Judas

Er ist wieder da: JUDAS. Und das, was er zu sagen hat, wird manch einen verwundern, entsetzen, empören oder gar verärgern. In diesem Monolog von Lot Vekemans geschieht Ungeheuerliches: Hier spricht Judas selbst - über seine Motive, sein Leiden, sein Leben, über uns.

2 x 3 Fragen an Axel Preuß und Jörg Pauly...

Axel Preuß, Intendant der SCHAUSPIELBÜHNEN STUTTGART

Sein Name steht für Verrat. Doch wäre das Christentum zu einer Weltreligion geworden, wenn der Judaskuss ausgeblieben wäre? Dieser und weiteren Fragen geht Schauspieler Jörg Pauly vom Alten Schauspielhaus in seiner Rolle als Judas nach.
Nach der tollen Hospitalkirchen-Premiere in der vergangenen Spielzeit, erfolgt nun am Samstag, 28. September um 19:30 Uhr die Wiederaufnahme in der Schlosskirche im Alten Schloss.

Axel Preuß, Intendant des Alten Schauspielhauses und der Komödie im Marquardt, und Schauspieler Jörg Pauly, der den Judas spielt, sind bereit. Bereit, ihre gewohnten Spielstätten zu verlassen und im Falle von Jörg Pauly gut vorBEREITet. Doch Zeit für ein kurzes Interview muss sein, bevor sich der Vorhang erneut hebt bzw. die Kirchentür öffnet und das Schauspiel beginnen kann...

RED: Lieber Herr Preuß, das Alte Schauspielhaus "geht fremd": Theater im öffentlichen Raum, sprich in dieser Spielzeit in der Schlosskirche (2019) und in der Cannstatter Steigkirche (20202)!

AP: Ja, ich liebe Theater in allen seinen Spielformen. Ob in unserem auch baulich sehr schönen historischen Alten Schauspielhaus, ob in der intimen Komödie im Marquardt oder im öffentlichen Raum:Die Schauspielkunst regt uns an, beflügelt unsere Phantasie und schenkt uns Impulse.Wie wollen wir leben? Woran wollen wir glauben? Was sollen wir tun?Tolle Schauspielerinnen und Schauspieler unterhalten uns spielend, selbst an Orten, wo wir normalerweise nicht damit rechnen! Was will man mehr?

RED: Hand auf´s Herz: Wann waren Sie das letzte Mal in einer Kirche und zu welchem Anlass?
 
AP: Im Familiengottesdienst am Heiligen Abend.
 
RED: Aus unserer Sicht ein "Klassiker" also. Doch was hat Sie als Intendant nun dazu bewogen, nochmals außerhalb der Weihnachtszeit hinter unsere Stuttgarter Kirchentüren zu schauen und für einen Abend unsere Gotteshäuser in Schauspielbühnen für das Judas-Stück zu verwandeln?
 
AP: „Judas“ ist ein aufregendes Theaterstück. Es stellt uns vor viele Fragen. Fragen, die persönlicher, menschlicher und religiöser Natur sind und die nicht immer einfach zu beantworten sind.
Die Idee war von Anfang an, das Stück in Kirchen zu spielen. Denn diese Fragen gehören für mich in einen Raum, der seine Bedeutung aus der Geschichte des christlichen Glaubens bezieht. Und diese Geschichte ist untrennbar mit Judas verbunden. Ihn an diesem besonderen Ort zu treffen, hat für mich etwas Magisches.

Judas-Darsteller Jörg Pauly

RED: Herr Pauly oder soll ich bereits „Judas“ sagen, da Sie schon wieder ganz in Ihrer Rolle stecken…

JP: Ich spiele gerade noch andere Stücke, so dass ich mich nicht ausschliesslich mit der Figur des Judas beschäftige. Es ist aber mit Abstand der spannendste und komplexeste Charakter, den ich in diesem Jahr spielen darf. Durch die Geschichte und allem, was es darüber zu lesen gibt, und nicht zuletzt durch den Text von Lot Vekemans, habe ich außergewöhnlich viel Material, um mich dieser Herausforderung zu stellen.
Ich möchte diesen Menschen verstehen und die Geschichte aus seiner Sicht erzählen. Das ist was Besonderes und zutiefst berührend für mich.

RED: Kurze Stückeinführung: Worum geht es in „Judas“ von Dramatikerin Lot Vekemans?

JP: In diesem Theaterstück spricht Judas in einem Monolog direkt zum Publikum. Er ist wieder da. Nach zweitausend Jahren. In einer Art Erlebnisbericht als Augenzeuge erzählt Judas davon, wer er ist und was er wollte. Und er stellt Fragen, sich selbst und dem Publikum. Psychologisch, philosophisch, religiös und menschlich. Ganz nah dran und direkt.

RED: Kleiner Test, wie bibelfest Sie sind, sprich, wie geht´s weiter: „Und alsbald trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn. Jesus aber sprach zu ihm:………..

JP: Natürlich weiß ich spätestens seit der Recherche im Zusammenhang mit dieser Arbeit welche Stelle und welche zentrale Situation das ist. Den genauen Wortlaut von Jesus aber kann ich nicht auswendig...

RED: Das mit dem 8. Gebot klappt schon mal einwandfrei - dann toi, toi, toi für die Wiederaufnahme des Stücks in der Schlosskirche.

Das Theaterstück "Judas" ist eine Kooperation zwischen der Evangelischen Kirche in Stuttgart und den SCHAUSPIELBÜHNEN IN STUTTGART.