Neu im Vikariat

Im Dekanat Degerloch konnten am vergangenen Sonntag gleich drei neue Vikarinnen und ein Vikar durch Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs begrüßt werden. Sie werden in den Kirchengemeinden Riedenberg, Alt-Heumaden, Asemwald-Schönberg und Sonnenberg ihre praktische Ausbildungszeit absolvieren.

Neu im Vikariat im Dekanat Degerloch (vlnr): Vikar Christian Hölzchen, Vikarin Anna Kirchner, Vikarin Margarete Olbrich und Vikarin Astrid Edel.

Vikar Christian Hölzchen

Vikar Christian Hölzchen liebt seine "0711-Mutterstadt".

Mein Name ist Christian Hölzchen und ich bin nicht weit von hier aufgewachsen, nämlich in Denkendorf. Das gehört zwar nicht zu Stuttgart, hatte aber zur Blütezeit des Stuttgarter Hiphops - die Älteren werden sich erinnern - trotzdem die wertvolle 0711-Vorwahl. 

Dass eigentlich kurze Wege, wie der meine über die Fildern nach Stuttgart, manchmal etwas länger dauern, kennt man schon aus dem Alten Testament. Aber mein Weg war immerhin keine Wüstenwanderung: Nach einem FSJ im Evangelischen Jugendwerk und einigen Monaten in Unterweissach habe ich in Tübingen studiert, mit Zwischenstopps im nordenglischen Durham und der „wunderbaren Stadt“ Rio de Janeiro. 

Nach dem Examen habe ich noch einige weitere Jahre an der Universität verbracht, am Institut für Ethik der evangelisch-theologischen Fakultät. Und auch wenn mein Interesse an den „Großen Fragen“ sowie an der Entwicklung unserer Gesellschaft und an den Konsequenzen neuer Technologien ungebrochen ist, freue ich mich auf weniger Schreibtisch und mehr „echtes Leben“.  

So habe ich nun wieder eine 0711-Vorwahl und bin angekommen in der Mutterstadt, der Motorstadt am Neckar – ohne aber am Stau im brodelnden Kessel verzweifeln zu müssen: In der Evangelischen Kirchengemeinde Alt-Heumaden darf ich während meines Vikariats mit meinem Ausbildungspfarrer Jörg Scheiring die spannende Mischung aus eingesessener Dorfgemeinschaft und dem anziehenden Lichtermeer Stuttgarts erkunden.

Dabei fasziniert mich nicht nur unsere wunderschöne Alt-Heumadener Dorfkirche und die sakrale Atmosphäre in der größeren Gnadenkirche, die momentan als Ausweichort genutzt wird. Ich selbst stamme nicht aus dem Pfarrhaus. Mein Weg zur Theologie führte durch die freie Jugendarbeit und ich habe in jungen Jahren auch freikirchliches Glaubensleben kennengelernt, bevor es mich doch zur „alten Kirche“ gezogen hat. Am Rande der Großstadt interessiert mich also auch, wie die unterschiedlichen Stile und Formen unseres Glaubens koexistieren und vielleicht auch kooperieren können, ohne ihren eigenen Charakter zu riskieren. Gerade in einer Zeit der Veränderung in unserer Kirche finde ich die Chancen gegenseitiger Bereicherung – von uralten Liturgien bis zu neuen Medien – zu groß, um sich nur auf das Eigene zu konzentrieren. 

Nach Stuttgart mitgenommen habe ich nicht nur staubige Bücherstapel, ungewöhnliche Sportgeräte und laute Musikinstrumente, sondern vor allem auch meine Frau Yanti. Sie ist zwar keine Theologin, aber Ethnologin und hat schon an einigen entlegenen Orten der Welt das religiöse Leben erforscht. 

Ein warmes Willkommen haben wir schon erfahren und freuen uns nun auf unsere Zeit im Schatten des Fernsehturms – s’isch halt scho schee hier. 

Vikarin Anna Kirchner

Vikarin Anna Kirchner: symBADISCH und stets "on a mission".

Mein Name ist Anna Kirchner und ich bin Vikarin in Asemwald-Schönberg in der Evangelischen Verbundkirchengemeinde Plieningen-Birkach. Mit meiner Familie wohne ich im Asemwald – ein sehr spezieller, aber reizvoller Ort. So durfte ich in den vergangenen Wochen bereits die Vorzüge dieses vertikalen Dorfes kennenlernen, wie zum Beispiel die kurzen Wege und das freundliche und vertraute Miteinander. Nicht nur der Asemwald, sondern auch die württembergische Landeskirche ist für mich ein neues Umfeld. Denn ich gehöre eigentlich der badischen Landeskirche an, absolviere jetzt aber aufgrund der Berufstätigkeit meines Mannes in Stuttgart ein Gastvikariat in Württemberg.

