Preiset mit mir den Herrn...

Denken wir an Lobpreismusik, kommt uns möglicherweise als erstes "christliche Popmusik" in den Sinn. Vielleicht verbinden wir damit Musik, wie sie in vielen Freikirchen gepflegt wird? Oder wir denken an bekannte Komponisten wie Albert Frey und angesagte Lobpreisbands wie z. B. die Outbreakband.

Irgendwie verbinden wir das Thema Lobpreis vielleicht mit einer modernen Kirche, die moderne Musik macht. Und mit Jugendlichkeit.

Der Lobpreis an sich ist keine Erfindung der Moderne. Ja nicht einmal der Neuzeit. Das Alte und das Neue Testament zeugen davon, dass der Lobpreis von Anfang an eine entscheidende Rolle gespielt hat. Von 38.000 Leviten (jüdische Tempeldiener aus dem Stamm Levi) waren von König David alleine 4.000 als Sänger dazu ausersehen worden, mit Instrumenten zu musizieren, die er selbst „ zum Lobgesang habe machen lassen“ (1. Chr. 23). Die ersten Christen, verwurzelt in der jüdischen Tradition, versammelten sich zum Lobpreis im Tempel und in den Häusern (Lukas 24,52-53; Apg 2, 46-47).

In den Jahrhunderten zwischen damals und heute hat sich die Form des christlichen Gottesdienstes stetig verändert, wobei der Lobpreis in der alten Kirche eine entscheidende Rolle gespielt hat. Gottesdienste waren damals wohl insgesamt vor allem von Gesängen geprägt. In den Ostkirchen hat sich diese Tradition bis heute erhalten.

Durch die Reformation hat sich Einstellung zur gottesdienstlichen Feier grundlegend geändert. Dem Gottesdienst wurde die Rolle zugesprochen, das Wort Gottes so auszulegen, dass es alle verstehen können. Ab diesem Zeitpunkt traten Lieder in den Mittelpunkt, die über Gott und den Glauben an sich berichteten. Man könnte sagen, dass nun zunehmend über Gott und den Glauben gesungen wurde, um den eigenen Glauben zu stärken und das Wort zu verkünden. Lieder, mit denen Gott direkt angesprochen wurde, verloren ihre zentrale Stellung.

Betrachtet man das älteste Gesangbuch der Welt, den Psalter, sieht man, dass es auch im frühen Judentum schon viele Aspekte gab, die besungen wurden. So findet man Lobpsalmen, Klagepsalmen, Bittpsalmen, Trauerpsalmen, Bußpsalmen, Wallfahrtslieder und noch viele weitere Gattungen. Dass der Lobpreis in der frühen Kirche eine wichtige Rolle einnahm, mag daran gelegen haben, dass die Freude über die Erlösungstat Christi deutlicher im Mittelpunkt der Gottesdienste stand als dies heute der Fall ist.

Komponisten aller Generationen haben sich dem Lobpreis Gottes gewidmet, von Schütz über Bach, Mozart, Mendelssohn bis Messiaen. Jazzkomponisten, Popmusiker und Gospelmusiker und die Musiker der Moderne knüpfen mit anderen Stilmitteln daran an und vertreten doch die selbe Absicht.

Ist der Lobpreis also wirklich modern? Oder ist er etwa eine Restauration, die sich die Erlösungsfreude der frühen Kirche zu eigen macht und sie lebt? Neu ist auf jeden Fall der musikalische Stil des Pop, Gospel und Jazz in der Kirche. Allerdings auch nicht ganz neu. Von dem Aufkommen der ersten Poplieder in den Kirchen bis heute sind bereits 60 Jahre vergangen.

In unserer Gemeinde, der Evangelischen Lenore-Volz-Kirchengemeinde Bad Cannstatt, wird der Lobpreis als eine von zahlreichen Gattungen in allen musikalischen Gruppen und in vielseitiger musikalischer Stilistik gelebt, vom Kinderchor über den Posaunenchor, der Kantorei und schwerpunktmäßig im Gospelchor und dem Kunterbuntchor und natürlich auch in den Gemeindeliedern im Gottesdienst und der Orgelmusik.

Text: Kantor Andreas Retzer