Über das Taufen

Im Wonnemonat Mai ist der Terminkalender eines Pfarrers oder einer Pfarrerin randvoll mit Hochzeiten. In Corona-Zeiten fallen allerdings solche kirchlichen Amtshandlung aus. Gleiches gilt auch für Taufen. Doch aufgeschoben ist ja bekanntlich nicht aufgehoben...

6 Fragen an Dekan Eckart Schultz-Berg...

Dekan Eckart Schultz-Berg lädt zur Taufe in die Cannstatter Stadtkirche ein.

Wenn es eines genügend in Bad Cannstatt gibt, dann Mineralwasser z. B. am Polizeibrunnen hinter der Cannstatter Stadtkirche.

Dort holt Dekan Eckart Schultz-Berg in der Regel auch das Taufwasser.

Das Taufgeschirr in der Cannstatter Stadtkirche ist ein Geschenk von Prinzessin Antonia von Württemberg.

Die Taufe ist die erste Kasualie, also kirchliche Amtshandlung, im Leben einer Christin oder eines Christen.

Vor der Trauung kommt in der Regel lange vorher die Taufe, wobei die meisten Menschen bereits als Baby oder Kleinkind getauft wurden und sich an den Taufakt selbst nicht oder nur kaum erinnern können. Doch immer wieder entscheiden sich auch Jugendliche mit Anmeldung zum Konfirmandenunterricht für eine Taufe und auch Erwachsene lassen sich bewusst aus christlicher Überzeugung heraus taufen, zumal seit Anfang vergangenen Jahres nun auch in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg die Immersionstaufe, also das komplette Untertauchen des Täuflings, möglich ist.

Und da auch Coronazeiten vergehen werden, haben wir nach dem Motto "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben" mal mit dem Cannstatter Dekan Eckart Schultz-Berg über das Thema der Taufe gesprochen.

RED: Lieber Herr Schultz-Berg, mit Schließung der Kirchen im Zuge der Eindämmung zur Ausbreitung des Coronavirus wurden auch sämtliche kirchliche Amtshandlungen wie Trauungen oder eben auch Taufen abgesagt. Wie ist das denn mit dem Taufen grundsätzlich, sprich ab welchem Alter bzw. bis in welches Alter wird getauft?

ESB: Von der Wiege bis zur Bahre, Taufe ist immer möglich, halt nur einmal im Leben, denn es ist ein Versprechen Gottes und das zeitlos gilt. Man muss, auch wenn man sich mal von der Kirche eine Zeit lang abgewandt hat, nicht erneut getauft werden.

RED: Was braucht es zur Taufe?

ESB: Na ja, eigentlich braucht es nur Wasser, denn Jesus hat mit Wasser getauft. Ich kenne übrigens keine andere Weltreligion, in der die Beziehung mit Gott mit einer Handlung mit Wasser beginnt. Ja, und für Kinder brauchen wir noch Taufpaten, denn sie müssen in den Glauben ja erst hineinwachsen und da sind neben den Eltern die Paten wichtig. In den Kirchen gibt es oft sehr schöne Taufschalen und Taufkannen. Weil Taufe etwas sehr Wertvolles ist, haben die Gemeinden sich da auch mächtig ins Zeug gelegt. Aber es reicht theoretisch auch ein normaler Krug und eine einfache Schale.

RED: Apropos, schöne Schale und Krug, das kann man in Ihrem Video über das Taufen in der Cannstatter Stadtkirche sehen. Jedoch erinnern sich die wenigsten Menschen an ihre Taufe, da sie im Säuglingsalter getauft wurden. Was genau passiert denn beim Taufakt?

ESB: Jesus wurde als Erwachsener getauft. Damit begann seine persönliche Geschichte mit Gott im damals neuen christlichen Glauben. Wir denken, die Kinder gehören auch dazu. Deshalb taufen wir vom Kindesalter an. Getauft wird mit Wasser auf den Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dazu wird dreimal Wasser über die Stirn des Täuflings geschöpft. Das Wasser darf dabei ruhig fließen, also nicht nur drei Tröpfchen. Danach wird der Täufling gesegnet und wir geben ihm einen Taufspruch als persönliches Motto fürs Leben mit Gott. 

RED: Wirklich sehr schön - und wer darf alles taufen?

ESB: Der/die ordinierte PfarrerIN denn die Taufe ist etwas Besonderes. Damit sollte man keinen Unfug machen. 

RED: Sie sprechen es auch in Ihrem Video an: die Nottaufe und nicht nur zu Zeiten von Corona. Worum handelt es sich dabei und wer darf sie vollziehen?

ESB: Im Notfall, also wenn jemand an Leib und Seele bedroht ist, darf jede/r ChristIN taufen, wenn kein/e PfarrerIN herbeigerufen werden kann. Also z. B. auch am Totenbett, wenn jemand sich das sehr kurzfristig wünscht. Besser ist, wenn man noch den/die  KrankenhauspfarrerIN hinzuziehen kann.  

RED: Fragen über Fragen noch zum Schluss des Interviews: Sollte ich in Erwägung ziehen, als Erwachsener aus der Kirche auszutreten, erlischt dann auch meine Taufe und meine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Getauften? Und kann ich mehrfach getauft werden? Wenn ich nicht getauft bin, sind mir dann auch andere kirchliche Amtshandlungen (Trauung oder Bestattung) verwehrt?

ESB: Zu 1. Die Taufe erlischt nie, weil Gott der Handelnde ist. Man kann pausieren, ja, das kommt vor, aber damit ist man trotzdem getauft. Wobei es auch schön ist, zu einer so weltweiten Gemeinschaft dazu zu gehören. Auch wenn einem mal was nicht passt, nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Denn Kirche ist vielfältig, da findet jeder einen Platz.
Zur 2. Frage: Taufe wie gesagt nur einmal im Leben. Aber der Konfirmandenunterricht ist dazu da, das als Jugendliche/r selbst zu bestätigen, was die Eltern damals entschieden haben.
Und drittens, wer nicht getauft ist, für den macht ja auch eine kirchliche Hochzeit keinen Sinn, denn er oder sie verspricht ja seine Liebe vor Gott. Und wenn ich mit Gott bisher nichts zu tun hatte, ist das etwas schwierig. Und, wer ausgetreten ist, der hat sich ja von der Kirche als Gemeinschaft der Christinnen und Christen abgewandt. Wieso dann christlich bestattet werden? Das ist nicht konsequent. Wobei wir da oft großzügig sind, aus Barmherzigkeit oder Nächstenliebe - ist aber eigentlich nicht konsequent. 

RED: Vielen Dank lieber Herr Schultz-Berg, dass Sie all die Fragen rund ums Taufen beantwortet haben. Wer noch Fragen zum Taufspruch oder zu einer Taufbescheinigung hat, der wird unter Kirche im Leben fündig. Und nun: Film ab!

Taufen in der Stadtkirche in Bad Cannstatt

Kamera: Pfarrer Matome Sadiki