Geboren und aufgewachsen bin ich in der Nähe von Karlsruhe. Während meiner Schulzeit war ich in der Kinder- und Jugendarbeit meiner Heimatgemeinde aktiv. Aufgrund dieser kirchlichen Verbundenheit und meinem Wunsch, über den Tellerrand zu blicken, absolvierte ich nach dem Abitur einen Ökumenischen Freiwilligendienst an einer Frauenberufsschule in Ghana, entsandt durch die Evangelische Mission in Solidarität (EMS). An meinem Einsatzort und in den umliegenden Kirchen erlebte ich mit dem pfingstlich-charismatischen Christentum andere Ausdrucksformen des christlichen Glaubens, die mein bisheriges Verständnis von Christsein in Frage stellten, gleichzeitig aber mein Verständnis von der Einheit und Vielfalt des weltweiten Christentums schärfte. Zudem lernte ich auch eine mir bisher unbekannte Form des Islams und ein von wechselseitigem Respekt gezeichnetes interreligiöses Miteinander kennen. Diese Erfahrungen motivierten mich zu meinem Studium der evangelischen Theologie und meinem Parallelstudium der Islamwissenschaft. Ich studierte zunächst in Kiel, anschließend in Heidelberg und verbrachte je ein Auslandssemester in Frankreich, der Schweiz und Palästina.

In meinem Studium spielte die Ökumene eine wichtige Rolle. Intensiv habe ich mich unter anderem mit dem palästinensischen Christentum beschäftigt, worüber ich dann auch nach meinem Examen eine Doktorarbeit schrieb. Neben meinem Studium habe ich mich in vielfältigen ökumenischen Bereichen eingebracht. Zum Beispiel habe ich in meiner Gemeinde in Heidelberg in der Arbeit mit Geflüchteten aus dem Iran, die zum christlichen Glauben übertreten und getauft werden wollen, mitgewirkt. Außerdem nahm ich 2013 im Auftrag meiner Landeskirche an der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Südkorea teil. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, diese ökumenischen Erfahrungen auf Gemeindeebene und gerade auch für die junge Generation fruchtbar zu machen.

In mein Vikariat starte ich mit einer großen Vorfreude auf all die vielen Begegnungen, neuen Aufgaben und Herausforderungen. Ich nehme aber auch einige Fragen mit: Wie wird die Kirche in der Zukunft aussehen? Wie gelingt es, das Evangelium in einer pluraler werdenden Gesellschaft zu kommunizieren? Wie können wir gerade auch durch die Corona-Pandemie auferlegten Einschränkungen auf Menschen zugehen? Ich bin gespannt zu erfahren, welche Fragen und Anliegen die Gemeinde bewegen und freue mich, mich mit meinen Erfahrungen hier einzubringen.

Vikarin Margarete Olbrich

Vikarin Margarete Olbrich hat schon mal Klostermauern von innen gesehen.

Ich heiße Margarete Olbrich, bin 26 Jahre alt und Vikarin in der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Sonnenberg bei Pfarrer Hartmut Mildenberger. Reisen, Wandern, Singen, Skifahren, Freunde treffen – das sind alles Aktivitäten, die ich gerne mache. Zudem sind mir Themen wie Nachhaltigkeit, Fairtrade, soziale Gerechtigkeit aber auch die Genderthematik sowie die Ökumene und der interreligiöse Austausch wichtig. Ursprünglich komme ich aus Neustadt an der Aisch, einer Kleinstadt in Franken. Neben meinen fränkischen Wurzeln fühle ich mich mittlerweile aber auch in Württemberg zuhause. Bereits zu Schulzeiten zog es mich in die kleine Stadt Maulbronn mit ihrem beindruckenden, ehemaligen Zisterzienserkloster. Dort besuchte ich ab der 9. Klasse das Evangelische Seminar Maulbronn, ein Gymnasium mit Internat. Auf diese für mich prägende Zeit folgte ein weiterer wichtiger Abschnitt meines Lebens. Ich ging für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Costa Rica. Hier machte ich unter anderem die Erfahrung, was es bedeutet, als evangelisch-lutherische Kirche eine Minderheit darzustellen. Meine Haupttätigkeit war in diesem Jahr die Mitarbeit in einer Kindertagesstätte in einem der ärmsten Viertel San Josés, der Hauptstadt Costa Ricas. Nach meiner Rückkehr nach Deutschland begann ich in Tübingen mit dem Theologiestudium. Das Interesse an theologischen Fragestellungen sowie die Aussicht auf einen vielseitigen und sozialen Beruf motivierten mich dazu. Seit meinem Gemeindepraktikum an der Lorenzkirche in Nürnberg kann ich mir das Amt der Pfarrerin auch konkreter vorstellen. Neben Tübingen gehören auch die Städte Edinburgh und Berlin zu den Orten, an denen ich studierte. Dort beschäftigte ich mich mit den anderen großen Weltreligionen, lernte die anglikanische sowie schottische Kirche kennen, kam in den Austausch mit Studierenden aus anderen Landeskirchen und atmete noch einmal einen anderen Geist, Theologie zu treiben. Ein Highlight gegen Ende meiner Studienzeit war schließlich die Teilnahme an einer sechswöchigen Seelsorgeausbildung (KSA-Kurs) für Studierende. 

