Schweigen ist Gold

"Reden ist Silber, Schweigen ist Gold" - so heißt´s in einem altbekannten Sprichwort. Normalerweise predigt Pfarrer Eberhard Schwarz in der Hospitalkirche. Zu Ferienauftakt bietet er jetzt ein Schweige- und Meditationsseminar in der einstigen "Klosteranlage" des Hospitalhofs an.

Schweige- und Meditationstage mit Pfarrer Eberhard Schwarz im Hospitalhof

Wie wird der Sommer 2020? Das fragen sich viele. Kann man verreisen und wenn ja, wohin? Und was erwartet einen dann am Urlaubsziel? Träume oder Schäume? Wen es nach Monaten des Lockdowns nicht unbedingt in die Ferne zieht und wer dennoch einen Break braucht, der findet vielleicht seine innere Einkehr bei den Schweige- und Meditationstagen im Hospitalhof. Dort nimmt Pfarrer Eberhard Schwarz seine TeilnehmerINNEN mit auf Gedankenreise. Im Interview hat er uns verraten, wie diese "Tage im Kloster" in Stuttgart aussehen...

RED: Lieber Herr Schwarz, Sie haben quasi zum Auftakt in die Sommerferien Schweige- und Meditationstage in der Hospitalkirche "ausgerufen". Worum geht´s dabei?

ES: Es ist ein Angebot, die Zäsur zwischen den „geschäftigen“ Tagen und den Sommerferien gut zu gestalten, Rückblick zu halten, durchzuatmen, bevor es ans Kofferpacken oder in diesem besonderen Jahr ans vielleicht gar nicht so sehr weite Reisen geht: Zeit für mich, Zeit für meine Themen, Zeit auch fürs Ausmisten und Ablegen; Zeit, um ein paar Dinge zu fokussieren, die in den vergangenen Monaten wichtig waren oder die wichtig sein werden in den Monaten, die vor mir liegen .

RED: Normalerweise fährt man ja zur Schweigewoche ins Kloster. Warum also jetzt in der Hospitalkirche?

ES: Historisch gesehen und von seiner baulichen Anlage her, sind der Hospitalhof und die Hospitalkirche eine alte Klosteranlage. Auch wenn es hier jeden Tag sehr belebt und geschäftig zugeht, ist noch etwas vom „Spirit“ dieser Architektur und von der Grundidee vorhanden. Die Hospitalkirche selber ist ein schöner, hoher, für Meditationen sehr geeignete Raum. Sie ist überhaupt einer der wichtigen Orte in der Stadtmitte, die jeden Tag zur Stille und zur Einkehr einladen. An den beiden Schweigetagen ist in der Regel wenig Betrieb im Hospitalhof, sodass wir Zeit und Raum haben für verschiedene Formen des Meditierens im Gehen, im Sitzen und in anderen Formen – auch im ehemaligen „Klosterkreuzgang“ und im Innenhof.

RED: Sie bieten die Schweige- und Meditationstage zu zweit an. Wie schaffen Sie es, ihre Konversation bzw. die Vermittlung des Inhalts auf ein Minimum an Wörtern zu beschränken?

ES: Thomas Moser und ich bieten diese Schweigetage bereits in guter Tradition an. Beruflich kommt Thomas Moser aus dem Hochschulbereich der Wirtschaftsinformatik, hat aber eine Menge Erfahrung im meditativen Bereich. Er ist ein sehr disziplinierter und umsichtiger Partner in der meditativen Anleitung von Gruppen.

RED: Durch die Corona-Pandemie sind wir ja alle schon ein bisschen leiser und einsamer geworden. Braucht es da noch zwei weitere Tage des Schweigens bzw. was, wenn mich die Stille umtreibt und einfach alles Nicht-Gesagte der vergangenen Monate heraus will?

ES: Unsere Meditationen bereiten wir so gut wie möglich vor. Wir teilen die Zeiten ein, klären die Impulse, die wir geben und haben immer wieder auch die Möglichkeit, uns mit wenigen Worten und Zeichen zu verständigen. Es gibt übrigens während dieser Schweige- und Meditationstage immer wieder auch für die Gruppe die Möglichkeit, Dinge kurz zu klären.
Noch kurz zu den Erfahrungen der Corona-Wochen: Nicht wenige unter uns haben diese Wochen ja nicht nur als Einschränkung sondern positiv auch als eine Zeit der Besinnung erlebt als das Wiederentdecken von Stille und von Momenten, die ich für mich persönlich habe. Ich denke, dass es prinzipiell gut ist, sich solche Zeiten zu gönnen. Im Moment erleben wir ja, wie alles wieder Schritt für Schritt in Richtung „Normalbetrieb“ geht. Etwas Besonderes ist es aber, wenn ich solche Zeiten in einer Gruppe erlebe, in der ich „für mich sein“ kann und in der ein schützender und strukturierender Rahmen da ist, den ich im privaten Bereich nicht immer habe. 

RED: Apropos Corona, wie geht das mit den Abstandsregeln, der Verpflegung usw. während der zwei Tage?

ES: Die hygienischen und Sicherheitsbedingungen, die durch Corona erforderlich geworden sind, beachten wir natürlich genau. Deshalb kann die Gruppe nur eine begrenzte Teilnehmerinnen- und Teilnehmerzahl haben. Keine Frage: Auch für uns ist das alles in manchen Bereichen neu. Aber die Hospitalkirche lässt sich flexibel bestuhlen und räumlich gut organisieren. Es dürfte kein Problem sein. Die Verpflegung bitten wir die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selber mitzubringen. Für Kaffee und Tee und Wasser ist gesorgt.

RED: Für wen sind die Schweige- und Meditationstage also etwas und wo kann man sich anmelden?

ES: Es gibt für diese Schweige- und Meditationstage keine besondere Zielgruppe. Anmelden kann sich jede und jeder. Allerdings haben wir schon relativ viele Anmeldungen. Wer noch mitmachen möchte, müsste sich zeitnah unter 0711 2068-317 oder per Mail melden. Das Seminar kostet übrigens 35 Euro.

RED: Lieber Herr Schwarz, ganz herzlichen Dank und pssst, dann sind wir jetzt einfach mal ganz still...