KKS und 100 Tage im Amt

Die letzte Kirchenkreissynode in diesem Jahr steht an: Freitag, 20. November 2020. Coronabedingt wird es eine digitale Sitzung sein. Auf der Tagesordnung steht u. a. der Haushaltsplan 2021. Die Sitzungsleitung hat erstmalig die im Sommer neu gewählte Vorsitzende Dr. Sabine Klonk inne.

6 Fragen an die Kirchenkreisvorsitzende Dr. Sabine Klonk...

Seit 100 Tagen im Amt: Kirchenkreisvorsitzende Dr. Sabine Klonk

Auf der letzten Synode im Sommer konnte Dr. Sabine Klonk noch in Gegenwart der Mitglieder des Kirchenparlaments im Hospitalhof gewählt werden. Nun findet die Herbstsitzung auf Grund des Lockdown light online statt. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, uns mal bei der neu gewählten Vorsitzenden kundig zu machen, welche Themen aktuell im Kirchenkreis anstehen, wie sie die Pandemie erlebt und wie ihre ersten 100 Tage im neuen Amt verlaufen sind. 

RED: Liebe Frau Dr. Klonk, auf der Sommersynode, das war am 10. Juli, wurden Sie zur neuen Vorsitzenden gewählt. Wie verlief Ihr Einstieg in das neue Ehrenamt?

SK: Die Zeit zwischen Wahl und Beginn der Sommerferien war ja recht kurz, mit nur noch einer Sitzung des Kirchenkreisausschusses. Die Zeit der Sommerferien und auch danach habe ich genutzt, um mit Menschen aus den verschiedensten Bereichen des Kirchenkreises Gespräche zu führen. Auf der Terrasse im Garten oder in Räumlichkeiten mit großem Abstand waren die Gespräche im direkten Gegenüber möglich. Mittlerweile habe ich alle Dekanate besucht und näher kennengelernt. Überall bin ich herzlich empfangen worden und habe viele spannende Dinge kennengelernt.

RED: Nach ein bisschen schnuppern und sich umhören, kommen ja meist auch die ersten Ideen und Gedanken auf, an welchen Schrauben man hier oder da drehen könnte oder was man gerne voranbringen würde. Und dann wurde irgendwie alles vom Thema Corona überschattet...

SK: Wir haben im Kirchenkreis einen Schatz an sehr verschiedenen Gemeinden mit unterschiedlichen Profilen. Diese Gemeinden wirken in der Stadt, jeden Tag, in vielen Bereichen, nicht nur an Ostern oder Weihnachten. So haben zum Beispiel trotz Corona in allen Waldheimen Sommerfreizeiten stattgefunden. Und dank der guten Vorbereitung durch die Leitungen und die vielen ehrenamtlichen MitarbeiterINNEN konnten alle Kinder diese Sommerauszeit ohne Zwischenfälle genießen. Für viele Gemeinden war es ein wichtiges Anliegen, die im Mai ausgefallene Konfirmation nachzuholen. Auch hier gab es die unterschiedlichsten Lösungen und die meisten Konfirmationen sind mittlerweile gefeiert worden. All dies und noch viel mehr ist nur möglich, weil es vor Ort unzählige Ehrenamtliche gibt, die eine wertvolle Arbeit leisten. Mir kommt dieser etwas abgedroschene Satz „Tue Gutes und rede darüber“ in den Sinn. Ich glaube, hier können wir noch besser werden. 

RED: Und wie hat sich die Corona-Pandemie auf Ihre Arbeit als Vorsitzende ausgewirkt?

SK: Im September und Oktober fanden Sitzungen und Besprechungen unter Beachtung aller Hygienemaßnahmen noch in Präsenz statt. Ich bin dankbar, dass sich alle Beteiligten immer auf alle Regelungen mit Abstand und Maskenpflicht so problemlos eingelassen haben. Ich denke, wir haben uns schnell daran gewöhnt und wirklich konstruktive Sitzungen mit einem guten Austausch gehabt.
Leider erfordert die derzeitige Situation im November einen noch stärkeren Rückzug und noch weniger Kontakt. Wir werden nun die anstehenden Sitzungen digital abhalten. Ich bin gespannt, aber zugleich auch zuversichtlich, dass wir das gut bewerkstelligen werden. Die zuständigen IT-Fachleute sind uns da eine gute Unterstützung. Natürlich wird uns der persönliche Kontakt fehlen, aber zum Schutz der Risikogruppen und unseres Gesundheitssystems ist es einfach notwendig, so zu handeln.

