Neue Kirchengemeinde im Westen

Am 1. Dezember 2019 sind nicht nur Kirchenwahlen in Württemberg, nein, zum neuen Kirchenparlament der Landeskirche und den neu gebildeten Kirchengemeinderäten vor Ort, gibt es dann auch die neue Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-West.

3 x 2 Fragen an 4 PfarrerINNEN...

PfarrerINNEN v.l.n.r.: Astrid Riehle, Sabine Löw, Simone Straub und Siegfried Finkbeiner

Die Pfarrerinnen Astrid Riehle (Paul-Gerhardt-Kirche), Simone Straub (Johanneskirche), Sabine Löw (Pauluskirche) und ihr Kollege, Pfarrer Siegfried Finkbeiner (Pauluskirche), freuen sich schon: Mit dem 1. Advent gibt es sozusagen ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk, denn ihre neue Kirchengemeinde geht an den Start. Vieles bleibt, Neues kommt und ganz viel ist noch im Werden. Wie die vier Theologen gemeinsam mit ihren Kirchengemeinderäten und Kirchengemeinden den bisherigen Fusionsprozess erlebt haben und worauf sie sich freuen, haben sie uns im Interview bei Plätzchen und Glühwein verraten.

RED: „Im Westen nichts Neues“ – von wegen, Astrid! Zum 1. Dezember 2019 geht die neue Westkirchengemeinde an den Start. Wie heißt die denn jetzt ganz genau und warum wurde dieser Name gewählt?

AR: Die drei Kirchengemeinden haben beschlossen, sich künftig „Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-West“ zu nennen. Für den Namen gibt es mehrere Gründe: Er ist neutral und ermöglicht, dass die drei kirchlichen Standorte mit ihrem jeweiligen Profil auch künftig wahrgenommen werden. Die Evangelischen im Westen sollen auch künftig sagen dürfen, ich fühle mich in Paulus, Paul-Gerhardt oder Johannes zu Hause. Der Name ist Ortsangabe und der Stuttgarter Westen ist eine Marke. In diesem Stadtteil wollen wir mit und für die Menschen evangelische Kirche sein. Folgerichtig heißt der neue Gemeindebrief: „Evangelisch im Westen“. Zu guter Letzt: Andere Gemeinden haben bei ihrer Fusion den Weg für die Namensgebung gespurt, z. B. die Nordgemeinde und die Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-Ost.
 
RED: Warum haben sich genau diese drei Kirchengemeinden auf den gemeinsamen Kirchweg gemacht und wird auch darüber nachgedacht weitere Kirchengemeinden im Stuttgarter Westen unter ein gemeinsames Kirchendach zu holen?

AR: Es gibt in den Westgemeinden seit vielen Jahren gemeinsame Gottesdienste, gut funktionierende Kooperationen in der Jugend-, Konfirmanden- und Öffentlichkeitsarbeit. Als klar war, der Westen muss im Zuge des Pfarrplans ab 2024 auf eine halbe Pfarrstelle verzichten, schlug das Pfarrkollegium den Kirchengemeinderäten den Zusammenschluss vor. Es ist für PfarrerINNEN einfacher, Aufgaben und Zuständigkeiten „ihrer“ Gemeinde untereinander zu teilen, als punktuell Aufgaben in der Nachbargemeinde zu übernehmen. So ist die evangelische Kirche im Westen für weitere Kürzungsrunden gewappnet. Ob Botnang eines Tages dazukommt? Schwer zu sagen. Botnang ist eine Einheit für sich. Geografisch trennt uns der Botnanger Sattel.
 
RED: Sabine, du bist ja als Pfarrerin an der Pauluskirche auch noch recht neu. Wie hast du so die Endphase des Fusionsprozesses miterlebt?

SL: Unglaublich harmonisch. Es ist beeindruckend, in welchem gegenseitigem Verständnis und in welchem Miteinander die Fusion im Westen geht. Sowohl auf kollegialer Ebene, wie auch bei den Gremien der Kirchengemeinderäte. Ich denke, das liegt auch mit daran, dass wir im Westen ein Siedlungsgebiet sind. Es ist nicht optisch klar, wo ein Gemeindegebiet anfängt und das andere aufhört. Das Gebiet ist schon eins.
 
