Requiem für einen jungen Dichter

2015 in Paris und Tokio - das waren die bislang letzten Konzerte von "Requiem für einen jungen Dichter" von Bernd Alois Zimmermann. Erstmals nach über 30 Jahren wird am 9. Februar 2020 um 19 Uhr dieses Meisterwerk in der Lutherkirche in Bad Cannstatt aufgeführt.

6 Fragen an Prof. Jörg-Hannes Hahn...

Kirchenkreiskantor Prof. Jörg-Hannes Hahn lädt zum Requiem eines jungen Dichters nach Bad Cannstatt ein

Seit der Uraufführung 1969 wäre dies dann erst die 29. Gesamtaufführung weltweit! Prof Jörg-Hannes Hahn hat die musikalische Leitung übernommen und gibt uns heute schon mal Einblicke in dieses seltene Werk.

RED: Lieber Herr Prof. Hahn, am 9. Februar steht um 19 Uhr in der Cannstatter Lutherkirche das "Requiem für einen jungen Dichter" von Bernd Alois Zimmermann an. Dabei handelt es sich um ein ganz besonders Stück. Erzählen Sie mal...

JHH: Dieses Werk von gut einer Stunde Aufführungsdauer gilt als das bedeutendste Werk der Kirchenmusik im 20. Jahrhundert: Es ist einzigartig in der Anlage u. a. mit Jazzband und Elektronik, einzigartig in der Textstruktur und einzigartig in der Tiefe des Ausdrucks. Das klanglich besondere an diesem Werk ist, dass die Zuhörer quasi in einer Klangwolke sitzen werden, da vorne in der Kirche ein Chor und das Orchester sitzen werden, auf der Seitenempore der Männerchor, auf der Orgelempore der Bachchor und dazu noch Lautsprecher eine Klangkuppel herstellen werden.

RED: Spannend und interessant zugleich ist auch die Tatsache, dass dieses Musikstück bislang noch gar nicht so häufig aufgeführt wurde. Woran liegt das?

JHH: Es gibt drei Hürden, von denen jede einzelne schon hoch hängt: Da ist der riesige organisatorische Aufwand mit drei Chören, Symphonieorchester mit vielen Sonderinstrumenten, einer Jazzband, Solisten usw. Das bedeutet zugleich auch einen großen finanziellen Aufwand. Vor allem hat dieses Werk hohe künstlerische Hürden, denn die Partitur zu verstehen und umzusetzen ist keine kleine Aufgabe.  

RED: Wer bringt es jetzt zur Aufführung?

JHH: Wir haben mit Yuko Kakuta und Uwe Schenker-Primus zwei ausgezeichnete Sänger dabei; Rainer Wolf und Felix Heller sind hervorrage Sprecher. Dazu kommt die Jazzband mit Obi Jenne, Mini Schulz usw. Es spielen die Stuttgarter Philharmoniker und last but not least wirken drei sehr gute Chöre mit: der Konzertchor Darmstadt, der Männerchor Vocappella Limburg und der Bachchor Stuttgart.

RED: "Requiem für einen jungen Dichter" klingt spontan nach tief traurig, getragen, schwer.... Trügt der Eindruck?

JHH: Nach Verklingen des letzten Tones - ein großer Aufschrei aller drei Chöre mit »Dona nobis pacem« - wird die/der ZuhörerIN einerseits überfordert zurückbleiben. Andererseits bin ich sicher, dass diese Synthese von Musik und Text einen tiefen Eindruck bei den Hörerinnen und Hörern sowie bei den Ausführenden hinterlassen wird. Die erste Hälfte ist eine lange Passage von elektronischer Musik, kombiniert mit Männerchor und Orchesterklängen. In der zweiten Hälfte gibt es einen fast kammermusikalischen Satz für Sopran und Ensemble, ganz ätherische Clusterklänge und auch ein sehr ausdrucksvolles Lamento.  

RED: Wieso wird einem dieser Abend in musikalischer Hinsicht im Gedächtnis bleiben?

JHH: Das Grundthema von Zimmermanns Requiem ist die verzweifelte Bitte, ja der Schrei nach Frieden. Zimmermanns Friedensappell ist heute so aktuell wie in der Entstehungszeit 1969/70 - denken wir an die Dummheit politisch Verblendeter in unserem Land und an das grassierende Ich-zuerst-Denken vieler Verantwortlicher in Europa und auf der Welt, denen Frieden und tolerantes Miteinander nicht als eines der kostbarsten Güter gilt!

RED: Letzte und wichtigste Frage: Wie und wo findet das Konzert statt bzw. gibt es Karten zu erwerben?

JHH: Karten wird es auch noch an der Abendkasse geben. Wegen der eingeschränkten Sitzplatzkapazität empfehlen wir aber den Vorverkauf über EasyTicket unter 0711/2 555 555 oder über Musik am 13., um gute Plätze in der Mitte der Kirche zu bekommen.

RED: Ganz herzlichen Dank, lieber Herr Prof Hahn und dann eine wundervolle Aufführung und wir hören von einander!