RED: Apropos "konstruktiver Austausch und Sitzungen" - an welchem Thema oder welcher Umsetzung sind Sie und der Kirchenkreis im Moment dran?

SK: Im Herbst stehen traditionell die Haushaltsplanungen an. Die zurückgehenden Kirchensteuereinnahmen und die Konsequenzen daraus werden uns in der nächsten Zeit sehr beschäftigen. Und dazu werden wir in den nächsten Jahren Entscheidungen treffen müssen.
Aber nicht nur ich bin neu im Amt, sondern auch etliche Mitglieder des Kirchenkreisausschusses und der Kirchenkreissynode. Daher haben wir uns vorgenommen, im kommenden Jahr in den monatlichen Sitzungen des Kirchenkreisausschuss die verschiedenen Bereiche des Kirchenkreises wie beispielweise Diakonie, Jugendkirche, Kirchenmusik, Bildungswerk u. a. jeweils vorzustellen. Denn nur, wenn wir die Arbeitsbereiche und deren Finanzbedarf kennen, können wir sinnvolle Entscheidungen treffen. Damit können wir die Rahmenbedingungen schaffen, damit die Arbeit in den verschiedenen Bereichen auch bei knapper werdenden Finanzen in bewährter Weise gut fortgesetzt werden kann.

RED: Die zweite Corona-Welle hat uns leider auch einen Strich durch unseren Reformationsempfang, den Jahresempfang der Evangelischen Kirche in Stuttgart (11.11.2020), gemacht. Schade, denn das wäre auch Ihr erster Jahresempfang als neue Vorsitzende des Kirchenkreises gewesen. Doch uns allen bleiben aktuell nur noch die Gottesdienste...

SK: Ich bin sehr dankbar, dass es möglich ist, Gottesdienste zu feiern. Gerade in diesen Zeiten, die von Sorgen beispielsweise um Gesundheit der Eltern oder den Arbeitsplatz, von Einsamkeit oder auch dem Gefühl der Verlassenheit geprägt sind, stärkt uns das gemeinsame Gebet und das Hören auf Gottes Wort. Das Bedürfnis von vielen, im Gottesdienst einen Trost und Zuspruch zu erfahren, ist groß. Ich höre von vielen Gemeinden, dass die Gottesdienste, die natürlich auch unter strengen Hygieneregeln gefeiert werden und stark gekürzt sind, einen guten Zulauf haben. 

RED: Der Advent und damit Weihnachten steht vor der Tür. Wie kann das coronafrei in den Kirchengemeinden gelingen?

SK: Im Frühjahr, während der ersten Coronawelle, wurde oft behauptet, die Kirche sei nicht sichtbar gewesen. Diesen Eindruck konnte ich schon damals nicht teilen. Unzählige Menschen haben sich kreativ engagiert, für andere einzukaufen, Gespräche am Telefon zu führen, digitale Formate für Gottesdienste oder Gesprächskreise zu entwickeln und mehr. So ist vieles entstanden, auf dem wir jetzt aufbauen können, dass wir weiterentwickeln können.
In allen Gemeinden sind die Vorbereitungen und Überlegungen für den Dezember in vollem Gange. Die Landeskirche hat ein Ideenportal auf der Homepage eingerichtet, in dem ich sehr gerne stöbere. Da stehen so viele gute Ideen drin. Mit viel Kreativität und Liebe werden dort die verschiedensten Dinge vorbereitet.
Wir planen hier vor Ort in der Kirchengemeinde Sonnenberg beispielsweise einen Adventskalender und eine Kunstinstallation in der Kirche sowie ein Video-Krippenspiel. Ich möchte hier aber noch nicht zu viel verraten. An Heiligabend wollen wir mehrere Kurzgottesdienste im Freien abhalten. Wir haben in unserem Gemeindezentrum einen herrlichen Innenhof, in dem wir in normalen Jahren im Hochsommer unser großes Gemeindefest mit Open-Air-Gottesdienst gefeiert haben. Dieses Jahr wird er an Heiligabend in weihnachtlichem Glanz erstrahlen. Hoffen wir, dass wir dann im Freien auch singen dürfen, wenn nötig, eben mit Maske.

RED: Liebe Frau Dr. Klonk, vielen Dank für den kurzen Rückblick und den froh stimmenden Ausblick auf die anstehende Advents- und Weihnachtszeit, verbunden mit dem Wunsch: Bleiben Sie gesund!