Neuer Podcast macht Mut!

Jeder hört sie - jeder liebt sie: Podcasts - die "Radiosendung to go". Von der Landesstelle Baden-Württemberg Palliative Care für Kinder und Jugendliche gibt es jetzt ebenfalls einen Podcast, der Familien mit einem lebensbedrohlich erkranktem Kind Mut machen will und dabei zusätzlich informiert.

6 Fragen an Anna Lammer...

Anna Lammer, selbst Fachkraft Palliative Care für Kinder und Jugendliche, ist die Macherin des Podcasts "Wegbegleiter"

Die Landesstelle Baden-Württemberg Palliative Care für Kinder und Jugendliche am Hospiz Stuttgart geht neue Wege: Mit einer Podcast-Reihe will die Leiterin der Landesstelle und zugleich Macherin der "Radiosendung to go", Anna Lammer, Hilfestellung geben, Mut machen und zugleich Öffentlichkeit und ein Bewusstsein für die Themen dieser Familien schaffen, die täglich bei der Pflege eines lebensbedrohlich erkrankten Kindes Unglaubliches leisten.

RED: Liebe Anna, der Name deiner Landesstelle klingt ja etwas sperrig. Erklär mal ganz einfach, was du für wen tust.

AL: Es ist eigentlich ganz einfach: Alle Familien in Baden-Württemberg, in denen ein Kind mit einer lebensbedrohlichen oder lebensverkürzenden Erkrankung zu Hause ist, können sich an die Landesstelle wenden. Die Landesstelle ist eine erste Anlaufstelle, denn die plötzliche Diagnose einer schweren Krankheit verändert im Leben einer Familie alles. Wir geben einen Überblick über die vielen Angebote, die die Familien in ihrer Situation unterstützen können. Die Hospiz- und Palliative Care Landschaft für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Baden-Württemberg ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen. Es gibt eine Vielzahl an Unterstützungs- und Entlastungsmöglichkeiten. Das ist zum einen gut und zum anderen kann die Vielfalt an Angeboten auch überfordern und verwirren. Hier hilft die Landesstelle bei der Orientierung und informiert die Familien über die Möglichkeiten in ihrer Region und welche Entlastungsangebote allgemein zur Verfügung stehen.
 
RED: Wow, das ist bestimmt für so manche Familie erst mal ein Rettungsanker im Informationsduschungel des Internets. Apropos Internet, jetzt bist du seit Neuestem schwer medial unterwegs, denn du machst einen Podcast für Betroffene von Betroffenen und auch Experten. Wie kamst du auf die Idee?

AL: Du hast es bereits selbst angesprochen. Der Name der Landesstelle ist etwas sperrig und auch die Worte „Palliative Care“ und „Hospiz“ sind für viele Familien abschreckend. Sie haben Angst, dass sie ihr Kind aufgeben, wenn sie Angebote aus dem Hospiz- und Palliative Care Bereich in Anspruch nehmen. Viele glauben (noch), dass „Hospiz“ bei Kinder und Jugendlichen gleich Tod und Sterben bedeutet. Doch das ist nicht der Fall! Hospizarbeit und Palliative Care für Kinder und Jugendliche beginnt bereits ab der Diagnosestellung einer lebensverkürzenden Erkrankung. Die ganze Familie kann vielfältige Entlastungsangebote in Anspruch nehmen, die die Familie und das kranke Kind über viele Jahre hinweg begleiten. Die Bedürfnisse von Körper, Geist und Seele werden dabei gleichermaßen berücksichtigt.
Die Idee zum Podcast kam mir, als ich darüber nachgedacht habe, wie wir diese Angebote und Themen an die Familien herantragen können, ohne sie bereits im Vorfeld durch einen komplizierten Namen oder durch angstbesetzte Worten zu verschrecken. So ist unser Wegbegleiter, der Podcast für Familien mit einem schwer kranken Kind, entstanden. Neben dem informierenden und aufklärenden Auftrag ermöglicht er es, Familien eine Stimme zu geben. Diese Familien leisten jeden Tag Großes! Das wird im Podcast Wegbegleiter ungefiltert und authentisch sichtbar bzw. hörbar.
 
RED: Und wer spricht mit dir über was? Welche Themen sind da so dran?

