Die Schulglocke läutet letztmalig für Sonja Spohn

Das Schuljahr neigt sich dem Ende zu, denn ab dem 29. Juli beginnen in Baden-Württemberg die Schulferien. Während LehrerINNEN allerorts noch mit den Zeugnissen beschäftigt sind, freuen sich die SchülerINNEN jetzt schon auf den langen Sommer. Bei Schulleiterin Sonja Spohn am EVANGELISCHEN MÖRIKE liegt allerdings ein bisschen Wehmut in der Luft, denn sie räumt ihren Schreibtisch im Rektorat gerade leer...

MÖRIKE-Schulleiterin Sonja Spohn geht in den Ruhestand

Rote Stifte zur Korrektur von Deutschaufsätzen haben ausgedient, der Duden kann auch verstaut werden und die Stapel an Unterrichtsmaterialien werden nicht mehr gebraucht, denn Sonja Spohn geht zu Schuljahresende in den Ruhestand. Doch bevor die Schulglocke ein letztes Mal für sie klingelt, hat sie sich noch Zeit für ein Interview mit unserer Redaktion genommen.

RED: Liebe Frau Spohn, wann läutet zum letzten Mal die Schulglocke für Sie?

SSP: Der letzte Schultag in diesem Schuljahr – Freitag, 26. Juli 2019 – wird auch mein letzter sein. Die offizielle Verabschiedung findet am Samstag, 20. Juli 2019 ab 10 Uhr im Festsaal unserer Schule statt. Der Gottesdienst zum Schuljahresende am 26. Juli 2019 wird dann für mich auch das Abschiednehmen von unseren Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium bedeuten.

RED: Blicken wir doch mal gemeinsam auf Ihre Schullaufbahn als Lehrerin. Erzählen Sie mal, wie es dazu kam.

SSP: Nach dem Abitur haben mich sowohl der Journalismus als auch die Hotelbranche gereizt. Warum ich mich letztendlich für das Lehramt entschieden habe – Deutsch, Geschichte, Gemeinschaftskunde – kann ich gar nicht mehr sagen. Ich habe aber diese Entscheidung keine Sekunde bereut. Nach dem Referendariat in Esslingen und Göppingen habe ich ein Angebot in Kapstadt/Südafrika nicht angenommen, sondern mich über die Chance gefreut, am Evangelischen Heidehof-Gymnasium eine Stelle zu erhalten. Dort habe ich 17 Jahre lang unterrichtet und war immer gern Klassenlehrerin, bevor ich dann mit Beginn des Schuljahres 1998 / 1999 Schulleiterin am Evangelischen Mörike-Gymnasium wurde.

RED: An welche lustigen oder auch zutiefst bewegenden Schulgeschichten erinnern Sie sich noch in Ihren Jahren am MÖRIKE?

SSP: Als lustiges und auch interessantes Ereignis würde ich bezeichnen, dass vor ein paar Jahren ein Aufkleber im Schulhaus „auftauchte“ mit einem Foto von mir, auf dem ich freundlich dreinblickte und der Aussage „Spohn is watching you“! Ich weiß bis heute nicht, wer hinter dieser Aktion „steckte“, fand dann aber sehr nett, als Schülerinnen/Schüler der Klassen 5 zu mir kamen und eine Bestellung für diese Aufkleber aufgeben wollten!
Zu den bewegenden und auch unvergesslichen Erlebnissen gehören sicherlich die Gespräche, die mit den Höhen und Tiefen des Lebens verbunden sind. Große Freude, wenn Schülerinnen und Schüler ein „tiefes Tal“ bewältigt und ihren Weg gefunden haben. Bestimmte Andachten und Gottesdienste – insbesondere, wenn es um Todesfälle von Schülerinnen/Schülern und Kolleginnen/Kollegen ging, werden immer in meiner Erinnerung bleiben und ihren Stellenwert haben.

RED: Als Lehrerin hat man schon eine große Verantwortung für die jungen Menschen, die einem zur Bildung und Erziehung anvertraut werden. Also Schulleiterin ist das „Veranwortungspäckchen“ noch ein bisschen schwerer. Wie sind Sie da immer an Ihre Arbeit herangegangen?

