Neuer Pfarrer für die Nordgemeinde

Pfarrer Florian Link zieht es über den Neckar rüber in den Stuttgarter Norden. Der bisherige Cannstatter Stadtkirchenpfarrer wird neuer geschäftsführender Pfarrer in der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord und predigt künftig in der Erlöserkirche.

Der neue geschäftsführende Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart Nord: Pfarrer Florian Link

Im Gemeindebrief der Nordgemeinde stellt sich der neue Pfarrer seiner Gemeinde vor.

Meine ersten Eindrücke von der Erlöserkirche liegen einige Jahre zurück. Zu Fuß bin ich die Birkenwaldstraße hinaufgegangen, um im Gemeindehaus eine Fortbildung zu besuchen. Hängengeblieben ist die Erinnerung an die mächtige Nordseite der Kirche, den Chorraum, der zum Osten hin zur Straße hin hinausragt – und dann die überraschende Öffnung der Kirche hin zum Vorplatz nach Süden, mit der prächtigen Linde und der einladenden Vorhalle. Schließlich der Turm auf der Westseite, der - so massiv er erbaut ist - sich zum Hang hin einfügt in die Landschaft. 

Nun werde ich am 8. November 2020 um 16 Uhr in der Erlöserkirche [Anmerkung RED: Der Empfang mit Imbiss und Grußworten sowie Gelegenheit zum Kennenlernen findet ab 17:15 Uhr statt.] als neuer Pfarrer in der Stuttgarter Nordgemeinde eingesetzt - auf den Tag genau 112 Jahre nach der Einweihung der vom Architekten Theodor Fischer errichteten Kirche. 

Für mich ist das eine schöne Fügung, denn so manche Grundgedanken, die dem Baumeister beim Entwurf des Kirchengebäudes ein Anliegen waren, haben auch für mich bei der Gemeindearbeit entscheidende Bedeutung. So strebte Fischer ein harmonisches Miteinander von Tradition und Moderne an. Ich bringe große Wertschätzung mit für das, was in der Gemeinde gewachsen ist, das Leben in Gruppen und Kreises, Feste und Traditionen, die ich gerne weiter pflegen möchte – um mit dem Blick nach vorn auch neue Formen des Miteinanders zu suchen, zu entwickeln und auszuprobieren. 

Mit dem Vorplatz nach Süden und der Linde hat der Architekt einen Ort der Begegnung geschaffen – und damit in meinen Augen ein wunderbares Bild für Gemeinde: Sie ist für mich ein Ort, wo Menschen ganz unterschiedlicher Generationen und Herkunft zusammenkommen und Gemeinschaft finden. 

Beim Bau der Erlöserkirche hatte der Baumeister zudem den ganzen Landstrich im Blick, die wachsende, sich ausdehnende Stadt. Er hat einzelne Gebäude nie isoliert betrachtet, sondern sie als Teil des Stadtviertels wahrgenommen. Der Blick in den Stadtteil, vom Nordbahnhof bei der Martinskirche hinauf zum Killesberg mit der Brenzkirche bis hin zum Fleckenweinberg bei der Christophkirche, auch über die Gemeinde hinaus, gehört für mich dazu. Es ist Teil unseres Auftrags als Christinnen und Christen, unsere Stadt mit zu gestalten und uns stark dafür zu machen, dass sie ein Ort wird, an dem es sich gut leben lässt.

Nicht zuletzt spricht mich Theodor Fischers Grundsatz an, die Kirche nach alter Tradition nach Osten hin auszurichten, zur Seite der aufgehenden Sonne, des neuen Lebens, der Auferstehung. Diese hoffnungsvolle Ausrichtung des Glaubens auf Ostern hin ist für mich in der täglichen Arbeit von tragender Bedeutung.

Diesen Grundsätzen folgend war ich die vergangenen zwölf Jahre als geschäftsführender Pfarrer an der Cannstatter Stadtkirche tätig. Besonders erfüllend war für mich dabei der Aufbau und die Begleitung eines großen, lebendigen Kreises an Ehrenamtlichen. Miteinander gelang es, große Veranstaltungen auf die Beine zu stellen, eine Hilfsaktion für Bedürftige in der Adventszeit zu etablieren, rauschende Feste zu feiern, neue Gruppen und Kreise zu gründen wie die Kinderkirche – und in Leid wie Freud füreinander da zu sein. Die ersten Jahre an der Stadtkirche habe ich die Stelle mit meiner Frau Franziska Link geteilt, die ebenfalls Pfarrerin ist und mittlerweile am Marienhospital in Stuttgart als Krankenhauspfarrerin arbeitet.

Prägend auf meinem Weg hin ins Gemeindepfarramt waren für mich vor dem Theologiestudium dreineinhalb Jahre im Ausland: in den USA, in Frankreich in einem Friedensprojekt sowie ein Jahr in Mostar in Bosnien-Herzegowina, wo ich nach dem verheerenden Bürgerkrieg ein Haus für Kinder und Jugendliche mit aufgebaut haben, wo Menschen aller Nationen willkommen waren.

Neben diesen Erfahrungen und Erlebnissen bringe ich vieles weitere in das Pfarrhaus neben der Erlöserkirche mit: meinen Kontrabass, das Fahrrad, Sportsachen, viele Bücher – vor allem aber meine Familie: meine Frau Franziska und unsere drei Kinder Greta (15), Frida (12) und Jakob (9).

Die ersten Begegnungen in der Nordgemeinde habe ich bereits als sehr ermutigend erlebt, mit den Kirchengemeinderätinnen und -räten, der Pfarrerskollegin und dem -kollegen, dem Diakon, den Mitarbeitenden, einzelnen Ehrenamtlichen – und so bin ich guter Dinge, dass ich mit meinen Vorstellungen nicht nur zum Kirchengebäude, sondern auch zur Gemeinde passe. 

Jetzt freue ich mich auf die Einsetzung am 8. November – und ich hoffe, wir können in unserer Gemeinde miteinander leben, was schon Theodor Fischer am Herzen lag: Kirche als offener Ort der Gastlichkeit, als schützender Ort des Trostes und als Ort der Gemeinschaft mitten in der Stadt.

Ihr Pfarrer Florian Link