Neue Kirchenkreisvorsitzende

Dr. Sabine Klonk ist die neue Vorsitzende des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart. Dazu wählten sie die Mitglieder der Kirchenkreissynode in ihrer konstituierenden Sitzung am 10. Juli 2020. Die 56-Jährige tritt damit die Nachfolge von Martin Dellit an.

6 Fragen an die neue Kirchenkreisvorsitzende Dr. Sabine Klonk...

Neue Vorsitzende des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart: Dr. Sabine Klonk

Das Parlament des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart ist die Kirchenkreissynode. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem, in Fragen des kirchlichen Lebens zu beraten sowie über Einrichtungen, Dienste und den Haushalt zu entscheiden. Mitglieder sind gewählte Kirchengemeinderäte/-rätinnen und PfarrerINNEN, Dekane und Dekaninnen, Schuldekane und -dekaninnen, Vorsitzende von Kirchenkreisausschüssen, die Kirchenkreisrechnerin und der oder die Vorsitzende. Genau in dieses Amt der Vorsitzenden wurde nun Dr. Sabine Klonk (56) gewählt. Im Interview stellen wir "die Neue" mal vor und nehmen gemeinsam mit ihr die anstehenden Aufgaben und Themen in den Blick.

RED: Liebe Frau Dr. Klonk, herzlichen Glückwunsch zur Wahl als neue Vorsitzende des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart. Was hat Sie zu diesem Ehrenamt motiviert?

SK: Herzlichen Dank für die Glückwünsche. Verantwortung für unsere Kirche zu tragen und sie mit zu gestalten, sind mir wichtige Anliegen. Das Motto des Kirchenkreises „In der Stadt. Mit der Stadt. Für die Stadt“ trifft meine Vorstellungen von Kirche. Ich freue mich auf viele Begegnungen mit Menschen, die unsere Kirche mit Leben füllen und darauf, die vielen Facetten der Kirche in unserer Stadt kennenzulernen - sehr spannend.

RED: Sie sind die Vorsitzende des Kirchengemeinderats der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Sonnenberg. Erzählen Sie uns noch ein bisschen mehr über sich, damit auch künftig alle Degerlocher, Cannstatter sowie alle aus Mitte und Zuffenhausen Sie besser kennenlernen...

SK: Ich komme aus dem schönen Aachen im Rheinland. Nach dem Studium der Biologie und der Promotion an der RWTH Aachen sind mein Mann und ich 1991 nach Stuttgart Sonnenberg gezogen. Hier kamen 1993 unsere Zwillingssöhne zur Welt. Schon als Kind habe ich begonnen, in geistlichen Chören zu singen. Was für ein Glück, dass 1994 Kay Johannsen die Stuttgarter Kantorei gegründet hat, in der ich nun seit über 25 Jahren singe. Ich arbeite freiberuflich als Projektmanagerin und Redakteurin für Schulbuchverlage und medizinische Fachverlage. Das erlaubt mir im Alltag eine große Flexibilität.

RED: Das klingt aufregend. Und dann sind Sie ja auch in der Kirchengemeinde Sonnenberg recht umtriebig...

SK: Richtig, seit 18 Jahren bin ich Mitglied im Kirchengemeinderat Sonnenberg im Dekanat Degerloch. Bereits in den letzten 6 Jahren war ich dort 1. Vorsitzende und bin im Januar dieses Jahres wieder bestätigt worden. Als Vorsitzende ist man in einer Kirchengemeinde natürlich mit allen Themen beschäftigt. Mein persönlicher Schwerpunkt ist seit Jahren die Erwachsenenbildung in Sonnenberg, aber auch im ganzen Dekanat und darüber hinaus. Sich aktueller Politik und Gesellschaft, Theologie, Naturwissenschaft, Kunst und Kultur in einem verlässlichen Rahmen anzunähern und sie zu diskutieren, halte ich für eine wichtige Aufgabe.

RED: Wohl wahr - apropos, werfen wir doch mal einen Blick auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen. Unlängst wurden die neuen Austrittszahlen veröffentlicht - nicht gerade rosig, denn die Zahl der Protestantinnen und Protestanten in Stuttgart liegt nun mehr bei 141.548 (Stand 31.12.2019). Wie blicken Sie darauf und an welchem Hebel gilt es anzusetzen?

SK: Ich denke, diese Frage lässt sich nicht in ein paar Sätzen beatworten. Unsere Gesellschaft ist einem rasanten Wandel unterworfen und da sind die weniger werdenden Gemeindeglieder nur ein Aspekt: Derzeit und sicher noch viele Monate beschäftigt uns die Coronakrise, aber Klimawandel und Migrationsprobleme sind ja nicht verschwunden. Die deutlich knapper werdenden Finanzen, Christsein in einer sich verändernden Gesellschaft - multikulturell, multireligiös, aber auch zunehmend „a-religiös. Statt mit „Hebeln“ möchte ich mit zwei Fragen ansetzen: Wie kann es uns gelingen, kirchliche Identität und kulturelle Diversität miteinander zu verbinden? Wie kann für die Menschen sichtbarer werden, was wir tun, wo wir präsent sind? Ich glaube, vielen Menschen ist das gar nicht bewusst. Antworten auf diese Fragen finden wir sicher gemeinsam nur im Dialog, insbesondere auch im interreligiösen Dialog, und mit viel Kreativität und Mut zu neuen Wegen. 

