Stiftsmusikfest mit Doppeljubiläum

25 Jahre Stuttgarter Kantorei und 25 Jahre Stiftskantor Kay Johannsen macht ein Stiftsmusikfest vom 28.-30. Juni 2019. Und gefeiert werden darf bei 58 Veranstaltungen der besonderen Art nicht nur zwischen Stifts- und Schlosskirche, sondern auch an weiteren besonderen Orten: im Landesmuseum Württemberg, im Stuttgarter Fruchtkasten (Haus der Musik) sowie im Kunstmuseum Stuttgart.

6 Fragen an Stiftskantor Kay Johannsen...

Seit 25 Jahren Stiftskantor: Kay Johannsen

Rund um den Schillerplatz wird gefeiert

Welche tollen Veranstaltungen geplant sind, welchen Geheimtipp Stiftskantor Kay Johannsen selbst hat und wo das Café Kay an diesem letzten Juni-Wochenende eröffnet, lesen Sie in unserem Interview. 

RED: Lieber Herr Johannsen, es gibt Grund zum Feiern bei der Stiftsmusik, denn gleich zwei Jubiläum stehen diesen Sommer bei Ihnen an. Erzählen Sie mal…

KJ: Mein Chor, die Stuttgarter Kantorei, kann in diesem Jahr ihren 25. Geburtsag feiern. Das ist zugleich auch ein Jubiläum für mich, denn 1994 habe ich meinen Dienst als Stiftskantor in Stuttgart angetreten. Die Stuttgarter Kantorei hat sich in den 25 Jahren ihres Bestehens vielen Herausforderungen gestellt: Wir haben nicht nur das zentrale Kirchenmusikrepertoire von Bach oder Mendelssohn aufgeführt, sondern auch große Oratorien von Edward Elgar oder Franz Schmidt, daneben auch Werke von Schönberg, Strawinsky, Rihm und sogar Mahlers 2. Symphonie. Daneben singen wir auch viel a cappella und waren damit sogar dreimal Preisträger des Deutschen Chorwettbewerbs. Entsprechend dem Anlass dieses Chorjubiläums liegt der Schwerpunkt des Stiftsmusikfests auch auf der geistlichen Vokalmusik - und die Kantorei ist selbst mit der Bach-Motte "Komm, Jesu, komm" im Eröffnungskonzert und dem Oratorium "Israel in Egypt" im Abschlusskonzert dabei.

RED: Anlässlich dieses doppelten Jubiläums hatten Sie einen Kompositionswettbewerb für Orgel ausgeschrieben. Was hat Sie zu dieser Überlegung gebracht und was ist dann passiert?

KJ: Wir wollen mit dem Stiftsmusikfest auch Impulse für die Zukunft setzen und haben deshalb einen Kompositionswettbewerb ausgeschrieben: Er soll Komponistinnen und Komponisten anregen, das Orgelrepertoire mit interessanten neuen Stücken zu bereichern. Einen Bezug zum Hauptthema des Festes gibt es aber auch: In irgendeiner Form soll sich das Stück auf einen Cantus firmus, also auf eine Melodie eines geistlichen Lieds beziehen. Dass wir dann 44 Einsendungen aus ganz Europa bekommen haben, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen!

RED: Wie bei jedem Wettbewerb schielt man vorab als TeilnehmerIN ja auch immer darauf, was es zu gewinnen gibt. Was ist also der Preis und worauf darf sich das geneigte Publikum freuen?

