Elisabeth Kunze-Wünsch geht in Ruhestand

Nach sieben Jahren in der Leitungsfunktion des HOSPIZ STUTTGART verabschiedet sich nun Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch in den wohlverdienten Ruhestand. Dafür hat sie sich zum Auftakt des neuen Lebensabschnitts einen wunderbar fröhlichen Zeitpunkt ausgesucht: Das Sommerfest im HOSPIZ STUTTGART steht vor der Tür und den Auftakt dazu macht ihr Verabschiedungsgottesdienst in St. Konrad.

6 Fragen an Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch...

Gesamtleitung HOSPIZ STUTTGART: Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch geht in den Ruhestand.

Zwischen der Organisation des alljährlichen Sommerfestes und der Vorbereitung für ihren Abschiedsgottesdienst hat sich die Gesamtleiterin des HOSPIZ STUTTGART, Pfarrerin Elisabeth Kunze-Wünsch, noch ein bisschen Zeit für unser Interview genommen.

RED: Liebe Frau Kunze-Wünsch, irgendwann ist er da, der Tag, an dem das aktive Berufsleben endet. Dann lässt man meistens mal Revue passieren, was man so alles in den letzten 40 Jahren geschafft hat... Gehen wir doch mal gemeinsam zu Ihren Anfängen zurück. Wie ging´s denn bei Ihnen los?

EKW: Ich stamme aus einem evangelischen Pfarrhaus. Meine Eltern haben uns eine sehr freiheitliche und gleichzeitig bodenständige Frömmigkeit vorgelebt. Ebenso war meine Zeit in der Evangelischen Jugend prägend, die Spiritualität mit gesellschaftspolitischem Engagement verband. Das ist mir bis heute wichtig geblieben. Auch die Hospizarbeit hat einen politischen Impetus, will verändern und in Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen hineinwirken. Nach Studien in Kiel, Tübingen und Berlin hatte ich ein sehr buntes und vielfältiges Berufsleben in unterschiedlichen Bereichen unserer Kirche: Gemeindepfarramt, Klinikpfarramt, Studienleitung in der Vikarsausbildung, Gesamtleitung Hospiz Stuttgart. Der rote Faden war immer meine Leidenschaft für die Seelsorge und die Supervision, weshalb ich dem Seminar für Seelsorgefortbildung in Birkach immer verbunden geblieben bin. Die Menschen und die Bibel begeistern mich in meinem Beruf am meisten. Mit beidem bin ich nach wie vor auf dem Wege und Lernende. Ich gehe also ins Offene...

RED: Die letzte berufliche Station war bei Ihnen nun seit sieben Jahren das HOSPIZ STUTTGART. Wie hat Sie Ihr Weg hierher geführt?

EKW: Das geschah sehr organisch, so wie ich insgesamt keine Karriereplanung hatte: eins hat sich aus dem anderen entwickelt. Von 2003–2012 war ich Seelsorgerin im Bürgerhospital und auf der Station für Erwachsene im HOSPIZ STUTTGART. Mit vielen anderen Berufsgruppen habe ich mich für die Gründung einer Palliativstation engagiert und es gelang! Im Hospiz war ich als Seelsorgerin und in der Fortbildung tätig, sodass die Anfrage Gesamtleiterin zu werden gewissermaßen eine Folge meiner praktischen Erfahrung war. Ich konnte viele Kenntnisse meines Berufslebens auf dieser letzten Stelle bündeln und einsetzen. Besonders meine Teamerfahrungen und meine supervisorische Kompetenz haben mir sehr geholfen.