RED: In unmittelbarem Zusammenhang mit den Kirchenaustritten steht auch der PfarrPlan 2024, d. h. Streichungen von Pfarrstellen, Gemeindefusionen usw., der umgesetzt werden muss. Wie stehen Sie dazu und worin könnten hier auch Chancen liegen?

SK: Neue Kooperationen, Fusionen, Gesamtkirchengemeinden oder Verbundkirchengemeinden sind sicherlich notwendig. Aber mir ist es wichtig, all diese Veränderungen mit Achtsamkeit und Geduld zu begleiten und nicht zu überstürzen. Vergessen wir nicht vor lauter Umstrukturierungen das, worum es uns eigentlich geht, um den Glauben, um das Evangelium. Die Menschen wünschen sich einen Ansprechpartner, einen Pfarrer, eine Pfarrerin und auch Kirchengemeinderäte und -rätinnen am Ort. Und eins ist mir hier besonders wichtig: Kirche lebt vom Ehrenamt. Unsere Ehrenamtlichen sind ein Schatz, den wir pflegen müssen.

RED: Zum guten Schluss: Die erste Welle der Coronakrise haben wir im Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart ganz gut gemeistert: spontane Nachbarschaftshilfen, Predigten to go, Telefonketten, geistliche Impulse und ganze Gottesdienste auf Facebook und Youtube. Was hat uns vielleicht die Coronakrise gelehrt und was davon sollte künftig sogar beibehalten werden?

SK: Oh, ich denke, es ist verfrüht hier eine Bilanz zu ziehen. Diese Krise hat ein so umfassendes Ausmaß und so unendlich viele Facetten, und wir sind doch eigentlich immer noch am Anfang der Pandemie.
Sicher ist es den Kirchengemeinden bis zu einem gewissen Grad gelungen, Wege zu finden, auch im „Lock down“ sichtbar zu bleiben und den Menschen Halt zu geben. Dies hat viel Kreativität hervorgebracht. Bemerkenswert fand ich, wie viele Menschen auch im Fernsehen vor laufender Kamera die fehlenden Gottesdienste bedauert haben. Auch in der Presse war das ein großes Thema. Auch wenn unsere Kirchen sonntags nicht so gut besucht sind, die Menschen haben es vermisst und das auch laut gesagt. Umso froher waren wir, als am 10. Mai wieder Gottesdienste gefeiert werden durften, wenn auch in anderer Form. Video-Kirchengemeinderatssitzungen funktionieren und vielleicht wird man das weiterhin ab und zu machen, aber den persönlichen Austausch können sie nicht ersetzen.
Aber das alles betraf die ersten Monate der Pandemie. Wo stehen wir in einem halben Jahr? Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden wir erst in den kommenden Monaten spüren. Insolvenzen und steigende Arbeitslosigkeit werden auch an uns in Deutschland nicht vorbei gehen. Und ob wir gut durch den Herbst und Winter kommen, wird von uns allen, von unserer Disziplin abhängen.
Wir haben jedenfalls alle einmal gespürt, dass „Online“ die menschliche Nähe und die Gemeinschaft nicht ersetzen kann. Es gibt keinen platonischen Glauben. Glaube lebt vom Miteinander. Da bieten wir als Kirche eine Antwort für ein echtes Grundbedürfnis. Daraus lässt sich schon jetzt Hoffnung und mit jeder weiteren Öffnung auch viel Kraft schöpfen! 

RED: Ganz herzlichen Dank, liebe Frau Dr. Klonk, für diese Vorstellungsrunde und dann freuen wir uns alle auf Ihr Mitwirken und Mitgestalten im Kirchenkreis Stuttgart!

Die Mitglieder der Kirchenkreissynode

Das Parlament des Evangelischen Kirchenkreises Stuttgart ist die Kirchenkreissynode. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem, in Fragen des kirchlichen Lebens zu beraten sowie über Einrichtungen, Dienste und den Haushalt zu entscheiden.

Die insgesamt 71 Mitglieder der Kirchenkreissynode sind gewählte Kirchengemeinderäte/-rätinnen sowie PfarrerINNEN. Außerdem gehören dem Parlament die vier Stuttgarter Dekane und Dekaninnen an: Stadtdekan Søren Schwesig (Dekanat Stuttgart), Dekan Eckart Schultz-Berg (Dekanat Bad Cannstatt), Dekanin Kerstin Vogel-Hinrichs (Dekanat Degerloch) und Dekanin Elke Dangelmaier-Vinçon (Dekanat Zuffenhausen).

Weiterhin sitzen die beiden Schuldekane in der Kirchenkreissynode: Schuldekan Hans-Peter Krüger (Bereiche Stuttgart-Mitte und Degerloch) sowie Schuldekan Dr. Uwe Böhm (Bereiche Bad Cannstatt und Zuffenhausen).

Zudem gehören dem Parlament Vorsitzende von Kirchenkreisausschüssen, die Leiterin der Kirchenkreisverwaltung, Kirchenkreisrechnerin Sonja Schürle, und die neu gewählte Vorsitzende der Kirchenkreissynode, Dr. Sabine Klonk, an.

Fotos: Dagmar Hempel