AL: Im Podcast Wegbegleiter erzählen Familien ihre Geschichte mit einem schwer kranken oder behinderten Kind. Sie berichten von ihrem Alltag, den Höhen und Tiefen und ihrem ganz individuellen Weg im Umgang mit der Erkrankung. Die Themen und Gäste sind bunt und vielfältig – wie die Geschichten und Lebenswege. Ich lade ganz unterschiedliche Interviewgäste ins offene Gespräch ein. Zu Gast sind betroffene Eltern, Geschwister von schwer kranken Kindern, Themenexperten und Fachkräfte aus dem Pflege-, Hospiz- und Palliative Care Bereich. Betroffene Eltern erhalten themenrelevante Impulse, Infos und Angebote für sich und ihre Familie. In meiner Arbeit erlebe ich, dass betroffene Familien durch die Erkrankung ihres Kindes stark belastet sind. Und sie benötigen immer wieder Unterstützung und Entlastung von außen durch Menschen und Angebote. Und gleichzeitig haben diese Familien unglaubliche Kräfte, ein enormes Durchhaltevermögen, sie haben Humor, vielfältige Kompetenzen, großen Mut und beeindruckende Ressourcen. All diese Facetten im Leben der Eltern, Geschwister und selbst erkrankten Kinder und Jugendlichen kommen im Podcast Wegbegleiter zum Vorschein. Die Familien bekommen eine Stimme, ihre Geschichten und auch ihre täglichen Kämpfe mit den gegebenen Umständen werden (endlich) "sichtbar" und bekommen einen Platz. Mit dem Podcast haben wir zudem die Möglichkeit, die Öffentlichkeit für die Themen dieser Familien zu sensibilisieren. Kinder- und Jugendhospizarbeit darf kein Randthema mehr in der Gesellschaft sein!
 
RED: Ganz richtig und wo findest du nun deine GesprächspartnerINNEN?

AL: Mittlerweile finden die GesprächspartnerINNEN und Themen eher mich. Eines kommt zum anderen, zufällige Begegnungen führen zu spannenden Kontakten und bilden neue Vernetzungen und interessante Themenideen und Gesprächspartner tauchen auf. Die Themenvielfalt, die für betroffene Familien von Bedeutung sind, ist riesig. Und ich freue mich jetzt schon auf all die spannenden und bereichernden Gespräche, die ich noch führen darf. Ich lerne jedes Mal dazu und gehe bereichert aus dem Gespräch. Diese Arbeit macht unglaublich viel Spaß und motiviert mich sehr.
 
RED: Und was sind so die Reaktionen im Netz auf die Podcasts?

AL: Die Rückmeldungen sind überwältigend. Im Mai 2019 sind wir mit dem Wegbegleiter online gegangen und er verbreitet sich rasend schnell in ganz Deutschland. Bereits jetzt haben wir über 16.000 HörerINNEN. Das ist bei diesem Randthema ein großer Erfolg. Die Zahl der Abonnenten steigt und wir bekommen positives Feedback und Zuspruch von Eltern und Fachkräften aus der Hospiz- und Palliativversorgung.
Ein Vater hat mir geschrieben: „Ich hoffe sehr, wir können etwas bewegen mit unserer Geschichte. Es freut mich wirklich, wenn wir Menschen mit dem Thema erreichen können. Dann wird sich vielleicht endlich etwas bewegen. Es ist noch viel zu tun!“
Auch Familien mit einem schwer kranken Kind wollen Teil der Gesellschaft sein. Sie wollen teilhaben und unter gleichen Voraussetzungen ihr Leben gestalten. Mit dem Podcast haben wir die Möglichkeit, Familien in ganz Deutschland zu erreichen, zu vernetzen und die Themen, die sie im Alltag umtreiben, in der Öffentlichkeit zu platzieren.
 
RED: Mit wem würdest du gerne aktuell über was reden und wie kann man sich an dich bzgl. Themen oder InterviewpartnerINNEN wenden?

AL: Ich habe keine konkrete Person im Kopf. Es sind eher Themen und Lebensumstände, die mich interessieren und die ich im Podcast besprechen möchte. Der akute Pflegenotstand und die Auswirkungen auf die Familien zum Beispiel. Da wäre unser Gesundheitsminister Herr Spahn natürlich ein interessanter Gesprächspartner.
Und ich würde gerne einen Beitrag mit einem/r VertreterIN einer Krankenkasse machen. Familien berichten oft von den zähen und undurchsichtigen Bewilligungs- und Ablehnungsverfahren der Kostenträger. Mich würde dabei auch „die andere Seite“ interessieren. Grundsätzlich kann sich jede/r bei mir melden, die/der in einem Zusammenhang mit einem schwer kranken Kind steht und von seinen Erfahrungen berichten möchte, um betroffenen Familien vielleicht wertvolle Impulse zu geben - eine E-Mail an  mich genügt.
Ich freue mich auf jeden neuen Kontakt und bereichernde Gespräche. Unseren Podcast Wegbegleiter findet man auch unter auf unserer Website oder für unterwegs auf dem Smartphone bei Spotify, iTunes und den Apps Castro, Podcasts, Pocket Casts, Castbox, Overcast - einfach nach "Wegbegleiter" suchen.

RED: Vielen Dank, liebe Anna und dann hören wir doch einfach mal in einen deiner Wegbegleiter-Podcasts rein: Katharina Ullrich berichtet von ihrem Sohn Joel (6 Jahre), der mit dem Mabry-Syndrom auf die Welt kam. Sie erzählt von den vielen Hochs und Tiefs in ihrer Familie, wie wichtig es ist, als Elternteil eines kranken Kindes auf sich selbst zu achten und sie schildert ihre Erfahrungen mit dem "persönlichen Budget", einem alternativen Abrechnungsmodell, das ihrer Familie viele neue Freiräume geschenkt hat.