RED: „Auf zu neuen Ufern“, Herr Finkbeiner! Welche Schwerpunkte werden künftig in den Westgemeinden herausgearbeitet werden?

SF: Wir haben vergange Woche zu einem „Forum Gottesdienst“ eingeladen, um gemeinsam herauszufinden, welche Gottesdienstzeiten und -formen wir erhalten wollen und welche neuen wir entwickeln oder ausprobieren wollen. Wir müssen nicht mehr auf verschiedenen Feldern ähnliche oder gleiche Angebote machen. Das kann Ressourcen freisetzen. Das Begegnungszentrum im Paul-Gerhardt-Zentrum wird für die ganze Gemeinde eine größere Rolle spielen. Die Johanneskirche mit ihrer Nähe zur Innenstadt bietet die Chance zu Angeboten in der Mittagszeit. Im Gespräch mit den Kolleginnen und Kollegen ist deutlich geworden, dass wir auch andere spirituelle Angebote im Stadtteil wahrnehmen sollten, um eventuell Kooperationen zu entwickeln. In der Pauluskirche haben die Musiker schon immer eine besondere Heimat gefunden. Sie sind auch an den beiden anderen Standorten gut vertreten und werden gemeinsam ab Weihnachten alle sechs Teile des Weihnachtsoratoriums [Anmerkung RED: 25.12. Johanneskirche, 26.12. Paul Gerhardt-Kirche, 29.12. Pauluskirche, 01.01. Johanneskirche, 05.01. Paul Gerhardt-Kirche, 06.01. Pauluskirche - alle Gottesdienste beginnen um 11 Uhr und zum Abschluss am 06.01. gibt es einen kleinen Neujahrsempfang] in allen drei Kirchen zur Aufführung bringen.
 
RED: Sie sind schon länger im Westen unterwegs, Frau Straub. Gibt es auch Wehmut zwischen all dieser Aufbruchsstimmung und wie begegnen Sie dieser?

SSTR: Die Wehmut ist im Westen durchaus zu spüren. Vor allem ältere Gemeindeglieder äußern ihre Sorge z. B. bezüglich weitere werdender Wege zu einzelnen Veranstaltungen. Wichtig ist, dass Heimatgefühle ernst genommen werden und Bestehendes auch wertgeschätzt wird. Wir wünschen uns viele Menschen, die Lust haben sich einzubringen bei den Überlegungen, wie die neue Fusionsgemeinde gut zusammenwachsen kann.

RED: Und nach dem eigentlichen Fusionsstart am 01.12.2019 kommt ja dann bald der 1. Januar 2020. Welche freudige Neuerung steht da der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-West bevor?

SSTR: Im Januar wird Prof. Dr. Christoph Dinkel als neuer geschäftsführender Pfarrer das Pfarrteam im Westen vervollständigen. Wir Kolleginnen und Kollegen freuen uns, dass die Zeit der Vakatur [Anmerkung RED: Vakatur ist die Zeit, in der die Pfarrstelle nicht besetzt war. ] dann zu Ende ist und wir voll besetzt in das erste gemeinsame Jahr der neuen Westgemeinde starten können. Herzliche Einladung schon jetzt zum Gottesdienst mit Investitur am 12. Januar 2020 um 9:45 Uhr in der Johanneskirche.

RED: Dann erst mal vielen lieben Dank für die vielfältigen Antworten und ein gutes Miteinander im Westen! Der Fusionsgottesdienst der drei Kirchengemeinden findet übrigens am 4. Advent (Sonntag, 22. Dezember 2019) um 10 Uhr in der Pauluskirche statt. Und auch in der virtuellen Welt ist die neue Evangelische Kirchengemeinde Stuttgart-West künftig mit einer gemeinsamen neuen Website vertreten - einfach mal vorbeisurfen und sich informieren, was es Neues im Westen gibt!