SSP: Ja, das stimmt – die Verantwortung ist eine große! „Alles wirkliche Leben ist Begegnung“ – diese Aussage von Martin Buber – und die Aussage von Paul Claudel  „Nichts kann einen Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegen bringt“, sind ganz zentrale Lebensweisheiten für mich. Und ich fühle mich von einem Gottvertrauen getragen. Ich war und bin überzeugt davon, dass Hoffnung und Zuversicht zu haben, immer berechtigt ist und sich – weitestgehend – für alles Lösungen und Wege finden lassen.
Ich kann mir keine sinnvollere und schönere Aufgabe vorstellen, wenn diese auch gleichwohl – und nahezu ohne Unterlass – mit großen An- und Herausforderungen verbunden ist. Ich schaue mit Demut und großer Dankbarkeit auf meine Zeit als Lehrerin und Schulleiterin zurück. Junge Menschen in einer wichtigen Lebensphase zu begleiten, sie zu unterstützen, ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden, ihnen Kompetenzen zu vermitteln und eine Werteorientierung mitzugeben, sie zu stärken, ihren Weg zu gehen – das hat mir immer das Gefühl gegeben, „mitten im Leben“ zu sein.
Und eine Schulleiterin ist ja glücklicherweise nicht auf sich allein gestellt. Ohne das Vertrauen und die Unterstützung des Teams der erweiterten Schulleitung und des Kollegiums sowie der Elternschaft, ist eine solche Aufgabe nicht zu stemmen. Über all die Jahre war eine konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit gegeben. Und ich konnte mir auch immer der vertrauensvollen Unterstützung der Verantwortlichen der Evangelischen Schulstiftung, unseres Trägers, sicher sein.

RED: Mörike-Gymnasium, Mörike-Realschule, Mörike-Aufbaugymnasium und was kommt als nächstes?

SSP: DAS EVANGELISCHE MÖRIKE ist gut in der Gegenwart und für die Zukunft aufgestellt. Bei der gegebenen „breiten Palette“ – Gymnasium mit Aufbaugymnasium und Realschule – gibt es bereits Vernetzungen und Synergieeffekte, vielleicht ist noch eine Verstärkung möglich. Anliegen ist mir, dass auch in der Zukunft diese Schulformen „unter einem Dach“ gelebt werden. Zukünftige Herausforderung wird sicherlich weiterhin und verstärkt die Thematik „Digitalisierung“ sein. Ich bin mir aber sicher, dass es am MÖRIKE gelingen wird, eine entsprechende technische Ausstattung voranzubringen und gleichzeitig dem pädagogischen Konzept den Vorrang einzuräumen – der Erkenntnis Rechnung tragend: „Alles wirkliche Leben ist analog!“ 

RED: Und was kommt bei Sonja Spohn, Schulleiterin im Ruhestand, als nächstes?

SSP: Zunächst habe ich den Wunsch, eine gewisse Zeit frei von allen Terminen und Verpflichtungen zu verbringen und mehr Zeit für die anderen wichtigen Dinge des Lebens zu haben! Ich freue mich darauf, verstärkt kulturelle Veranstaltungen, Vorträge und Kunstausstellungen besuchen und außerhalb von Ferienzeiten reisen zu können. Ich bin ja weiterhin noch Vorsitzende des Evangelischen Schulbundes in Südwestdeutschland. Auch wenn ich diese ehrenamtliche Aufgabe noch sehr gerne wahrnehme, streben wir in absehbarer Zeit einen Generationenwechsel im Verwaltungsrat des Schulbundes an. Auch mein politisches Ehrenamt werde ich nun entspannter und noch etwas intensiver wahrnehmen können. Und dann einfach "mal sehen, was kommt, mich überraschen lassen..." Dem Vergangenen: DANKE, dem Kommenden: JA! (Dag Hammerskjöld).

RED: Vielen lieben Dank für das Interview und Ihre geleistete wertvolle Arbeit der vergangenen Jahre, auf dass Ihre Wünsche wahr werden!