsprechenden Anlässen automatisch bzw. manuell läuten bzw. geläutet werden.

Im Kirchturm der Veitskapelle hängen zwei Kirchenglocken. Die größere von beiden und westlich hängende Bet- und Vaterunserglocke mit dem Grundton H stiftete 1699 Stephan von Closen zu Heidenburg, der Ehemann von Maria Magdalena von Eyb, einer Wohltäterin während des 30-jährigen Krieges. Ihr großes Ölbild hängt bei uns an der Südwand des Kirchenschiffs und zeigt sie in einem schwarzen Samtgewand mit einem weißer Chiffonkragen. Gegossen wurde die größere Glocke in der Werkstatt des lothringischen Glockengießers Johannes Rosier aus Levécourt.

Die kleinere und östlich hängende Kreuzglocke ist mit der Jahreszahl 1697 die um zwei Jahre ältere. Sie ist nach dem Zweiten Weltkrieg aus Ost Deutschland ausgeliehen worden. Diese Glocke läutet mit dem Grundton Fis.

Geläutet werden unsere Glocken teilweise automatisch und teilweise manuell. Dafür gibt es einen Läuteplan. Zu unterscheiden ist ferner das reine Zeitläuten (automatisch) im Viertelstundentakt und der Zeitangabe zur vollen Stunde. Hinzu kommt das werktägliche Läuten für ca. 10 Minuten um 11 Uhr (Montag bis Samstag) und um 18 Uhr (Montag bis Freitag) mit einer Glocke sowie am Samstag um 18 Uhr mit zwei Glocken und zum Einläuten des Sonntags.

Von Hand geläutet wird zum sonntäglichen Gottesdienst und im Gottesdienst, wenn das Vaterunser gebetet wird sowie zu Kasualgottesdiensten wie Hochzeiten und Beerdigungen. Bei uns wird zum Gottesdienst nachgeläutet, d. h., wenn für die Gottesdienstanfangszeit 10:30 Uhr angegeben ist, dann beginnt das Läuten auch wirklich erst um 10:30 Uhr und sollte sieben Minuten dauern. Das bedeutet, dass das Orgelvorspiel zum Gottesdienst eben auch erst sieben Minuten später beginnt. Das Läuten obliegt normalerweise der Mesnerin oder in deren Vertretung einem Kirchengemeinderatsmitglied.
An Karfreitag und Karsamstag läuten die Glocken nicht.

Und wer hat in der besonderen Corona-Zeit, in der wir, wie alle anderen, keine Gottesdienste feiern durften, trotzdem das Läuten übernommen? Es war die eineinhalbjährige Aliza, Tochter unseres Kirchengemeinderatsvorsitzenden Andreas Allgayer bei ihrem „Sonntagsdienst“ - ein herzliches Dankeschön dafür.

Text: Andreas Hühn und Pfarrer Roland Spur