hallo lukas - Lukaskirche geöffnet

„Was ist denn da los?“ wird sich manch ein/e PassantIN beim Vorbeigehen an der Lukaskirche in Stuttgart-Ost am Freitagnachmittag fragen. „hallo lukas“ – so heißt eine neue Aktion, mit der die Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-Ost immer freitags zu einem „Open Nachmittag" einlädt.

2 x 3 Fragen an Gemeindediakonin Sabine Eickhoff und Pfarrer Gerd Häußler...

Pfarrer Gerd Häußler und Gemeindediakonin Sabine Eickhoff heißen Sie immer freitags bei hallo lukas willkommen

Bis 20 Uhr – also auch After-Work – kann man sich hier immer freitags ab 14 Uhr direkt über das Gemeindeleben informieren, ein Gespräch mit Pfarrer Gerd Häußler oder Gemeindediakonin Sabine Eickhoff vom "hallo lukas -Team" vor Ort suchen oder sich in aller Seelenruhe die Kirche anschauen.
„Wir wollten nicht einfach nur die Kirche öffnen, sondern zugleich einen Begegnungs- und Inforaum anbieten. Freitags werden also immer Ansprechpersonen (Haupt- und Ehrenamtliche) da sein, die auch Fragen zu Kirche, Taufe, Trauung und Beerdigung beantworten. Dazu haben wir den Eingangsbereich und den Raum unter der Hauptempore umgestaltet. Außerdem gibt es im Seitenschiff einen Ort der Stille, wo man im Gesangbuch oder der Bibel blättern, beten, eine Kerze anzünden oder einfach nur für sich sein kann“, so Pfarrer Gerd Häußler von der Lukaskirche.
Im Interview stellt das "hallo lukas-Team", Gemeindediakonin Sabine Eickhoff und Pfarrer Gerd Häußler, mal sein Konzept vor und zieht ein erstes Resümee. 

RED: Wie kamen Sie denn auf die Idee, die Lukaskirche mal einfach so am Freitagnachmittag von 14 bis 20 Uhr aufzuschließen?

SE: Am Anfang stand die Idee der Anmietung eines Ladenlokals am Ostendplatz. Wir wollten die Gemeindearbeit in den Stadtteil hinein öffnen und Möglichkeiten schaffen für Begegnung und Information über Kirche, Gemeinde und ihre Angebote.

Nach Prüfung der Machbarkeit und unserer finanziellen Möglichkeiten haben wir beschlossen, die eigenen, vorhandenen Räume zu nutzen. Dafür bot sich vor allem die Lukaskirche an. Sie steht in exponierter Lage am Lukasplatz, die Freitreppe zum Kirchenportal wird von vielen genutzt, um in der Sonne zu sitzen, miteinander zu reden, zu essen…
Der Lukasplatz selbst wird von allen Altersgruppen zum Spielen, Sitzen, Fahrradfahren, Fußball spielen oder einfach als Treffpunkt genutzt.
Der Freitag schien uns geeignet, da die arbeitende Bevölkerung früher als sonst ihre Arbeit beendet und der Stadtteil durch den Markt in der Schönbühlstraße „in Bewegung“ ist. Deshalb schien uns das der geeignete Zeitpunkt für solch ein Angebot in der Kirche „Begegnung, Einkehr, Info“ zu sein.

RED: Geöffnete Kirchen mit Kirchenführer-Teams gibt es ja in einigen Stuttgarter Kirchen. Aber bei Ihnen ist das ja ein erweitertes Angebot. Erzählen Sie mal…

GH: Das Angebot in der Lukaskirche heißt „Begegnung, Einkehr, Info“. BesucherINNEN können sich über Kasualien (außerhalb der Bürozeiten) , also kirchliche Amtshandlungen wie z. B. Taufe, Trauung oder Bestattung informieren, aber auch über Gruppen, Kreise und Angebote in der Gemeinde. Sie können das Gebäude Kirche anschauen, in die Kirche zum Ausruhen kommen, Gespräche haben oder auch nicht. Es gibt Leute, die uns erzählen, sie wollten die Lukaskirche immer schon mal von innen sehen, aber sie sei halt immer verschlossen.

RED: So, der ersten beiden Monate sind bereits gelaufen. Resümee: Was haben Sie so alles mit den Menschen erlebt und welche Fragen und Anliegen kamen?

SE: Viele Menschen wollen nur mal schauen. Auch Kinder, die auf dem Lukasplatz spielen, schauen gern mal rein. Dabei fällt uns auf, dass Kinder lauter mit der Kirche umgehen. Sie laufen, reden laut, rufen sich zu, gehen rein und wieder raus, kommen wieder. Erwachsene BesucherINNEN sind leiser, schüchterner. Jugendliche sind manchmal unsicher und fragen, ob sie mal in die Kirche reindürften.

RED: Und wie war das denn für Sie als Pfarrer, Herr Häußler, einfach mal schon freitagnachmittags Ihren Arbeitsplatz vom Pfarrbüro in Ihre Kirche zu verlegen?

GH: Ich fühle mir sehr wohl in der Kirche und bin gerne da. Ich habe auch immer meinen Laptop dabei und versuche, nebenher an der Sonntagspredigt zu arbeiten. Das funktioniert aber nicht besonders gut, da doch immer wieder jemand kommt, der ein Gespräch sucht. Das kann eine Mitarbeiterin sein, die noch schnell was für die nächste Abendkirche abklären will oder eine Mutter, die fragt ob sie ihr Kind bei uns taufen lassen kann, obwohl sie katholisch ist. Neulich kam eine Glaskünstlerin vorbei, die sich unsere Fenster anschauen wollte. Ich hab ihr die Fensterbilder erklärt und sie hat mir die Technik erläutert, wie solche Fenster gemacht werden.

RED: Spannend und wie ich bereits selbst vor Ort erlebt habe: Ein gutes Gespräch, dazu ein Glas Sprudel oder Saft – was haben Sie in der kühleren Jahreszeit geplant und wie wird das Angebot weitergedacht?

SE: Wir wollen durch kleine Aktionen Öffentlichkeit herstellen. So planen wir, unsere Krippe mit den großen Holzfiguren gemeinsam mit anderen aufzustellen und von Woche zu Wochen zu verändern. Das könnten Eltern mit ihren Kindern vom Winterspielplatz (dienstags) zusammen mit mir als Gemeindediakonin und der Mesnerin machen.
Während der Kirchenöffnungszeit können MitarbeiterINNEN auch die Zeit für Besprechungen und Vorbereitungen nutzen. Von Vorteil an der Lukaskirche ist, dass sie im Eingangsbereich zwei Räume hat, die unabhängig vom Kirchenschiff geheizt werden können. So haben wir auch im Winter einen warmen Platz, an dem man sich für Gespräche treffen kann.

RED: Denken Sie, dass „hallo lukas“ Modellcharakter für andere Stuttgarter Kirchen haben könnte?

GH: Na klar! Allerdings sollte die Kirche schon an einem Platz sein, an dem Menschen auf ihren täglichen Wegen vorbeikommen. Wir denken auf jeden Fall, dass es wichtig ist, den Leuten niederschwellige und spontane Kontaktmöglichkeiten anzubieten.

RED: Großartige Idee und vielen Dank, dass Sie uns Ihr Konzept vorgestellt haben. Dann bis zum nächsten hallo lukas, immer freitags von 14 - 20 Uhr in der Lukaskirche in Stuttgart-Ost.