Botnang bekommt neuen Pfarrer

Die Evangelische Kirchengemeinde Botnang bekommt zum 1. Mai einen neuen geschäftsführenden Pfarrer: Stephan Mühlich wird am Sonntag, 12. Mai 2019 feierlich in einem Gottesdienst um 10 Uhr in der Nikodemuskirche in Stuttgart-Botnang begrüßt. Wie der bisherige Hochschulseelsorger der Uni Vaihingen den Umstieg ins Gemeindepfarramt meistert, lesen Sie im Interview.

6 Fragen an Pfarrer Stephan Mühlich...

Vom Hochschulseelsorger zum geschäftsführenden Gemeindepfarrer: Stephan Mühlich

Zwischen Vaihingen und Botnang liegt auf halber Strecke das Bärenschlössle. Ein schöner Ort, um mal ein bisschen über die Zukunft als neuer geschäftsführender Pfarrer in Botnang zu philosophieren. Stephan Mühlich hat´s getan.

RED: Gestern noch Seelsorger im ÖZ, im Ökumenischen Zentrum auf dem Uni-Campus in Vaihingen, jetzt geschäftsführender Pfarrer in Botnang…. Welche Veränderungen kommen da inhaltlicher Natur auf Sie zu?

SM: Der Wechsel vom Hochschulcampus in die Kirchengemeinde bringt schon einige Umstellungen. Im Ökumenischen Zentrum habe ich vor allem die Vielfalt junger Menschen in einer sehr internationalen und auch interreligiösen Mischung erlebt, die durch ein gemeinsames Ziel des meist naturwissenschaftlichen Studiums verbunden waren. Und ich musste mich selbst zusammen mit meinem katholischen Kollegen im ökumenischen Alltag darum kümmern, welche Angebote wir vor Ort machen können. Es gab dort im üblichen Sinn keine Gemeinde. Jetzt bin ich in Botnang wieder als Pfarrer für eine Ortsgemeinde da, in der die Gemeindemitglieder klar zugeordnet sind. Da bin ich dann mit meinen Kolleginnen im Dienst für alle, die im Bereich der Gemeinde wohnen. Die Vielfalt besteht dann vor allem im Kontakt mit den verschiedenen Generationen. Im Pfarrdienst begleiten wir die Menschen „von der Wiege bis zur Bahre“. Doch dabei sind die PfarrerINNEN keine EinzelkämpferINNEN. Die Leitung der Gemeinde geschieht zusammen mit dem Kirchengemeinderat. Und viele Initiativen und Gruppen gibt es nur, weil sich Gemeindemitglieder freiwillig engagieren. Dafür braucht es neue Netzwerke. Und das ist für mich jetzt eine große Herausforderung.

RED: Vaihingen – Botnang: Was ist räumlich anders oder gar gleich und kennen Sie sich vor Ort überhaupt schon ein bisschen aus?

SM: Während die Unterschiede zwischen Hochschulcampus und Ortsgemeinde schon erheblich sind, gibt es zwischen den Orten Vaihingen und Botnang durchaus Ähnlichkeiten. Vaihingen ist zwar doppelt so groß wie Botnang, aber beides waren ehemals selbständige Orte, die jetzt Stuttgarter Stadtteile geworden sind. Durch den S-Bahn und Stadtbahn sind sie nahe an der Stadtmitte und dadurch begehrte Wohngebiete, aber zugleich spürt man noch das Selbstbewusstsein der örtlichen Tradition. Dazu gehört die Kirche im (ehemaligen) Dorf und auch Vereine und bürgerschaftliches Engagement. Vaihingen ist auf der Filderhöhe etwas weniger herausfordernd für FahrradfahrerINNEN. In Botnang geht es fast überall ziemlich rauf und runter. Das muss ich noch testen, ob meine Fitness dafür ohne E-Unterstützung ausreicht.

RED: Jetzt haben Sie ja in den vergangenen Jahren auf dem Uni-Campus vermutlich weniger Kinder getauft oder Paare getraut. Klappt das noch?

