Gleichgeschlechtliche Segung geplant

Bereits seit einigen Jahren ist die Evangelische Kirchengemeinde Zuffenhausen eine sogenannte „Regenbogengemeinde“. Jetzt macht sie sich auf den Weg, künftig auch Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare anbieten zu können.

6 Fragen an Pfarrer Dieter Kümmel...

Pfarrer Dieter Kümmel tritt für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren ein

Allen voran beschreitet Pfarrer Dieter Kümmel diesen Weg, der bereits die Entscheidung, eine Regenbogengemeinde zu werden, mitgetragen hat.
In einer öffentlichen Sitzung hat nun der Kirchengemeinderat seine Position zum Thema „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ vorstellt und mit den Gemeindemitgliedern diskutiert. Wie der Weg von der bekennenden Regenbogengemeinde zur Segung gleichgeschlechtlicher Paare aussieht und was es noch alles zu tun gibt, verrät Pfarrer Dieter Kümmel im Interview.

RED: „Ehe für alle, „Segnung gleichgeschlechtlicher Paare“ – nur zwei Stichworte, die in allen Köpfen herumgeistern. Fangen wir mal an zu sortieren…

DK: Grundsätzlich gibt es in den Landeskirchen ja drei Modelle: Auf der einen Seite völlige Gleichstellung zwischen heterosexuellen und homosexuellen Paaren „Trauung für alle“ wie z. B. in der Evangelischen Kirche in Baden, auf der anderen Seite keine öffentliche Segnung wie in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Schaumburg-Lippe und eine mittlere Position, an der sich die Evangelische Landeskirche in Württemberg orientiert: Segnung für alle.
Diese Segnungsgottesdienste werden nicht generell, sondern auf Wunsch in der örtlichen Gottesdienstordnung verankert, was bedeutet, dass eine Gemeinde sich bewusst dafür entscheiden muss.
Wir als Kirchengemeinde sind bei diesem Thema eher badisch gesinnt, hätten uns also eine „Trauung für alle“ gewünscht. Denn wo Menschen in Liebe und Treue füreinander einstehen, darf unserer Ansicht nach Ehe sein. Aber was nicht ist, kann ja noch werden…

RED: Doch gehen wir mal zurück auf LOS. Wie kam es eigentlich, dass Ihre Kirchengemeinde zu einer „Regenbogengemeinde“ wurde, die nun für eine solche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgewählt wurde?

DK: Wir haben davon gehört und dann war es für uns ein selbstverständlicher Weg. Wir verstehen uns als eine offene Kirchengemeinde im Sinne von Galater 3,28 „Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau.“
Man darf heute diese Reihe weiterführen: „Hier ist nicht Homosexueller noch Heterosexueller.“ Und dann der alles entscheidende Satz: „Denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“. So sind wir 2017 eine Regenbogengemeinde geworden.

RED: Apropos „Initiative Regenbogengemeinde“… Was ist das genau für eine Initiative?

DK: In dieser Initiative sammeln sich Kirchengemeinden, die lesbische und schwule Gemeindemitglieder willkommen heißen, die offen sind für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare und für Pfarrerinnen und Pfarrer, die mit ihrer Partnerin/ihrem Partner im Pfarrhaus leben wollen.

RED: Und in welchen Facetten zeigt sich nun dieser „schillernde Regenbogen“ bei Ihnen im Zuffenhäuser Gemeindeleben?

DK: Die bisherige Haltung der Kirchen hat ja auch dazu beigetragen, Ressentiments gegen Schwule und Lesben religiös zu überhöhen. Stigmatisierung und Verachtung waren die Konsequenz. Dem wollen wir in Zukunft offensiv begegnen. Deutlicher als bisher wollen wir unser Haltung nach außen tragen, etwa im Gemeindebrief und in unseren Schaukästen zur Segnung einladen.

RED: Ab dem 01.01.2020, so hat es das Kirchenparlament in Württemberg beschlossen, kann in ausgewählten Kirchengemeinden nun eine Segnung für gleichgeschlechtliche Paare erfolgen. Ihre Gemeinde ist für diese Möglichkeit von der Landeskirche angesprochen worden. Können Sie morgen schon loslegen oder was für ein Verfahren müssen Sie durchlaufen und wie weit sind Sie bereits damit?

DK: Vorgeschrieben sind Information und Diskussion im Kirchengemeinderat und mit der Gemeinde. Das haben wir hinter uns. Einstimmig haben sich das Gremium und die PfarrerINNEN für die Änderung der Gottesdienstordnung ausgesprochen. Vor allem im Kirchengemeinderat war Unmut, ja Ärger zu spüren: Gibt es eigentlich gegenwärtig für uns als Evangelische Kirchengemeinde nicht wichtigere Themen, mit denen wir uns beschäftigen sollten? Hier im urbanen Raum ist das Thema einfach längst durch.
Wir beantragen jetzt eine Änderung der Gottesdienstordnung, hoffen, dass der Oberkirchenrat unseren Antrag schnell bearbeitet und wir dann im Jahre 2020 starten können.

RED: Und nun zum Schluss die fast alles entscheidende Frage: Wie könnte so eine Segnung bei Ihnen in Zuffenhausen aussehen?

DK: Wie bei Trauungen wird die Segnung im Gespräch mit den Paaren vorbereiten. Kasualien [Anmerkung RED: Kasualien sind kirchliche Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Bestattung oder eben eine Trauung bzw. Segnung] haben ja immer einen individuellen Akzent. Wenn es dann losgeht, wird mein erster Satz beim Segnungsgottesdienst sein: „Dies ist der Tag, den der Herr gemacht, lasst uns freuen und fröhlich sein an ihm“ (Psalm 118,24). Damit beginnt bei mir immer auch der Gottesdienst zur Trauung.  

RED: Und so lässt sich der (Regen-)Bogen von der Trauung zur Segnung spannen - eine schöne Geste mit den passenden Worten - vielen lieben Dank, Herr Kümmel.