So geht Vikariat in Stuttgart

Das sind die drei neuen PfarrerINNEN zur Ausbildung: Florentine Bückle kommt zu Pfarrerin Katharina Roos an die Petruskirche, Marilisa Sonnabend zu Pfarrer Gerd Häußler an die Lukaskirche und Christopher Zeyher zu Pfarrer Peter Wolff an die Kreuzkirche.

3 x 2 Fragen an 2 Vikarinnen und 1 Vikar...

Die 3 Neuen im Vikariat v.l.n.r.: Christopher Zeyher, Florentine Bückle und Marilisa Sonnabend

Sie stehen bereits in den Startlöchern, die neuen Vikarinnen und Vikar, denn mit dem 1. Oktober haben sie ihren Dienst aufgenommen. Die Ausbildungszeit, also das Vikariat, zur/m PfarrerIN dauert zweieinhalb Jahre. Am Anfang sind sie noch nicht in "ihren" Kirchengemeinden im Einsatz, sondern beschäftigen sich mit religionspädagogischen Fragen und Schulunterricht. Erst im neuen Jahr 2020 steigen sie verstärkt in die Gemeindearbeit ein.
Doch bevor es Florentine Bückle, Marilisa Sonnabend und Christopher Zeyher in fast alle Himmelsrichtungen in Stuttgart - Ost und Süd - verschlägt, haben sich die drei "Neuen" schon mal zu einem ersten Fotoshooting und persönlichen Kennenlernen im Hospitalhof mit Stadtdekan Søren Schwesig und seiner persönlichen Referentin, Pfarrerin Eva Deimling, eingefunden. Und dabei haben sie gleich ihr erstes Interview gegeben und mit unserer Redaktion über Gott und die Welt geplaudert.

RED: Frau Bückle, frisch aus dem Studium und ab ins Gemeindeleben. Was möchten Sie ausprobieren, woran wollen Sie arbeiten?

FB: Arbeiten und ausprobieren möchte ich mich vor allem am freien Sprechen einer Predigt, denn ich denke, je näher die Sprache der Predigt am Alltag ist, desto lieber hören die Hörerinnen und Hörer zu und desto besser kann der Predigt gefolgt werden.

RED: Sonntag, 10:10 Uhr. Sie haben Ihren Wecker nicht gehört und müssten eigentlich schon im Gottesdienst sein. Was nun, was tun?

FB: Da haben sie mich jetzt kalt erwischt! Wenn ich etwas absolut nicht leiden kann, dann ist es zu spät zu kommen… Aber in diesem Fall würde ich dem Organisten/der Organistin eine Whatsapp schreiben, er/sie solle doch schon mal das erste Lied spielen. Dann würde ich mich schnell aufs Fahrrad schwingen und zur Kirche radeln. Den Pyjama sieht man ja zum Glück nicht unterm Talar!

RED: Frau Sonnabend, Ihre erste Beerdigung steht an. Wie bereiten Sie sich darauf vor und wie sind Sie durch Ihr Studium darauf vorbereitet?

MS: Ich glaube, dass in so einer Situation die mentale Vorbereitung entscheidend ist. Wer bin ich in dieser Situation? Wie kann ein empathisches Verhalten gezeigt werden? Durch meine Arbeit in Pflegeheimen bin ich dem Tod schon öfter begegnet und auch den Erschütterungen, die er auslöst. Während meines Studiums habe ich mich auf unterschiedliche Art und Weise mit den Themen Tod, Trauer und Bestattung beschäftigt, auch aus eigenem Interesse heraus. Aber bei allen Fakten – Herz und Intuition zuerst.

RED: Der Gottesdienst läuft. Ihre Predigt steht an. Mit Seite 1 Ihrer Predigt sind Sie durch, aber Seite 2 scheint irgendwie inhaltlich nicht zu passen. Panik, Sie haben die falsche Seite eingepackt! Das wäre die Predigt von nächster Woche gewesen... Und jetzt?

MS: Ich versuche den Satz, der mit Sicherheit nicht vollständig war, sinnvoll zu Ende zu bringen. Und dann – hoffen, dass sich der Adrenalinschub legt und spontan eine Eingebung daherkommt!

RED: Herr Zeyher, gehen wir gedanklich mal zeitlich vor Ihr Studium. An welchem Punkt in Ihrem Leben wussten Sie: Ich will Pfarrer werden.

CZ: Ehrlich gesagt wollte ich vor dem Studium nicht sogleich Pfarrer werden. Vielmehr interessierten mich das Theologiestudium und dessen vielfältige inhaltliche Fragen. Insbesondere in meinem Freiwilligen Sozialen Jahr in Sizilien erhärtete sich schließlich der Wunsch, sich mit diesen Fragen auch im Beruf zusammen mit den Menschen in der Gemeinde zu beschäftigen.

RED: Mai, Hochzeitssaison und wieder steht an einem Samstagnachmittag eine Trauung an. Die Hochzeitsgesellschaft ist anwesend, die Glocken läuten, der Bräutigam steht aufgeregt vor Ihnen, aber die Braut kommt nicht. Und Sie so?

CZ: Ich glaube, ich wäre sehr nervös und wüsste zunächst einmal nicht, was tun. Aber ich denke, dem Bräutigam geht es vermutlich ähnlich...

RED: Ihnen allen wünschen wir eine eindrückliche Vikariatszeit, verbunden mit der Möglichkeit, viel auszuprobieren, um sich und den eigenen Wege als PfarrerIN zu finden und zu gehen.