Was ist Pfingsten für ein Fest?

Weihnachten - Geburt Jesu - kann jedes Kind erklären. Ostern - Kreuzigung, Tod und Auferstehung Jesu - haben wir auch irgendwie verstanden. Aber was genau ist Pfingsten? Das erklärt uns Vikar Christopher Zeyher von der Evangelischen Kirchengemeinde Stuttgart-Heslach.

Friedenstaube

Blarerzimmer fu?r 25 bis zu 40 Personen

Pfingsten – Geburtstag der Kirche? An Pfingsten hören wir die Geschichte von der Aussendung des Geistes an die Jünger im Sturmbrausen und in Feuerzungen. Durch dieses Geschehen – so lesen wir es in Apostelgeschichte 2,1-13 – wurden sie befähigt, die Botschaft von Jesus Christus über ihren kleinen Kreis hinaus weiterzuerzählen. Das nennen wir heute Geburtstag der Kirche.

Aber was ist mit diesem Geschehen, das zur biblischen Grundlage für das Pfingstfest wurde, eigentlich ausgesagt? Denn ob das Wunder in der Pfingstgeschichte der Apostelgeschichte so stattgefunden hat, können wir nicht sagen. Auch inwiefern gerade das Symbol der Taube an diesem Geburtstagsfest der Kirche eine Rolle spielt, obwohl sie in jener Pfingstgeschichte gar nicht vorkommt, können wir nur erahnen.

Worauf es uns heute in der Geschichte vom Pfingstwunder ankommt, ist, was für uns Kirche ist: Kirche hat ihren Ursprung und ihre Quelle im Wirken des Heiligen Geistes! Die einzigartige Kraft dieses Geistes ist die Wurzel des Wirkens von Jesus. Und sie ist die Wurzel des Lebens und Wirkens von Christus, also der Botschaft des auferstandenen Gottessohnes Jesus Christus, die begeistert weitererzählt wird.
Mit anderen Worten, diese Kraft des Geistes ist die Wurzel der Kirche, aus der sie kommt und die sie erhält. Was wir also an Pfingsten feiern und weshalb jene Geschichte des Pfingstwunders so bedeutsam ist, ist die Kraft und das Wirken des Heiligen Geistes. Wir feiern die Gabe des Geistes, die Jesus Christus seinen Jüngern auf Erden überlassen hat, damit er weiterhin in ihnen gegenwärtig ist. Denn dieser Geist ist es, der den Glauben der Jünger so stärkte, dass sie davon weitererzählten. Den Startschuss gab Petrus mit seiner Predigt (Apostelgeschichte 2,14-41) durch deren „Begeisterung“ sich die erste christliche Gemeinschaft gründete.

Und dieser Geist ist es bis heute, der jeden Einzelnen von uns glauben lässt. Der Geist ist es, der uns von dieser wunderbaren Botschaft im Gotteswort immer wieder angesprochen macht. Dieser Geist ist es, der uns auch im Zweifel den Kontakt zu Gott nicht verlieren lässt und der uns die Kraft gibt, die Botschaft weiterzuerzählen und sie gemeinsam zu feiern, in Liedern und Gebeten, in Predigten und Lesungen. Er ist es also, der uns die Kraft gibt, gemeinsam Kirche zu sein und zu bleiben, vor Ort und weltweit. Diese wunderbare Kraft des Heiligen Geistes ist in der Geschichte des Pfingstwunders nicht ohne Grund mit wirkmächtigen Bildern beschrieben worden. Nur so konnte man sich überhaupt vorstellen und anderen zeigen, welch großartige Kraft von diesem Geist ausgeht und wozu dieses Wirken befähigt, nämlich dazu, dass die Kirche entstehen konnte.
Deswegen können wir heute von Pfingsten auch als dem Geburtstag der Kirche sprechen. Zu den wirkmächtigen Bildern sind auch Symbole dazugekommen, die in der Bibel im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist stehen. Diese Bilder und Symbole wollen wir uns hier einmal genauer ansehen und ihrer Bedeutung für das Pfingstfest und für uns Christen nachspüren:

Schon im Alten Testament steht das Feuer für die Präsenz Gottes, so etwa bei Mose am Dornbusch (Exodus 3). Als der Heilige Geist auf die Jünger herabkam und ihnen Zungen wie von Feuer erschienen, begann für die Freunde Jesu etwas Neues. Die Jünger begannen, das Feuer der frohen Botschaft zu den Menschen zu tragen. Sie waren selbst Feuer und Flamme für diese Botschaft und legten den Grundstein für eine neue weltweite christliche Gemeinschaft. In vielen Gemeinden wird an Pfingsten ein Pfingstfeuer angezündet, um an die Geschichte der Jünger zu erinnern, wie ihr Herz für die frohe Botschaft brannte.

Im Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus (Johannes 3) spricht Jesus vom Heiligen Geist mit dem Bild des Windes: „Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl." Wir können den Geist also nicht sehen oder an etwas festmachen, aber wir erfahren seine Kräfte und Auswirkungen im Glauben. Im leichten Säuseln wird auch schon im Alten Testament der Wind als Bild für die Nähe Gottes verwendet, so etwa bei der Geschichte um den Propheten Elia (1. Könige 19).

Bei der Taufe Jesu – so lesen wir in den Evangelien, etwa in Markus 1 – kam der Geist Gottes auf Jesus wie eine Taube herab. Als Sinnbild für die Versöhnung mit Gott spielt sie bereits in der Geschichte um Noah eine Rolle, indem sie Rettung und Frieden von Gott ankündigt. So ist sie bis heute zum Symbol der internationalen Friedensbewegung geworden. In der Barockzeit wurden oft zu Pfingsten lebende Tauben in den Kirchen freigelassen. In anderen Gotteshäusern ließ man eine hölzerne Taube über den Köpfen der Gläubigen durch eine Öffnung in der Kirchendecke herunter, das „Heilig-Geist-Loch“.
Eine der bekanntesten Darstellungen einer Taube als Heiliger Geist stammt übrigens von Gian Lorenzo Bernini, einem berühmten Künstler aus dem Barock. Dieser schuf für den Petersdom in Rom das große Glasfensterbild mit einer Taube in der Mitte. Sie scheint aus einem Bündel von Lichtstrahlen auf den Betrachter zuzufliegen.

Text: Vikar Christopher Zeyher

Literaturangaben: 
• A. Weiser, Die Apostelgeschichte. Kapitel 1-12, ÖTK 5/1, Gütersloh und Würzburg 1981, 75-97.

• https://www.ekd.de/Was-hat-die-Taube-mit-Pfingsten-zu-tun-23845.htm

• https://www.ekhn.de/glaube/kirchenjahr/pfingsten/symbole.html

• https://www.katholisch.de/artikel/8952-taube-feuer-wind

• https://www.erzbistum-muenchen.de/familie/segen-gott-sei-mit-dir/endlich-pause-auszeiten-mit-der-familie/pfingstsymbole/83557