Neue Citydiakonin

Doris Beck wird neue Citydiakonin. Damit tritt die 51-Jährige die Nachfolge von Cornelia Götz an, die noch den Sommer in der Citykirchenarbeit bis zum Amtsantritt ihrer Kollegin überbrückt hat, obwohl sie schon seit April in den Ruhestand verabschiedet wurde. Aber jetzt ist Doris Beck am Start.

6 Fragen an Citydiakonin Doris Beck...

Sie startet am 1. Oktober 2020 flotten Schrittes durch: Citydiakonin Doris Beck

Mit ihr bekommen die drei Citykirchen - Hospital, Stifts und Leonhards - ebenfalls 3 in 1: Doris Beck ist nämlich Diakonin, Gemeindeberaterin und Sozialpädagogin mit viel Berufserfahrung und frischen Ideen. Dienstantritt ist am 1. Oktober 2020 und so haben wir vorab schon mal mit ihr über alte und neue Wege in der Stuttgarter Citykirchenarbeit gesprochen.

RED: Liebe Frau Beck, herzlich willkommen im Herzen von Stuttgart! Sie sind die neue Citydiakonin. Was qualifiziert Sie denn für diese Aufgabe?

DB: In den letzten 25 Jahren meiner beruflichen Tätigkeit konnte ich in verschiedensten Arbeitsfeldern einen reichen Schatz an Erfahrungen sammeln. Neben allem erworbenen Wissen im Studium waren es die Begegnungen mit Menschen, die mich geprägt haben und wachsen ließen. Mein Berufsstart als Diakonin im Haus der Stille und in der Kirchengemeinde Weitenhagen in Vorpommern kurz nach der Wende hat mich mitten in das Spannungsfeld von Ost- und West-, bzw. Nord- und Süd-Mentalität geführt. Das habe ich spätestens da gemerkt, als ein Kind angesichts meines schwäbisch angehauchten Dialektes neugierig fragte: „Du sprichst so komisch, aus welchem Land kommst du denn?“. Die Zeit in Greifswald hat meinen Horizont geweitet.  Ich habe „nach-Wende-Geschichte“ mit den Menschen dort hautnah erlebt und ich glaube, dass ich dort eine alltagstaugliche Sprache für Glaubensfragen entwickelt habe. Wenn der Nachbar, der noch nie in einer Kirche war, fragt: „Was ist denn Beten und was sagst du denn da so, wenn du das machst?“, dann fordert das zu ehrlichen und verständlichen Antworten heraus.
Nach einem weiterem Studium in Sozialpädagogik in Reutlingen führte mich mein Weg nach Schwäbisch Gmünd. Mein Tätigkeitsfeld beim Diakonieverband Ostalb umfasste vielfältige Aufgaben und Verantwortungsbereiche in verschiedenen Kirchengemeinden, im Kirchenbezirk und Diakonieverband. Die Bandbreite reichte von Sozial-, Lebens- und Kurberatung über Projektarbeit in Kirchengemeinden, Vesperkirche, spirituelle Angebote in Gemeinden und Suchtkrankenhilfe bis hin zur konzeptionellen Arbeit mit Kirchengemeinderäten und -rätinnen und anderem mehr. Meine Neugier, beständig weiter zu lernen, hat mich nach einigen Jahren motiviert, zusätzlich die Ausbildung zur Gemeindeberaterin zu absolvieren. Dies hat meine Fähigkeit gestärkt, strukturell und analytisch zu denken und zielorientiert zu arbeiten. 

RED: Als „Neue“ muss man sich ja immer in diversen Kreisen und Gremien vorstellen. Was würden Sie über sich erzählen?

DB: Ich würde einen Laib Brot oder ein paar Brezeln mitbringen, denn aufgewachsen bin ich in einer Bäckerei mit dem Duft von frisch gebackenem Brot. Die Betriebsamkeit eines Handwerkerhaushaltes hat mich eine gewisse Bodenständigkeit gelehrt und im Laufe meines Lebens habe ich erfahren, dass es Leib und Seele nährt, miteinander Brot zu teilen und gemeinsam zu essen. Das ist eine wunderbare Form, miteinander Leben zu teilen. Da gäbe es viele Tischgeschichten zu erzählen, von vielen berührenden Gesprächen und Begegnungen, die oft damit endeten, dass wir alles Erlebte schlicht in Gottes Hand legten – ein heiliger Moment, in dem unvermutet Gottes Präsenz mitten im Alltag spürbar war. Von daher bin ich immer interessiert daran, die Menschen, denen ich begegne zu fragen, welche Tischbegegnungen sie geprägt, ihr Leben reich gemacht haben.

RED: Hospitalkirche – Stiftskirche – Leonhardskirche, das sind die drei evangelischen Citykirchen. Beschreiben Sie mal, welche Aufgaben da als Citydiakonin auf Sie zukommen?