Zu Beginn meines Vikariats bin ich nach Stuttgart gezogen und wohne nun hier mit meinem Partner Christopher Zeyher, der Vikar in Heslach ist. Nach dem doch sehr theoretischen Studium freue ich mich jetzt auf die praktische Arbeit des Pfarrberufs und auf die Begegnungen mit Menschen jedes Alters. Gemeinsam mit anderen Christen möchte ich trotz steter Entkirchlichung und Säkularisierung am christlichen Glauben und an der Kirche festhalten und deren Bedeutung für das persönliche Leben wie auch gesellschaftliche Zusammenleben zum Ausdruck bringen. In Vorfreude blicke ich dabei zum Beispiel auf die ökumenische Zusammenarbeit in Sonnenberg, auf Besuche bei Gemeindemitgliedern, Abendgottesdienste und auf das KinderBibelWaldheim. Ich bin gespannt, was das Vikariat alles mit sich bringen wird, was mich herausfordert, aber auch was mir besonders gut gefallen wird.

Vikarin Astrid Edel

Vikarin Astrid Edel ist gerne interreligiös unterwegs.

Ich bin Astrid Edel und Vikarin in der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Riedenberg bei Pfarrerin Dr. Elisabeth Jooß. Aufgewachsen bin ich in Tübingen und Esslingen und habe dann mein Studium in Leipzig begonnen. Neben Leipzig habe ich auch in Berlin, Tübingen und ein Semester in Athen studiert.

In Leipzig besuchte ich gerne die Veranstaltungen des Liturgiewissenschaftlichen Instituts und die praxisorientierten Veranstaltungen der Praktischen Theologie. Dort absolvierte ich zudem noch einen Bachelor der Theaterwissenschaft. Die beiden Studiengänge haben sich sehr gut befruchtet und ergänzt. Aus meinem Gemeindepraktikum im sächsischen Freital sind mir u. a. die Geburtstagsbesuche bei SeniorINNEN in sehr guter und interessanter Erinnerung. Wie persönliche Geschichte und Glaube bei den unterschiedlichsten Menschen biographisch ineinander greifen, hat mich immer wieder neu beeindruckt und bewegt.

In Tübingen nahm ich gern neben den Veranstaltungen der Evangelisch-Theologischen Fakultät auch an Angeboten des Zentrums für Islamische Theologie teil. Diesen Austausch auf wissenschaftlicher Ebene konnte ich dann beim interreligiösen Musikprojekt TRIMUM e. V. praktisch vertiefen. Dort habe ich in meiner Zeit in Berlin eine Projektassistenz gemacht und gemeinsam mit muslimischen und jüdischen MusikerINNEN, PädagogINNEN und TheologINNEN Workshops gegeben und Konzerte organisiert.

Während meiner zwei Semester in Berlin wohnte ich im Stadtkloster Segen, das eine Vielfalt an Spiritualitätsformen wie Tagzeitengebete oder christliche Meditationen anbietet. Dort habe ich Kirche als einen Ort der Ruhe, Einkehr und Neuorientierung inmitten der umtriebigen Hauptstadt kennengelernt. Auch die ökumenische Communauté von Taizé hat meine Spiritualität geprägt. Der offene Umgang unterschiedlicher Konfessionen und Frömmigkeitsrichtungen ist mir wichtig und auch wegweisend für unsere Landeskirche. Ich freue mich an meine bisherigen Erfahrungen nun im Vikariat anzuknüpfen. 

Mit mir nach Stuttgart sind mein Mann und unser Baby gekommen. Mein Mann arbeitet für die Ökumenische Energiegenossenschaft Baden-Württemberg (ÖEG), deren Ziel es ist, die Energiewende in den Kirchen in Baden und Württemberg voranzubringen. Uns beide verbindet das Anliegen nach mehr Klimagerechtigkeit und die Frage, wie auch die Kirchen ihren Teil dazu beitragen, um als Institution mehr Schöpfungsbewahrung umzusetzen. Hier bin ich gespannt zu erleben, welche Beispiele es dafür in der Gemeinde gibt. Die Gemeinde in Riedenberg hat tolle kreative Angebote und eine aktive Asylarbeit, die mir auch sehr am Herzen liegt. Zudem freue ich mich auf die SeniorINNENarbeit, nicht zuletzt in den SeniorINNENeinrichtungen ASB Wohnheim Sillenbucher Markt und das Augustinum Stuttgart-Sillenbuch.