Wer war Otto Umfrid?

Im Jahr 1889 wurde Otto Umfrid Pfarrer der neugegründeten Stuttgarter Martinsgemeinde. Der sozial engagierte Unternehmer Paul Lechler hatte hier im Eisenbahnerviertel auf der Prag die Martinskapelle und das Pfarrhaus erbauen lassen, für die es einen Arbeiterpfarrer braucht.

Die Martinsgemeinde im Stuttgarter Norden war eine der ärmsten Gemeinden in ganz Württemberg. Im Jahre 1908 wurde Umfrid dann der erste Pfarrer an der neuen Erlöserkirche. Hier wie da prangerte er das soziale Elend seiner Zeit an. Er publizierte unter vielem anderen das „Arbeiter-Evangelium. Drei Vorträge an die Arbeiter“, ein Reformprogramm zur Lösung der sozialen Frage.
 
Für Otto Umfrid war die soziale Frage untrennbar mit der Friedensfrage verbunden. „Nie wieder Krieg“ war das Thema seines Lebens - er war also nicht nur der Arbeiter- sondern auch der Friedenspfarrer.

1894 trat er in die Deutsche Friedensgesellschaft Stuttgart ein. In den Forderungen der neuen Bewegung erkannte er den Kerngedanken des Christentums. Mit der Kirche des wilhelminischen Zeitalters ging er hart ins Gericht. Durch Umfrids rastlose Aktivitäten wurde Stuttgart das Zentrum der Deutschen Friedensgesellschaft und er ihr Vizepräsident und das bis an sein Lebensende.

Text & Kamera: Martin Pomplun