SM: Tatsächlich bin ich da gar nicht so sehr aus der Übung. Denn Trauungen gehören ja immer wieder zu den erfreulichen Fällen im Leben eines Studentenpfarrers, wenn man Paare trauen darf, die man in der Studentengemeinde kennen gelernt und begleitet hat. Und Kindertaufen gab es auch in meinen regelmäßigen Sonntagsgottesdiensten in der Vaihinger Kirchengemeinde immer wieder, weil dort auch viele junge Familien wohnen. Es sind wohl eher die Beerdigungen, die jetzt wieder mehr werden. Aber ich war vor meiner Studierendenpfarrerzeit lange im Gemeindepfarramt und weiß, was da auf mich zukommt. Ein Menschenleben auch an seinem Ende zu würdigen und den Angehörigen von der Botschaft des Evangeliums her Trost und Hoffnung zuzusprechen, das gehört auch zu den wichtigen und in gewisser Weise schönen Aufgaben eines Gemeindepfarrers.

RED: Worauf freuen Sie sich bei Ihrer neuen Aufgabe als Gemeindepfarrer?

SM: Ich hatte schon ein bisschen Gelegenheit, den Botnanger Kirchengemeinderat und auch meine beiden Kolleginnen Marianne Baisch und Carola Münd kennenzulernen. Da freue ich mich auf die Zusammenarbeit. Ein aktives und unterstützendes Gremium und Team ist eine große Hilfe. Ich freue mich auf die Sonntagsgottesdienste in den Botnanger Kirchen und auf der Solitude. Außerdem bin ich gespannt, wie sich die Evangelische Kirche in Stuttgart weiterentwickelt. Botnang gehört ja zum Distrikt S-West, zur Gesamtkirchengemeinde und auch zum Kirchenkreis. Durch meine Erfahrungen in einem sehr kirchenfernen Umfeld kann ich vielleicht auch etwas beitragen für Zukunftsperspektiven von Kirche in der Großstadt.

RED: Klingt spannend... Apropos, für einen richtigen Spannungsmoment haben Sie im den vergangenen Jahr ja auch wieder beim Stuttgarter Preacher Slam gesorgt. Wie steht´s denn um Ihre Teilnahme in 2019?

SM: Ein kreativer Umgang mit Sprache ist ja beruflich und privat meine Leidenschaft. Und weil das auch Poetry und Preacher verbindet, habe ich mich zwei Jahre gerne beim Stuttgarter Preacher Slam beteiligt. Allerdings hatte ich im letzten Jahr den Eindruck, dass die Botschaft, ohne die es ja für den Prediger doch nicht geht, beim Publikum nicht so richtig ankam. Das hat mir dann erst einmal für meine regelmäßige Predigttätigkeit im Gottesdienst zu denken gegeben. Die beste Predigt kann ja nichts ausrichten, wenn die Zuhörenden nichts damit anfangen können. Deshalb werde ich mich jetzt erst einmal auf die Botnanger Gottesdienste konzentrieren und hoffe dort auf hilfreiche Rückmeldungen. Wenn die BotnangerINNEN dann meinen, ich solle mich mal wieder vor anderem Publikum exponieren, dann werden wir sehen.

RED: Apropos Freizeit, wenn Sie mal nicht in Ihrem Pfarrbüro anzutreffen sind, wo wird man Ihnen in und außerhalb von Botnang sonst so begegnen?

SM: Als Treffpunkt für Menschen aus Botnang und Vaihingen bietet sich ja das Bärenschlössle auf halbem Weg an, der von Fußgängern und Fahrradfahrern gut erreichbar ist. Und in Botnang sei der neu gestaltete Markt am Samstag Vormittag auch ein wichtiger Begegnungsort, habe ich mir sagen lassen. Mit einem vielseitigen Musikgeschmack von Jazz über Klassik bis Pop und Punk (was immer das alles sein soll?) bin ich gern dort, wo es live spannende Musik zu erleben gibt. Und mit Familie und Freunden zwischen Brandenburg und Italien müssen vor gemeinsamen Unternehmungen die üblichen Grundsatzentscheidungen geklärt werden: Nord oder Süd, Mare oder Monti? Aber darin habe ich mit meiner Frau seit 30 Jahren eine gewisse Übung.

RED: Dann wünschen wir Ihnen für Ihre neue Tätigkeit gutes Gelingen und freuen uns auf Ihren Input für gelingende Zukunfsperspektiven für die Evangelische Kirche in Stuttgart!