Heilsame Gottesdienste

Der eine macht Yoga zur Enspannung, der andere schwört auf Massage und wieder andere gehen das Ganze von Grund auf, sprich von der Seele ausgehend, an. Und da gibt es die heilsamen Gottesdienste für Kranke, aber auch für Gesunde, in der Stuttgarter Leonhardskirche...

6 Fragen an Pfarrerin Susanne Joos...

Pfarrerin Susanne Joos salbt und segnet Kranke und Gesunde.

Pfarrerin Susanne Joos nimmt stets den ganzen Menschen in den Blick, denn sie bietet Seelsorge an Seelsorgenden sowie Beratung, Supervision und Coaching an. Gemeinsam mit Pfarrer Eberhard Schwarz von der Hospitalkirche und weiteren Pfarrerinnen und Pfarrern sowie einem Team aus Ehrenamtlichen bietet sie in regelmäßigen Abständen Heilsame Gottesdienste in der Stuttgarter Leonhardskirche an. Im Interview hat sie uns verraten, was sich genau dahinter verbirgt:

RED: „Heilsame Gottesdienste“, das klingt im ersten Moment nach „Wunderheilung“, liebe Frau Joos?

SJ: Wenn  Heilsames geschieht, lässt es sich nicht verhindern! So wie es sich in jedem Gottesdienst ereignen kann, bei jedem geglückten Gespräch. Immer wenn ein Mensch in der Tiefe berührt wird.
Wunder versprechen wir keine. Dazu haben wir zuviel Respekt vor dem Geheimnis des Lebens.  

RED: Und was genau sind denn jetzt heilsame Gottesdienste?

SJ: Mit Kranken solidarisch sein, auf sie hören, die Hände auflegen, beten, segnen - das gehört zur Kirche seit alters her. Die alten Rituale sind ein wenig in Vergessenheit geraten. Wir nehmen sie wieder auf. Keineswegs als Konkurrenz zur modernen Medizin. Es ist eine andere Ebene, die da angesprochen wird.

RED: Für wen ist das was, sprich wer fühlt sich hier angesprochen?

SJ: Es kommen Leute, die an einer chronischen Erkrankung leiden und die Feier als eine Quelle der Kraft und der Zuversicht erleben. Es kommen Leute, die eine niederschmetternde Diagnose erhalten haben und darum ringen, ihre Ängste zu zähmen und wieder Vertrauen ins Leben zu gewinnen. Es kommen Trauernde.
Es kommen Leute, die sich um Angehörige, Freundinnen und Freunde sorgen. Es kommen Leute, die gesund und fit sind, um innezuhalten, sich berühren zu lassen, sich neu auszurichten.

RED: Wie genau läuft so ein heilsamer Gottesdienst ab?

SJ: Musik steht am Anfang, ein Soloinstrument mit der Orgel. Gebet und meditative Stille, gemeinsames Singen, Worte aus der Bibel und eine kurze Ansprache folgen darauf. Dann gibt es Gelegenheit, Kerzen anzuzünden und so Fürbitte zu halten für Andere. Schließlich kann, wer mag, sich salben und segnen lassen oder sich die Hände auflegen lassen.

RED: Was unterscheidet ihn von einem normalen Gottesdienst?

SJ: Es ist die persönliche Zuwendung zu jedem und jeder Einzelnen, die das Besondere dieser Feiern ausmacht. Es ist die Einbeziehung des Körpers, dem dieselbe Würde innewohnt wie unserer Seele. PfarrerINNEN stehen bereit, um denen, die das möchten, mit Salböl ein Kreuz auf Stirn und Hände zu zeichnen und ihnen dann die Hand aufzulegen und einen Segen für sie zu sprechen. Männer und Frauen sind da, ausgebildet und geübt darin, anderen die Hände aufzulegen. Achtsam und im Vertrauen auf Gott berühren sie Schultern, Rücken, Beine -  den ganzen Menschen und machen so das Evangelium leiblich erfahrbar. Auch für Gespräche haben wir Zeit.

RED: Und wann ist der nächste Termin in 2020?

SJ: Wir beginnen, so ist aktuell der Stand, wieder am Sonntag, 22. März 2020 um 18 Uhr in der Leonhardskirche. Allerdings wird es angesichts der aktuellen Corona-Situation keine Berührungen, sprich Salbung oder Healing Touch, geben.

RED: Vielen Dank, liebe Frau Joos - und wer nicht dabei sein kann und dennoch wissen möchte, wie das so abläuft, hören Sie dazu doch einfach in den folgenden Hörfunkbeitrag über die Heilsamen Gottesdienste rein!