Mehr als die letzten Stunden

Viele Menschen möchten ihre letzte Lebenszeit zu Hause verbringen. Dabei unterstützt sie das Team des Ambulanten Erwachsenenhospizes unter der Leitung von Dr. Christine Pfeffer. Palliative-Care-Fachkräfte und geschulte Ehrenamtliche begleiten und unterstützen Betroffene und ihre Angehörigen.

Der Ambulante Hospizdienst kommt nach Hause.

Manchmal wird Herrn Müller die Luft knapp. Er hat noch so viel zu erzählen nach einem langen 92-jährigen Leben mit vielen Höhen, aber auch belastenden Erlebnissen. Je älter er wird, desto stärker beschäftigen ihn die Erlebnisse seiner Jugend im Krieg und in der Nachkriegszeit. Immer wieder fühlt er sich den Erinnerungen ausgeliefert, die ihm manchmal den Atem nehmen. Die chronisch obstruktive Lungenerkrankung, an der er leidet, wird für ihn in solchen Momenten noch deutlicher spürbar. Mit seiner Ehefrau, die ihn - soweit sie es noch kann – mit tatkräftiger Unterstützung der Diakoniestation versorgt, hat er schon oft darüber gesprochen. Sie möchte die „alten Geschichten“ nicht immer wieder hören, auch wenn sie ihn bedrängen. Aber die „alten Geschichten“ wollen erzählt werden, vielleicht wird es leichter, wenn er sie wieder erzählen kann. Und es gibt noch die vielen schönen Erlebnisse, an die er sich gerne im Erzählen erinnert. Sie bilden die anderen, bunten Facetten seines Lebens und sollen nicht vergessen werden.

Frau Oppermann ist 54 Jahre und ist schon seit 9 Jahren als Ehrenamtliche im Hospiz Stuttgart tätig. Nach dem Vorbereitungskurs für ehrenamtliche SterbebegleiterINNEN stellte sie sich darauf ein, Menschen in ihren letzten Lebenstagen oder gar Stunden zu begleiten. Je länger sie aber als Ehrenamtliche im Hospiz Stuttgart arbeitete, desto deutlicher wurde für sie, dass „Begleitung am Lebensende“ sehr oft mehr ist als die Begleitung in den letzten Stunden: Die Chance, einen Menschen in seiner letzten Lebensphase kennen zu lernen, Vertrauen aufzubauen, zu spüren, was diesem Menschen und seinen Angehörigen in diesem Moment wichtig ist, empfindet sie als großes Geschenk.
Ihre Aufgabe ist es, als Teil eines größeren Unterstützungsnetzwerkes die Betroffenen durch Dasein, Offenheit, Zuhören und Wertschätzung zu stützen und den Angehörigen Entlastung zu geben.

Seit nunmehr vier Monaten besucht Frau Oppermann Herrn Müller. Es brauchte zwei Besuche, bis das Ehepaar Müller und die Ehrenamtliche Vertrauen zueinander gefunden hatten. Herr Müller begann von seinen Kriegserlebnissen zu erzählen, aber nach einigen Treffen blitzten auch die schönen Erlebnisse seines Lebens auf.
Wenn die ehrenamtliche Begleiterin da ist, hat Frau Müller etwas Freiraum, sich zu erholen. Manchmal besucht sie die Nachbarin, an anderen Tagen erledigt sie Dinge, die ihr wichtig sind.

Inzwischen wird Herr Müller schwächer. Die Gespräche dauern nicht mehr so lange. Manchmal schläft er auch im Gespräch ein. Aber Frau Oppermann bleibt dann noch, bis Frau Müller wiederkommt. Einen ordentlichen Abschied gibt es immer - der letzte Abschied ist sicher nicht mehr weit entfernt.


Angebot des Ambulanten Hospizdienstes für die Begleitung zu Hause:

•    Beratung durch Palliative-Care-Fachkräfte zur Versorgung zu Hause
•    Psychosoziale Begleitung durch speziell geschulte Ehrenamtliche für schwerstkranke und sterbende Menschen
•    Entlastung für Angehörige
•    24-Stunden-Rufbereitschaft durch Palliative-Care-Fachkräfte
•    Die Begleitung ist für die Betroffenen kostenlos, d. h. es ist kein Antrag notwendig, sondern ein Anruf genügt.
Kontakt

 

Kontakt:

Ambulanter Hospizdienst für Erwachsene – Begleitung zu Hause
Stafflenbergstraße 22
70184 Stuttgart
Tel. 0711 23741-52 oder
Tel. 0711 23741-0
www.hospiz-stuttgart.de

Text: Dr. Christine Pfeffer