Trauerwege 2020

Hinter dem Projekt "Trauerwege 2020", einer Kooperation der Bürgerstiftung Stuttgart und des Palliativ Netzes Stuttgart, verbergen sich Spaziergänge für all diejenigen, die sich in diesem Jahr von einem lieben Menschen verabschieden mussten.

3 x 2 Fragen an Vikarin Vanessa Bayha und Vikar Stefan Mack...

Vikar Stefan Mack und Vikarin Vanessa Bayha begleiten Sie auf Ihrem Trauerweg.

Vikarin Vanessa Bayha aus der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Münster und Vikar Stefan Mack von der Evangelischen Kirchengemeinde Hedelfingen-Rohracker-Frauenkopf sind nur zwei der recht unterschiedlichen AnbieterINNEN der "Trauerwege 2020": Ob philosophische Gedanken, mit Gitarre, ob islamische oder christliche Theologie - in der Natur und in Gemeinschaft darf nun im Trauermonat November getrauert werden, denn auf Grund der Corona-Bestimmungen war diese den Trauernden in den vergangenen Monaten nicht immer so möglich. Bevor Sie sich auf den Weg machen, haben wir bei den beiden Vikaren nachgefragt, wohin es geht und wie sie unterwegs sind.

RED: Frau Bayha, die Bürgerstiftung Stuttgart in Kooperation mit dem Palliativ Netz Stuttgart bieten im November eine neue „Outdoor-Reihe“ an: "Trauerwege 2020". Was verbirgt sich hinter dem Projekt?

VB: Die Idee zu diesem Projekt ist speziell vor dem Hintergrund der Corona-Situation in diesem Jahr entstanden. Vor allem für diejenigen, die während des Lockdowns von einem Menschen Abschied nehmen mussten, war die Situation teilweise dramatisch. Darüber hinaus ist das über Monate hinweg verordnete Social Distancing für Trauernde allgemein eine besondere Belastung, deren Auswirkungen wir gegenwärtig zum Teil erst erahnen können.
Das Grundanliegen der „Trauerwege 2020“ ist es, Menschen gezielt Zeiten und Räume für ihre Trauer zu eröffnen – im persönlichen Kontakt, in Gemeinschaft mit anderen und in der Bewegung an der frischen Luft.
Ich selbst bin über ein Praktikum in der Bürgerstiftung Stuttgart, das ich im Rahmen meines Vikariats absolviert habe, zu diesem Projekt gekommen. Besonders freut mich, dass sich ganz unterschiedliche AkteurINNEN an den Trauerwegen beteiligen werden. So können wir in unserer Stadt gemeinsam das Bewusstsein für die Situation trauernder Menschen schärfen.

RED: Herr Mack, warum sollte man Trauerwege im wahrsten Sinne des Wortes beschreiten?

SM: Trauer kann lähmen und oder uns sogar zum Rückzug aus dem Leben drängen. Ein Trauerweg möchte dem entgegenwirken. Mit dem Angebot wollen wir der Trauer Raum geben, aber gleichzeitig nicht dabei stehen bleiben, sondern mit unserer Trauer Schritte in die Zukunft gehen. Indem wir selbst in Bewegung sind, verändert sich vielleicht auch manches in unserem Trauerprozess. Ich kann eine andere Perspektive auf meine persönliche Situation bekommen oder diese sogar ganz neu bewerten. Aber dazu muss ich mich erst einmal aufmachen und losgehen. Von allein ändert sich meistens nichts.

RED: Da ist was dran... Wie erleben Sie Trauerarbeit in Ihrem Alltag als angehende Pfarrerin und was davon packen Sie in Ihren Spazierweg hinein?

VB: Während meines Vikariats bin ich vor allem punktuell mit Trauer konfrontiert: Im Zusammenhang von Bestattungen, wenn Angehörige noch ganz am Beginn ihres eigenen Trauerprozesses stehen sowie in einzelnen anderen seelsorglichen Begegnungen. Mein Eindruck ist, dass Trauer dort Raum bekommen kann, wo wir Menschen Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr schenken und uns auf ihre Bedürfnisse einlassen. Es zeigt sich, dass solche Gelegenheiten im Alltag keineswegs selbstverständlich sind. Mein Anliegen ist es, dass Menschen diese Zuwendung im gemeinsamen Gehen, Reden, Hören und Schweigen auf dem Weg erfahren können.

RED: Und dann kam die nächste Coronawelle und Ihr konzipierter Trauerweg muss jetzt ausfallen, Herr Mack...

SM: Ja richtig, wir hätten uns eigentlich am Ewigkeitssonntag beim Friedhof Rohracker getroffen, um uns gemeinsam auf den Trauerweg zu machen. Das geht jetzt so aber nicht und dennoch biete ich die Möglichkeit für ein seelsorgerliches Gespräch unter 0711 25514223 oder per Mail an.

RED: Und bei Ihnen, Frau Bayha, wie sieht es da mit dem gemeinsamen Trauerweg aus?

VB: Ich biete am Samstag, 21. November 2020 den Trauerspaziergang (13) in Münster an. Treffpunkt ist um 14:30 Uhr an der Dreifaltigkeitskirche, Elbestraße 75. Von dort aus begeben wir uns für ca. 1,5 Std. auf einen Rundweg, der uns am Friedhof vorbei in die Landschaft rund um unseren Stadtteil führt. Da momentan maximal 10 Personen aus 2 Haushalten zusammen unterwegs sein dürfen, kann ich also entsprechend nur noch Personen aus einem gemeinsamen Haushalt mitnehmen.

RED: Wenn unsere LeserINNEN nun Interesse an Ihren Spaziergängen gefunden haben, wo können sie sich anmelden?

SM:  Anmelden sollte man sich bei der Bürgerstiftung Stuttgart per Mail oder telefonisch unter 0711 72235114. Falls die max. Teilnehmerzahl von 10 Personen überschritten wird, bieten wir gegebenenfalls einen zweiten Termin an. Und dann noch etwas: Mund-Nasen-Schutz NICHT vergessen!

RED: Ganz herzlichen Dank Ihnen beiden für die Wege, die Sie jetzt schon mal gedanklich vorab mit uns gegangenen sind.