Starkes Blech gibt Vollgas

Sobald die Sommerferien zu Ende gehen, geht es wieder an die "Familienplanung", also an die Fragen, wer wie lange Schule hat und wann zum Sport oder zur Musikstunde geht. Das betrifft auch die Kinder und Jugendlichen, die bei den evangelischen Posaunenchören mitspielen.

6 Fragen an Bläserreferent Christof Schmidt...

Bläserreferent Christof Schmidt gibt ordentlich "Gas"

Doch nicht nur der Unterricht, sondern auch die Konzerte finden im Jahreskalender Platz und so ist vor der Sommerpause nach der Sommerpause. Jetzt liegt das druckfrische Jahresprogramm auf - gute Gelegenheit also, um mal mit Christof Schmidt, Bläserreferenten der Evangelischen Jugend Stuttgart, dieses durchzublättern und ganz nebenbei noch ein bisschen mehr über das Starke Blech und all die Events drumrum zu erfahren.

RED: „Starkes Blech“, da reden wir jetzt ausnahmsweise mal nicht von einem Mercedes oder einem Porsche, sondern von wem oder was?

CS: Wir reden von den starken, aber emissionsfreien Trompeten, Posaunen, Hörnern und Tuben unserer Stuttgarter Posaunenchöre! „Starkes Blech“ steht dabei zum einen als Motto über allen Aktivitäten des Bläserreferats der EJUS. Das Bläserreferat betreut die 31 Posaunenchöre und damit ca. 800 BlechbläserINNEN im Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart. Konkret heißt das Beratung, Fortbildungen, Konzertevents, Benefizkonzerte, Schulkooperationen, Nachwuchsförderung in Form des Jugendposaunenchors Stuttgart und vieles mehr.
Zum anderen ist das legendäre Serenadenkonzert „Starkes Blech im Alten Schloss“ (Anmerkung der RED: Erst am 25./26. Juni 2021 wieder) alle zwei Jahre unser größtes und wichtigstes Aushängeschild. 300 BläserINNEN spielen da an zwei Abenden von den Arkaden des Schlossinnenhofs. Das Publikum steht und sitzt unten im Schlosshof - dieses Jahr hatten wir an zwei Abenden weit über 1000 BesucherINNEN - und alle zusammen haben wir dann zwei Stunden lang Gänsehaut!

RED: Aber ihr gebt auch sonst unterm Jahr ganz ordentlich "Gas" oder?

CS: Oh ja! Im nächsten Jahr steht vor allem mit dem Landesposaunentag (27./28. Juni 2020) in Ulm wieder ein ganz großes Event an – bei Licht betrachtet sogar eines der größten Bläserevents weltweit! Wir sind mit dem Jugendposaunenchor Stuttgart zwei Tage lang prominent dabei und dürfen unter anderem die Eröffnungsfeier am Samstag mitgestalten.Außerdem veranstalten wir im Bürgerhaus Möhringen erneut ein großes Benefizkonzert (30. Mai 2020) zugunsten unserer Nachwuchsarbeit mit dem Landespolizeiorchester Baden-Württemberg (LPO), quasi das Staatsorchester der Landesregierung.Als Solisten präsentiert das LPO dabei Elisabeth Fessler (Harmonic Brass) und Cristian Ganicenco (Cincinatti Symphony Orchestra), die tagsüber zudem einen Workshop für uns geben. Die TeilnehmerINNEN dieses Workshop spielen abends im Konzert dann bei 2-3 Stücken zusammen mit dem LPO. Das verspricht ganz großes Kino zu werden!Als erste Aktion der kommenden Saison steht im September erst einmal ein ganz besonderes kulturelles Kleinod an: Das teatro piccolo der EJUS kooperiert im Hospitalhof an drei Abenden mit dem Blechbläserensemble Hohenlohe Brass. „Unterm Regenbogen – Ein musikalisch-theatralischer Abend“ (20./21./22. September 2019) wird das Ganze heißen. Es geht mit Geschichten, Szenen und Musik um das Alte Testament, ums Leben, den Tod und die Liebe. Die ersten Aufführungen sind bereits ausverkauft!

RED: Was steht denn 2019/2020 noch so alles bei euch an regulären Terminen im Kalender?