RED: Erzählen Sie mal ein bisschen, wie das HOSPIZ STUTTGART in den vergangenen Jahren so gewachsen ist…

EKW: In den letzten Jahren gab es zwei große „Wachstumsschübe“: 2012 kam die Sitzwache – Begleitung Sterbender in Pflegeeinrichtungen und Kliniken - unter das Dach des HOSPIZ STUTTGART und mit ihr 150 Ehrenamtliche und 9 hauptamtliche Mitarbeitende. Mindestens genauso einschneidend ist die Neugründung des Stationären Kinder- und Jugendhospizes in der Diemershaldenstraße 7-11 vor 18 Monaten. Beide Bereiche stellen eine große Bereicherung für das HOSPIZ STUTTGART dar und runden das bisherige Angebot ab. Hospizarbeit ist immer in Bewegung und Entwicklung, denn sie orientiert sich an den Bedürfnissen der betroffenen Menschen. Hospiz ist ein lebendiger Organismus und wird auch in Zukunft neue Blätter und Blüten treiben. Seit 2017 hat das HOSPIZ STUTTGART zwei Zentren, die nur 10 Gehminuten voneinander entfernt liegen. Das ist wunderbar und wird vielen Menschen zu gute kommen!

RED: Manch einer würde bestimmt sagen „Im Hospiz zu arbeiten ist schon ein schweres Brot“ – wie haben Sie das in all den Jahren gemeistert?

EKW: Ich habe immer versucht, meine persönlichen Bedürfnisse ernst zu nehmen und Gegengewichte zu schaffen: Musik, Beziehungspflege, Bewegung, Pausen, eine Haltung, die nicht nur mit Anderen wohlwollend umgeht, sondern genauso mit mir selber. Trotzdem bin ich immer wieder an meine Grenzen gekommen. Ich finde das rückblickend normal. Ich hinterlasse viel Gutes, aber es gelang nicht alles. Ich lebe auch am Ende meines Berufslebens mit dem Fragment.

RED: Wenn Sie sich die gesamte Hospizarbeit mal so von außen begucken – wohin soll und muss sie sich entwickeln? Was muss sich vielleicht auch ändern?

EKW: Ich wünsche der Hospizbewegung, dass sie sich das Feuer des Anfangs erhält! Sie startete als Bürgerbewegung und hat von unten Heilsames geschaffen. Um nicht institutionell zu erstarren, braucht es die vielen Ehrenamtlichen, die auf Augenhöhe, wertschätzend und kritisch mit den Hauptamtlichen zusammenarbeiten. Ich wünsche der Hospizbewegung, dass sie insgesamt wieder politischer wird und sich als Salz in der Suppe des Gesundheitswesens versteht. Auch in Zeiten großer gesellschaftlicher Unterstützung ist die Hospizbewegung nach wie vor dazu da die Finger in die Wunden zu legen und unangenehme Fragen zu stellen: Wie gehen wir in der ambulanten und stationären Arbeit in unserem Gesundheitswesen mit schwerkranken Menschen um? Wie kommen Sterbende und Trauernde raus aus dem Ghetto und in die Mitte der Gesellschaft? Die Hospizbewegung darf nicht „brav“ und „satt“ werden!

RED: Und nun ist er da, der Ruhestand. Wie wird es bei Ihnen werden? Was haben Sie vor?

EKW: Ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit ab dem 01.09.2019! Zunächst werde ich Zeit mit meiner Familie in Eckernförde und Berlin verbringen und nach und nach meinen Umzug nach Berlin vorbereiten. Wenn ich mich erholt habe, werde ich auch in meinem Beruf wieder tätig sein, so z. B. im Juni und Juli 2020 als Pfarrerin auf Hallig Hooge auf der dortigen vakanten Pfarrstelle. Aber ich nehme mir vor, den Kalender nicht sofort wieder zu füllen, sondern Raum für Leere zu lassen, aus der Neues entstehen kann.
Mein Abschiedsgottesdienst findet am Donnerstag, 27.06.2019 um 17 Uhr in der katholischen Kirche St. Konrad, Stafflenbergstraße 50 statt. Und es singen die Hymnuschorknaben - herzliche Einladung also dazu!

RED: Liebe Frau Kunze-Wünsch, vielen lieben Dank nochmals für den eindrücklichen Einblick in die Hospizarbeit. Und dann sind Sie nach Marlene Dietrich und Hildegard Knef die Dritte im Bunde, die noch den berühmten "Koffer in Berlin" hat - alles Gute für Ihren Ruhestand und Ihren Umzug dorthin!