Nacht der offenen Kirchen – Ausgabe 14

Bereits zum 14. Mal lädt DIE NACHT DER OFFENEN KIRCHEN interessierte BürgerINNEN als auch Gemeindemitglieder ein, Kirchenräume der Evangelischen Kirche in Stuttgart zu erkunden bzw. neu und einmal anders zu entdecken. Doch nicht nur evangelische Kirchen sind in der Pfingstnacht am 9. Juni 2019 geöffnet, sondern auch katholische, alt-katholische und neuapostolische Gotteshäuser beteiligen sich an dieser Aktion mit spannenden Veranstaltungen.

6 Fragen an Pfarrerin Monika Renninger...

Hospitalhofleiterin Monika Renninger empfiehlt: Die Nacht der offenen Kirchen 2019

Und die 19 Gemeinden wollen entdeckt werden: Mit unserem Programmheft samt Routenplaner kann man zwischen Jazz- und Gospelkonzerten, Lesungen, Lichtinstallationen und Turmbesteigungen hin- und herpendeln oder es auf Meditationswegen ruhiger angehen lassen.
Die besten Insider-Tipps vorab hat aber schon mal Monika Renninger, Pfarrerin und Leiterin des Evangelischen Bildungszentrums Hospitalhof, denn sie ist bereits seit Jahren hinter den Kulissen der NACHT DER OFFENEN KIRCHEN tätig. Sie kennt die Akteure und die Entstehungsgeschichte dieses Events und darum haben wir bei ihr mal nachgefragt.

RED: Die NACHT DER OFFENEN KIRCHEN in der Pfingstnacht –  was ist das denn genau für eine Aktion der Evangelische Kirche in Stuttgart, Frau Renninger?

MR: Die meisten Menschen denken bei „Pfingsten“ an Ferien und an Staus auf allen Straßen. Das Pfingstfest ist aber genauso wie Weihnachten und Ostern ein Hochfest der Kirche. In der Bibel wird erzählt: Gott schenkt den Jüngerinnen und Jüngern Jesu seinen Geist, um das Evangelium weiterzuerzählen. Und es geschieht: Sie trauen sich was. Sie beginnen damit, Gottesdienste abzuhalten und vom Evangelium zu sprechen.
Deshalb sagt man manchmal: Das Pfingstfest ist der Geburtstag der Kirche und das haben wir zum Anlass genommen, in dieser Nacht unsere Kirchen zu öffnen und herzlich zu Begegnung, neue Entdeckungen, Gesprächen und kulturellen sowie auch kulinarischen Genüssen einzuladen, sozusagen ein besonderes "Geburtstagsfest" zu feiern.

RED: Und warum findet diese Öffnung der Kirchen zu später Stunde ausgerechnet in der Pfingstnacht statt?

MR: Wir haben natürlich auch schon morgens zum Gottesdienst offene Kirchentüren an Pfingsten so wie jeden Sonntag. Wir wollen ganz vielfältig erleben lassen, dass der Geist Gottes durch die Welt weht, deshalb sollen sich die Türen in vielen Stuttgarter Kirchen noch einmal - also in diesem Fall abends - zu besonderen Programmen öffnen: Kunst, Musik, Theater, Andachten, Lichtszenen in den Kirchenräumen. Es geht natürlich auch mit einem Gottesdienst am Abend los: Um 18 Uhr findet ein ökumenischer Gottesdienst mit Landesbischof Dr. h. c. Frank Otfried July und seinem katholischen Kollegen Bischof Gebhard Fürst in der Domkirche St. Eberhard statt. Um 19 Uhr beginnen dann die Programme in den 19 Stuttgarter Kirchen - siehe Programmheft.

RED: Pfingsten und das Pfingstwunder – spannen Sie uns als Theologin doch mal kurz den Bogen zur NACHT DER OFFENEN KIRCHEN. Geschehen da auch wundersame Dinge?

MR: Wenn Herzen, Türen und Fenster zur Welt aufgehen, ist das schon ein ziemliches Wunder, finde ich. Denn daraus entsteht wunderbare Musik, Kunst, Tanz und Theater - so vielfältig wie die vielen verschiedenen Sprachen, in denen die Jünger an Pfingsten sprechen können und verstanden werden.
Ein Wunder ist es auch, wenn man genug Geistes Gegenwart hat, um in einer Situation die richtigen Worte zu finden oder die Kraft und den Mut, etwas anzupacken und nicht aufgibt. Das erleben die Jüngerinnen und Jünger Jesu an Pfingsten.

RED: Die Veranstaltung ist ja nicht ganz neu, sondern bereits seit über einem Jahrzehnt in Stuttgart etabliert und doch jedes Jahr wieder anders. Was erwartet die BesucherINNEN 2019?

MR: Das schöne Programmheft stellt 19 Kirchen im ganzen Kirchenkreis Stuttgart und darüber hinaus vor. Sie können zum Beispiel zum Sternenhimmel in der Schlosskirche aufschauen oder einen Meditationsweg im Innenhof des Hospitalhofs und in der Hospitalkirche zu John Cages Stück „As Slow As Possible“ gehen.
In der Leonhardskirche begegnen Sie Musik und Musikern aus Westafrika. In der Alt-Katholischen Katharinenkirche heißt es: „Raus aus der Hektik“. Durch den Stuttgarter Westen führt ein Weg mit Stationen an verschiedenen Kirchen. In der Petruskirche gibt es ein Konzert zu „Feuer, Wasser, Luft und Erde“ und in der Heilandskirche erstmals an Pfingsten abends einen „Abendgospel“.
Auch die Matthäuskirche in Heslach ist mit Ton-Wort-Raum wieder dabei und auch die Neuapostolische Kirche. Bei der Veitskapelle gibt es Konzert, Besichtigung und die traditionelle Hocketse und in der Michaelskirche in Wangen, in der Kreuzkirche in Hedelfingen sowie in der Hoffeldkirche im Dekanat Degerloch finden Sie besondere Konzert- und Gottesdienstangebote. In der Stadtkirche Bad Cannstatt und in der Stiftskirche können Sie auf den Turm steigen und die Stadt von oben sehen.
Mit dem Programmheft in der Hand, das in allen Kirchen ausliegt, finden Sie alles, einschließlich kleiner Tourenvorschläge! Darin sind auch Hinweise auf die öffentlichen Verkehrsmittel und Lagepläne der Kirchen notiert.

RED: Muss ich mir, ähnlich wie bei der Langen Nacht der Museen, vorab ein Eintrittsticket kaufen und mit langen Warteschlangen?

MR: Oh nein, bei uns gibt es keinen Eintrittsstau an Pfingsten. Und Kirche, Kunst und Kultur ist in dieser Nacht für jeden und jede kostenlos. Denn auch hier gilt: Den Geist Gottes kann man nicht bezahlen!

RED: Und zum Schluss ganz persönlich gefragt: Was ist Ihr diesjähriger Geheimtipp?

MR: Das Jazzkonzert in der Johanneskirche ist ein wunderbarer Abschluss. Dort will ich dieses Jahr auf jeden Fall hingehen. Und übrigens: Am nächsten Tag, am Pfingstmontag, ist wie jedes Jahr Gottesdienst und Geselligkeit in und um die Stiftskirche mit internationalen Kirchengemeinden.
Ich würde sagen: Sie verpassen bestimmt etwas, wenn Sie übers Pfingstwochenende weg und in den Stau fahren.

RED: Vielen lieben Dank, Frau Renninger und Ihnen viel Spaß bei der NACHT DER OFFENEN KIRCHEN!