CS: Natürlich stehen wieder unsere „üblichen Verdächtigen“ an. Bei der achten Auflage des Workshops „Brass auf der Gänsheide“ (28. September 2019) werden wir mit Werner Petersen, Landesposaunenwart der Nordkirche, zu Gast haben, der mit uns seine tollen Rock-, Pop- und Swing-Arrangements erarbeiten wird. Abends gibt’s das traditionelle, öffentliche Abschlusskonzert in der Christuskirche.
Im Oktober umrahmen wir mit unserem Auswahlensemble „EJUS Brass“ den Reformationsempfang des Evangelischen Kirchenkreis. Dabei wird heuer Opernliteratur im Fokus stehen, da Viktor Schoner (Intendant der Stuttgarter Staatsoper) Gast des Abends sein wird.
An Heiligabend um 22 Uhr wird wie immer eine große Bläsergruppe die Internationale Christfeier im Hauptbahnhof begleiten. Nach dem großen Erfolg von „Kuhlo mit Kuhlo“ in diesem Jahr, haben wir aus „XY mit Kuhlo“ nun eine feste, jährlich stattfindende Reihe gemacht und beginnen dabei im kommenden Februar mit „Bach mit Kuhlo“ (15. Februar 2020). Unter der Leitung von Alexander Kuhlo, Dekanatskantor in Zuffenhausen und Urenkel des Gründervaters der Posaunenchorbewegung, wird es einen Tag lang nur um Johann Sebastian Bach gehen. Abends gibt’s als Abschluss einen musikalischen Gottesdienst.
Im April kooperieren wir dann zum zweiten Mal mit unserer Landesarbeit beim ejw und richten den Workshop „Posaune PUR“ (4. April 2020) auf der Gänsheide aus. Hauptdozent wird Prof. Henning Wiegräbe von der Stuttgarter Musikhochschule sein, der zudem am Vorabend noch ein Benefizkonzert mit seinem „Stuttgarter Posaunen Consort“ in der Christuskirche geben wird. Es ist also viel los bei uns in der nächsten Saison!

RED: In der Tat, das kann man sagen und Übung macht bekanntlich ja auch den Meister...

CS: Richtig, die meisten großen Veranstaltungen des Bläserreferat sind als Workshops oder Fortbildungen konzipiert (tagsüber Workshop, abends öffentliches Konzert), die in der Regel offen sind für alle BläserINNEN im Kirchenkreis. Durch die diversen Kooperationen mit unserer Landesarbeit beim ejw haben wir mittlerweile jedoch auch viele TeilnehmerINNEN aus dem Großraum Stuttgart und der ganzen Landeskirche, die uns natürlich immer herzlich willkommen sind!

RED: Wenn ich jetzt Lust bekommen habe, bei euch mitzumachen, wie und wo geht das?

CS: Zu den Workshops vom Starken Blech können sich interessierte BläserINNEN formlos, aber verbindlich per E-Mail anmelden („Ich möchte bei Projekt XY mitspielen!“) und werden dann über alles weitere informiert. Wer ein Blechblasinstrument neu lernen möchte, hat dazu bei uns ebenfalls alle Möglichkeiten! Gerne berate ich persönlich, wer die/der geeignete/n AnsprechpartnerIN im jeweiligen Dekanat oder Stadtteil ist.
Man kann übrigens auch im fortgeschrittenen Alter noch anfangen. Ich habe in meinem Posaunenchor einige Menschen, die erst mit Eintritt ins Rentenalter ihre ersten Töne geblasen haben! Das ist im Übrigen auch eine schöne Besonderheit unserer Posaunenchöre: Wie kaum eine andere Gemeindegruppe leisten wir generationenübergreifende Gemeindearbeit. Von 8-88 können wirklich alle mitmachen – und das noch dazu gemeinsam!

RED: Und zum Schluss räumen wir mal mit dem Vorurteil auf, dass „Blasmusik“ total „out“ ist. Was geht da so spieltechnisch für SpielerINNEN als auch ZuhörerINNEN?

CS: Zuerst mal ist Blas- oder besser BRASSmusik gerade total in! Und unsere Literatur hat sich in den letzten 20 Jahren enorm erweitert. So war es beim Starken Blech im Alten Schloss in den letzten Jahren völlig selbstverständlich, dass wir den Schlosshof mit „Wind of change“ von den Scorpions oder Leonhard Cohens „Hallelujah“ gerockt haben. Mit meinem Posaunenchor der Christuskirche auf der Gänsheide habe ich vor einigen Jahren sogar einen ganzen Leonhard-Cohen-Abend („Beautiful Losers“) mit einer Sängerin des Staatstheaters im Schauspiel Nord auf die Bühne gebracht! Choräle und alte Meister spielen wir trotzdem noch sehr gerne, aber mittlerweile kann man wirklich sagen, dass für jeden musikalischen Geschmack etwas dabei ist!

RED: Vielen lieben Dank, Christof und dann viel Spaß und gebt ordentlich BLECH!