DB: Die Liste der Arbeitsplatzbeschreibung umfasst gute zwei Seiten und ich bin selbst gespannt, wie sich die einzelnen Bereiche mit Leben füllen und welchen Menschen ich darin begegnen werde. Schwerpunkte sind die Vernetzung der gemeindediakonischen Arbeit der drei Citykirchengemeinden, Konzeption, Entwicklung und Durchführung neuer Formate für unterschiedliche Zielgruppen im Quartier und die Durchführung bereits bewährter Veranstaltungen wie z .B. die Nacht der Lichter, die Begleitung und Schulung der Menschen, die die Stiftskirche zu einem gastfreundlichen Raum machen, indem sie dort Führungen, Mittagsgebete, Seelsorge und Gottesdienste anbieten sowie Mitwirkung im Team der Vesperkirche Stuttgart. Eine wichtige Aufgabe wird sicherlich die Vernetzung in all diesen Bereichen mit Partnern vor Ort sein, die diese Felder bereits füllen und vor allem auch die Seelsorge, auf die ich mich besonders freue.

RED: Mit Antritt einer neuen Stelle möchte man ja gerne auch neue Impulse setzen. Was haben Sie auf Ihrem geheimen Spickzettel stehen?

DB: Aus meiner Erfahrung entstehen die besten Impulse, wenn Menschen miteinander ihre Ideen und Beobachtungen austauschen, ihre Leidenschaft teilen und die eigene Sehnsucht und die der Menschen in ihrem Umfeld aufnehmen. Wenn es dann einen kreativen Freiraum gibt, in dem man einander Gedankenbälle zuspielen und weiter entwickeln kann, mischt sich der Heilige Geist gerne ein und lässt aus dem Gedankenspiel eine zündende Idee entstehen, die ins Leben kommen will. Ich freue mich darauf, auf diese Weise mit den Kolleginnen und Kollegen Neues ins Leben zu bringen und dabei behutsam auf den Geist Gottes zu achten. Gerne würde ich mit einem Team Straßenexerzitien anbieten, gespannt darauf, wie Gott mitten im Gewühl der Stadt für Menschen erfahrbar wird.

RED: Mit dem Rad, zu Fuß oder doch gar mit dem Cityroller - wie gedenken Sie die „Anbindung“ der drei Kirchen zueinander zu gestalten bzw. deren Arbeit zu vernetzen?

DB: Wenn´s schnell gehen muss, mit dem Rad. Wenn Muße zum Schauen und Wahrnehmen der Stadt und ihrer Menschen da ist, gerne auch zu Fuß. Ein Netz, das Gemeinden verbindet, besteht aus Menschen. Deshalb möchte ich gerne damit beginnen, die Netzwerker/-innen kennen zu lernen. Dazu braucht es Austauschräume, um voneinander und aufeinander zu hören. Ich bin gespannt, welche solcher Begegnungsorte zwischen den Haupt- und Ehrenamtlichen es bereits gibt und wo das Netz vielleicht noch geweitet werden will. Grundsätzlich gehe ich von dem Bild aus, dass wir als Christinnen und Christen, egal welcher Gemeinde, am gleichen Tisch sitzen. Ein Bild von Sieger Köder, das mich schon lange begleitet, bringt das eindrucksvoll zum Ausdruck: Die Hände von Jesus sind sichtbar, er teilt das Brot aus und ist der Gastgeber, der Tisch ist reich gedeckt, unterschiedlichste Menschen sitzen beieinander. Wer immer Platz nehmen will, ist eingeladen und alle die dort sitzen, sind miteinander verbunden. Für mich ist dies ein Sinnbild dafür, dass wir in einem größeren Kontext bereits verbunden und vernetzt sind.

RED: Leonhards-, Stifts- und Hospitalkirche trennt 950 m bzw. 13 Minuten zu Fuß – das kann man täglich schon ein paar Mal machen… Doch was tun Sie, wenn Sie in den Feierabend gehen?

DB: Je nachdem, wie oft ich diese Runde am Tag gedreht habe, werde ich wohl erst einmal einen guten Kaffee oder Tee genießen und die Beine hochlegen. Ansonsten freue ich mich darauf, unterschiedlichste kulturelle Angebote in der Stadt zu entdecken. Kraftquellen sind für mich die Begegnungen mit Freunden: miteinander zu Essen, über Gott und das Leben zu sinnieren oder ein Spieleabend in fröhlicher Runde. Ebenso liebe ich es, die Wanderstiefel zu schnüren oder aufs Rad zu steigen, um die Natur zu genießen. Der Wanderführer mit Touren rund um Stuttgart liegt schon parat und ich freue mich darauf in jeder Hinsicht neue Wege zu erkunden.

RED: Dann wünschen wir Ihnen für all diese neuen Begegnungen gutes Gelingen und viele interessante Tischgespräche bei uns hier in Stuttgart und bedanken uns für das einladende Interview mit Ihnen.