Stadtkante macht mobil

Erst ein Wine Tasting mit Sommelier Lukas Gansky im ESSENZIALE, jetzt Eislaufen in Degerloch - bei der _STADTKANTE_ WIR.TREFFEN.STUTTGART geht was. „Wir sind gekommen, um zu bleiben und zeigen Kante“, so die 6 MacherINNEN der _STADTKANTE_.

Hinter dem WIR stecken Stefanie Heimann, Nicolai Opifanti, Sarah Schindler und Johannes Seule - vier junge PfarrerINNEN - sowie Katharina Schmutz (B27 - Arbeit mit jungen Erwachsenen im Hospitalhof) und René Böckle (Referent für Jugendkultur der Evangelischen Jugend in Stuttgart).
Das Format _STADTKANTE_ ist eine neue Idee für Kirche in der Gesellschaft und passt wunderbar zum Slogan In der Stadt. Mit der Stadt. Für die Stadt. Evangelische Kirche in Stuttgart. Was das genau bedeutet, hat uns die neue "Stuttgarter Gang" im Interview erzählt.

RED: Frau Schindler, was hat es denn mit dem neuen Projekt und dem Begriff _STADTKANTE_ auf sich?

SSCH: Die Grundidee war, ein Angebot für unsere eigene Generation zu schaffen, das nicht in noch einem weiteren Gottesdienstformat besteht. Die Begegnungen mit interessanten Menschen und Orten unserer Stadt soll im Zentrum stehen. Wir wollen Ecken und Kanten in Stuttgart entdecken und gleichzeitig selbst Kante zeigen, so entstand die Idee zum Namen _STADTKANTE_. Wir lieben Stuttgart und uns ist wichtig, dass wir uns öffnen für die Themen, die die Menschen und Orte mit sich bringen. Wir wollen als “Kirche” erkennbar sein, aber eben eher über unsere Themen und Personen und die Beziehungen, die dadurch entstehen.

RED: Herr Opifanti, wie ist denn überhaupt die Idee zu diesem Projekt gereift?

NO: Sarah, Steffi, Johannes und ich haben uns bei einem ziemlich rotweinlastigen Abend überlegt, dass es in Stuttgart noch kein Angebot gibt, bei dem wir sagen würden, das spricht uns mit unseren Interessen so richtig an. Klar gibt es tolle kirchliche Angebote für junge Erwachsene und tolle Kneipen und Events für unser Alter, aber es gibt noch nichts, das das Beste aus beiden Welten vereint und spannende Locations mit guter Gemeinschaft und der Möglichkeit, interessante Menschen kennenzulernen, verbindet. Mit dieser Grundidee im Nacken sind wir dann auf René und Katharina zugegangen...

RED: Und schwups, war die Evangelische Jugend Stuttgart im Boot. Erzähl mal René, was das mit der EJUS und dir zu tun hat….

RB: Die EJUS oder auch Evangelische Jugend Stuttgart ist das evangelische Jugendwerk für die Stadt Stuttgart und gestaltet dort Angebote für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Ich arbeite seit einem Jahr auf der Projektstelle des Referats für Jugendkultur, in der es um innovative Jugendarbeit und (evangelische) Formate für die Menschen dieser Stadt geht - und was passt da besser als die _STADTKANTE_?!
Ich glaube, um uns langfristig als evangelische Kirche in der Stadt, aber auch ganz generell wieder stärker ins Gesellschaftsbild zu rücken, müssen wir nicht nur für  Kinder und Jugendliche Angebote bieten, sondern auch denen, die in naher Zukunft Kinder bekommen werden. Es braucht eine Wolhfühlatmosphäre im Blick auf Kirche und deren Angebote und ich glaube, wir können das in der spannenden Kombination der Personen der _STADTKANTEn_-Crew ganz kreativ bieten. Um das aber eben nicht nur im luftleeren Raum zu tun, finde ich unsere jeweiligen Backups, also die Anknüpfung an unsere jeweiligen Organisationen und Arbeitsbereiche, wichtig. Bei mir ist das eben die EJUS.

RED: Katharina, du machst ja schon länger Angebote für junge Erwachsene mit dem B27-Projekt. Was hast du da bislang für Erfahrungen gemacht und was wirfst du mit in den Stadtkanten-Ring?

