Stabwechsel bei den Turmbläsern

Was klingt denn da so schön? Immer dienstags und donnerstags um Viertel vor 9 liegt ein besonderer Sound über dem Stuttgarter Marktplatz. Dann spielen nämlich die TurmbläserINNEN von der Stiftskirche auf. Nun ist jedoch der Leiter des Quartetts, Helmut Dusch, verstorben.

V.l.n.r.: Ferdinand Frey, Julia Fischer, Siegfried Steiger und Frédéric Rabold, als sie noch vor Corona-Zeiten zusammen spielen konnten.

Siegfried Steiger leitet ab sofort das Stiftskirchen-TurmbläserINNEN-Quartett

Er war der Dienstälteste des ehrenamtlichen Quartetts und über 40 Jahre, ob Sommer oder Winter, beim Turmblasen an den Markttagen mit dabei. Das ist übrigens eine der ältesten Traditionen Stuttgarts, wenn nicht sogar die älteste. Wie oft Helmut Dusch die 232 Stufen zwei Mal wöchentlich auf den Westturm Stiftskirche hinaufgeklettert ist und gemeinsam mit den anderen BläserINNEN das „Gotteslob über Stuttgart“ erklingen ließ, lässt sich gar nicht mehr nachzählen.

Der Tod von Helmut Dusch war ein weiterer Schlag für das Quartett, nachdem zuvor schon das Coronavirus den TurmbläserINNEN eine Zwangspause verordnete. Ein gemeinsames Spielen vom Turm war wegen der einzuhaltenden Abstandsregeln nicht mehr möglich gewesen. Alternativ hätten die Ehrenamtlichen nur von allen vier Ecken des Turmes blasen können, aber das wäre über der Skyline der Stadt sang- und klanglos verklungen und gar nicht nach unten auf den Marktplatz zu den Ständen und Passanten durchgedrungen.

Also haben die MusikerINNEN die Zwangspause genutzt, „@Home“ weitergeübt und sich nun auch neuformiert. Künftiger Leiter des Trompeten-Posaunen-Quartetts mit wechselnder Besetzung ist Siegfried Steiger. „Wieder anfangen erscheint zunächst leicht, aber dabei zu bleiben und zu beharren, auch unter veränderten Bedingungen, ist die Kunst. Dies kann nur gemeinsam und mit allseitiger Unterstützung gelingen. So hoffen wir und ich selbst, dass die Turmbläserei noch lange fortgeführt werden kann und erhalten bleibt", so Steiger.

Und es gibt tatsächlich richtige Fans der TurmbläserINNEN, die ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt extra so legen, dass sie das Aufspielen vom Stiftskirchenturm nicht verpassen. „Viele kommen sogar aus den Stuttgarter Filder-Vororten in die Stadt hinunter, um uns spielen zu hören“, ergänzt der neue Leiter. Beschwert über die Musik habe sich noch nie jemand, ganz im Gegenteil. Für viele MarktbesucherINNEN oder -händlerINNEN gehört der morgendliche musikalische Gruß vom Stiftskirchenturm einfach dazu, einfach als guter alter Brauch.

Abgesehen von der Corona-Zwangspause ist die Zukunft der TurmbläserINNEN ungewiss, denn die Finanzierung dieses Ehrenamts ist nur noch bis Ende 2020 gesichert. "Wir wollen natürlich als Evangelische Kirche in Stuttgart diese Tradition aufrechterhalten. Das Turmblasen gehört zum Herzschlag unserer Stadt genauso wie die "Graffitis" ganz oben an der Außenfassade des Turms, die schon von dieser uralten Tradition zeugen", so Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler und verweist dabei auf das Online-Spenden-Projekt, das extra für das Turmblasen ins Leben gerufen wurde. Dafür wünscht sich der Pfarrer, der selbst mal im Posaunenchor gespielt hat, ebensolche begeisterten SpenderINNEN, denen dieses Projekt genauso am Herzen liegt wie ihm selbst. „Ob Bach-Choral oder Wochenlied, die TurmbläserINNEN der Stiftskirche gehören zur Landeshauptstadt genauso wie dr VfB, dr Daimler ond a Buddrbräzel“, so Vosseler weiter.

Die Planungen zur Fortführung des zweimaligen wöchentlichen Turmblasens sind im Gange und die BlechbläserINNEN hoffen, nach den Sommerferien wieder durchstarten zu können, sofern Corona dies zulässt. „Es wäre sehr, sehr schade, wenn die über 400-jährige Tradition des Turmblasens von der Stiftskirche noch länger unterbrochen oder aus finanziellen Gründen ein Ende finden würde", pflichtet Siegfried Steiger dem Stiftskirchenpfarrer bei und hofft auf zahlreiche begeisterte SpenderINNEN. Und, das sei schon mal verraten: Im Zuge der Spendenaktion wird es möglicherweise auch den einen oder anderen Auftritt der TurmbläserINNEN geben, so wie im letzten Jahr zur Eröffnung des Weindorfs, um Geld für den Erhalt dieser Tradition zu sammeln.

 

 

 

 

 

Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler sammelt Spenden, damit die TurmbläserINNEN eine der ältesten Traditionen Stuttgarts bleiben.

Und es gibt tatsächlich richtige Fans der TurmbläserINNEN, die ihren Einkauf auf dem Wochenmarkt extra so legen, dass sie das Aufspielen vom Stiftskirchenturm aus nicht verpassen. „Die kommen sogar aus den Stuttgarter Filder-Vororten in die Stadt hinunter, um uns spielen zu hören“, ergänzt Steiger. Beschwert über die Musik habe sich noch nie jemand, ganz im Gegenteil.

Abgesehen von der Corona-Zwangspause ist die Zukunft der TurmbläserINNEN ungewiss, denn die Finanzierung dieses Ehrenamts ist nur noch bis 2020 gesichert. "Wir wollen natürlich als Evangelische Kirche in Stuttgart diese Tradition aufrechterhalten. Das Turmblasen gehört zum Herzschlag unserer Stadt genauso wie die "Graffitis" ganz oben an der Außenfassade des Turms, die schon von dieser uralten Tradition zeugen", so Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler und verweist dabei auf das Online-Spenden-Projekt, das extra für das Turmblasen ins Leben gerufen wurde. Dafür wünscht sich der Pfarrer, der selbst mal im Posaunenchor gespielt hat, ebensolche begeisterten SpenderINNEN, denen dieses Projekt genauso am Herzen liegt wie ihm selbst. „Ob Bach Choral oder Wochenlied, die TurmbläserINNEN der Stiftskirche gehören zur Landeshauptstadt genauso wie dr VfB, dr Daimler ond a Buddrbräzel“, so Vosseler weiter.

Und Corona zum Trotze soll es nun endlich auch nach den Sommerferien mit der guten alten Tradition weitergehen. Dazu planen die BlechbläserINNEN ihren Turm zu verlassen und hinabzusteigen. Bei diesem spontanen „Flash Mob“ am TAG, DATUM und UHRZEIT soll dann vor Ort auf dem Marktplatz auf die über 400-jährige Tradition des Turmblasens von der Stiftskirche hingewiesen und Spenden dafür gesammelt werden. Und für manch eine/n MarktbesucherIN oder -händlerIN ist es bestimmt auch mal interessant einen Blick auf die MusikerINNEN zu erhaschen, die man sonst immer nur von hoch oben über der Stadt zu hören bekommt.