KJ: Wir hatten ein Preisgeld von 2.000 Euro ausgelobt. Die Jurymitglieder Prof. Daniel Glaus (Zürich/Bern, Jury-Vorsitz), Prof. Jon Laukvik (Stuttgart), Prof. Axel Ruoff (Stuttgart) und Prof. Gunnar Idenstam (Stockholm) haben 44 Einsendungen ausgewertet und einstimmig zwei Preise vergeben:
Der 1. Preis mit einem Preisgeld in Höhe von 1.500 € geht an Samuel Cosandey aus der Schweiz für seine Komposition »… Sommerzeit?«. Den 2. Preis und 500 € erhält Günter Berger aus Niedersachsen für seine »Sinfonische Rhapsodie«. Beide Werke kommen bei unserem Stiftsmusikfest zur Uraufführung: Preisträgerkonzert am Samstag, 29. Juni 2019 um 10 Uhr auf der großen Mühleisenorgel in der Stuttgarter Stiftskirche.
Außerdem hat die Jury drei weitere Werke ausgewählt, die ebenfalls beim Preisträgerkonzert uraufgeführt werden. Das sind: »Figment for Organ« von Jean Francois de Guise aus Sachsen-Anhalt, »Organum supra Te Deum« von Jan Lehtola aus Finnland sowie »Orgelwerk II Prelude – Finale« von Michael Phillips aus Großbritannien. Einstudiert und aufgeführt werden alle Werke von Studierenden aus der Orgelklasse von Prof. Ludger Lohmann an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart. 

RED: Der Kompositionswettbewerb ist nur ein Teil der musikalischen Geburtstagsfeierlichkeiten. Blättern wir doch mal gemeinsam durch das prallgefüllte Programmheft zum Stiftsmusikfest. Was haben Sie noch alles für dieses Festwochenende geplant?

KJ: Haben Sie Zeit? Wir haben über 50 Programmpunkte an zweieinhalb Tagen! Da sind die drei Hauptkonkonzerte am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend. Es gibt kleinere Formate in der Schlosskirche und im Haus der Musik, experimentelle Performances im Landesmuseum und im Kunstmuseum, drei Gottesdienste mit besonderer Musik, Beteiligungsformen wie beim Projekt "150 Psalmen rund um die Stiftskirche", dazu Unterhaltendes durch Fanfaren, Glockenspiel und Glockenkonzert.
Außerdem geben wir am Freitag den Startschuss für das Projekt "Königin-Katharina-Orgel" in der Schlosskirche, das uns die nächsten 5 Jahre beschäftigen wird.
Am besten, man verbringt einfach viel Zeit bei unserem Fest rund um den Schillerplatz, genießt erstklasssige Solisten und Ensembles mit spannenden Programmen und entspannt zwischendurch im Open-Air-Café Kay, direkt neben der Stiftskirche, das extra für dieses Festwochenende von unseren Nachbarn aus der Markthalle (Restaurant Empore) dort "eröffnet" wird.

RED: Wow, klingt definitiv nach mehr... Verraten Sie mir auch Ihren ganz persönlicher Geheimtipp, auf den Sie sich besonders freuen?
 
KJ: Das sind die Konzerte, die mir schon lange als Idee im Kopf herumschwirren und bei denen nur 12 Leute zuhören dürfen: "Wie vor 1000 Jahren" heißen sie und finden in dem historischen Raum direkt beim Grabmal des Reformators Brenz und vor der Grablege des Hauses Württemberg statt. 15 min Musik mit Gesang und Organetto - das ist was ganz Exklusives.

RED: Da heißt es wohl schnell sein beim Kartenvorverkauf... Apropos, wo bekommt man die Eintrittskarten für die einzelnen Veranstaltungen her und vor allem ab wann?

KJ: Der Kartenvorverkauf startet ab sofort - wie immer bei unseren Vorverkaufsstellen StuttgartKonzert und am Infostand in der Stiftskirche. Wir haben auch besondere Angebote für Menschen, die öfters kommen wollen: den Tutti-Pass, mit dem man bis zu 8 Veranstaltungen besuchen kann und auf ein Getränk im Café Kay eingeladen ist und eine Art Wahlabonnement, bei dem es Rabatte gibt, wenn man möglichst viele Karten kauft.

RED: Vielen lieben Dank, Herr Johannsen - ach, wäre doch schon bald Juni. Aktuelle Infos gibt es auch direkt bei der Stiftsmusik Stuttgart.