KSCH: Mit Angeboten für junge Erwachsene habe ich in meiner Arbeit im Hospitalhof im Januar 2018 begonnen. Zu Beginn habe ich mich sehr intensiv mit der Lebenswelt von jungen Erwachsenen auseinander gesetzt. Ich habe viel darüber gelesen, wer junge Erwachsene sind, was sie auszeichnet und vor welchen Herausforderungen sie in Bezug auf ihre Lebensgestaltung stehen. Das hat mir viel Freude gemacht, weil ich mich da selbst sehr oft in den Beschreibungen wiedergefunden habe. Ich finde die Gruppe der jungen Erwachsenen sehr spannend, weil in dieser Lebensphase sehr viele grundlegende Entscheidungen getroffen werden. Man ist nicht mehr Kind, aber auch nicht “richtig” erwachsen, ist im Studium oder in der ersten Arbeitsstelle, wohnt nicht mehr zu Hause…..
Bei der Veranstaltungsplanung von B27 habe ich die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist, nah an der Lebenswirklichkeit der jungen Menschen zu planen und die Veranstaltungen so zu gestalten, dass sie in den Alltag von jungen Erwachsenen passen und die Fragen und Bedürfnisse, die junge Menschen in dieser Lebensphase haben, beantwortet werden.
Konkret heißt das, dass zum einen auf die Auswahl der Themen geachtet werden muss, aber auch auf den Wochentag, den Veranstaltungsort und die Art der Werbung.
Diese Erkenntnisse sind uns als “Stadtkante” auch wichtig, denn wir wollen die Events so gestalten, dass wir durch das Format, den Menschen und Orten, die wir kennenlernen, das Interesse der jungen Menschen wecken und das Format der _STADTKANTE_ eben genau in ihren Alltag passt.

RED: Frau Heimann, das sieht ja ein bisschen wie eine neue coole Gang aus. Woher kennen Sie sich eigentlich alle?

SH: Ich finde auch, dass die Bilder ein ganz nettes Cover für das Album einer Band abgegeben würden, die schon seit dem Sandkasten zusammen ist ;-). In Wirklichkeit sind wir selber noch dabei, uns als Gruppe besser kennenzulernen. Mit Sarah, Johannes und Nicolai hab ich seit dem Theologiestudium und unserer Ausbildung zum Pfarramt, dem Vikariat, schon einiges unternommen. Da ist schon Freundschaft gewachsen. René und Katharina habe ich erst ganz neu über die Idee für die _STADTKANTE_ getroffen – da war gleich Sympathie da. Insgesamt verbindet uns unser gemeinsames Ziel! Für die _STADTKANTE_ ist es sicher ein Vorteil, dass wir keine geschlossene Gruppe sind, sondern sich alles erst entwickelt. So können Leute zur _STADTKANTE_ dazustoßen, ohne sich wie das fünfte Rad am Wagen vorzukommen. Denn das ist ja unsere Idee: offen zu sein für verschiedenste Menschen, die Lust auf Stuttgart haben. So können sich dann über die Aktionen der _STADTKANTE_ eine eigene Gruppendynamik und sicher auch neue Freundschaften entwickeln.

RED: Herr Seule, jetzt lassen Sie uns nicht länger zappeln: Was sind denn die nächsten beiden Events und für wen ist das genau was?

JS: Am 16. Februar wagt sich die _STADTKANTE_ aufs Eis - dann treffen wir uns nämlich um 18 Uhr in Degerloch zum Schlittschuhlaufen. Für mich ist das tatsächlich ein Wagnis, ich glaube, bei mir ist das letzte Mal bestimmt 12 Jahre her. Die eine oder andere harte Landung ist da, glaube ich, nicht ausgeschlossen... Das heißt aber auch: Es ist was für alle, die sich wie wir fragen, warum eigentlich nicht mal wieder Eislaufen gehen? Ganz egal, wie es um die eigenen Fähigkeiten bestellt ist!
Im März, genauergesagt am 29. März um 19 Uhr, wird es dann künstlerisch. Bei “Speaker, Slams & mehr!” im Café44 freuen wir uns auf acht internationale SpeakerINNEN mit Spoken Word, Musik und anderen kreativen Beiträgen zum Thema Heimweh/Fernweh. Ehrlich gesagt freue ich mich darauf schon ganz besonders, weil ich Poetry-Slams einfach liebe. Außerdem bin ich nach einem Jahr in Stuttgart gefühlt immer noch am Ankommen und finde mich da in dem Thema irgendwie wieder.
Alle weiteren Infos und eventuelle spontane Aktionen gibt es auf unserer Facebook-Seite oder auf Instagram.

RED: Wow, das klingt wirklich nach mega Spaß mit super netten Leuten! Dann mal "Hals- und Beinbruch" - aber bitte nicht wörtlich nehmen - für die nächsten Pirouetten auf dem Eis!