Zuffenhäuser Orgeln

„Orgelspielen heißt, einen mit dem Schauen der Ewigkeit erfüllten Willen offenbaren." so Charles-Marie Widor (1844-1937), französischer Organist und Komponist und genau hingeschaut bzw. -gehört hat auch mal Dekanatskantor Alexander Kuhlo bei den drei Zuffenhäuser Orgeln.

Die Walcker-Orgel der Michaelskirche in Stuttgart-Zuffenhausen aus den 30er Jahren

Allein schon von Berufs wegen kennt sich keiner besser mit den drei Zuffenhäuser Orgeln aus, als Dekanatskantor Alexander Kuhlo, der nach nunmehr drei Jahren im Amt mit diversen Spielerfahrungen an allen drei, in ihrem Klangcharakter unterschiedlichen Instrumenten in Gottesdienst und Konzert, hier darüber berichtet.

Ausgehend vom Diktum Wolfgang Amadeus Mozarts als von der Orgel als „Königin von allen Instrumenten“, möchte ich im Folgenden nicht ausschließlich auf die Baugeschichte und die Dispositionen (= Aufstellung der vorhandenen Register) der Orgeln eingehen, als vielmehr meiner Freude an den unterschiedlichen Qualitäten Ausdruck verleihen.

Nota bene:
Alle Längenangaben der jeweils tiefsten Pfeife eines Registers (= Pfeifenreihe) sind im alten Längenmaß „Fuß“ (z.B. 8´= 8 Fuß lang = ca. 2,40 m lang) angegeben.

Beginnen wir mit dem kammermusikalischen Instrument von den Dreien in der Johanneskirche, unserer alten Dekanatskirche im Dorfkern von Zuffenhausen - sämtliche Details zu den drei Orgeln und ihrer Geschichte verdanke ich schriftlichen Ausführungen meines Vorgängers Hans-Rudolf Krüger.

Die wunderbar mit ihrem Pfeifenprospekt (= Schauseite der Orgel) in den Altarraum der Johanneskirche integrierte Orgel aus dem Jahr 1976 wurde von der Orgelwerkstatt Plum (Marbach/N.) mit 15 Registern zweimanualig (Manuale = Tastaturen) erbaut. Insgesamt 1084 Pfeifen umfasst diese Orgel, die ursprünglich als Chororgel konzipiert wurde, um auf ihr zunächst Instrumente und Solisten begleiten zu können, aber in der Johanneskirche die Hauptorgel darstellt und somit sowohl für konzertante, aber auch für liturgische Aufgaben genutzt wird.
Der besondere Reiz dieses Instrumentes liegt für mich in der feinen kammermusikalischen Intonation aller Register, angefangen von den Grundstimmen (Prinzipalen + Flöten) über die Obertonregister und Klangkronen (Mixtur, Zimbel) bis hin zu den Zungenstimmen (Posaune, Schalmei).

Die Walcker-Orgel der Michaelskirche aus den 30er Jahren, also der Entstehungszeit der Kirche in Neuwirtshaus, hingegen ist klanglich insbesondere für den Gemeindegesang ausgerichtet oder eignet sich sehr gut für Orgelführungen und „Orgelmärchen“ für Kinder. Sie befindet sich nicht im Altarraum wie in der Johanneskirche, sondern steht auf der Chorempore mit ihrem Prospekt in sanft geschwungenen Pfeifenfeldern.
Neben einem klanglich auf Prinzipalen (dem klanglichen Rückgrat jeder Orgel) basierenden Hauptwerk, das in dynamischen Abstufungen zur Liedbegleitung bestens geeignet ist, existiert noch ein Positiv mit leisen Begleitregistern und sogenannten „Farbregistern“ (wie beispielsweise der Sesquialtera), die der Hervorhebung der Melodien beim Singen dient oder auch dem Gesamtklang zu Beginn oder am Ende des Gottesdienstes zusätzliche Farbe verleihen kann.

Nun zur größten Orgel in der Kirchengemeinde Zuffenhausen, der süddeutsch-französisch disponierten Mühleisen-Orgel aus dem Jahr 1990 in der Pauluskirche, die nach Vorgängerinstrumenten von Oscar Walcker (1902/03) und Friedrich Weigle (1954) in monatelanger Arbeit und Überlegung von meinem Vorgänger Hans-Rudolf Krüger im Gespräch mit dem Orgelsachverständigen Prof. Volker Lutz 1988 konzipiert, danach gebaut und schließlich im Jahr 1990 eingeweiht und der Gemeinde übergeben wurde:
Diese dreimanualige, im Jahr 1996 nochmals um wichtige Register erweiterte Konzertorgel der Leonberger Firma Mühleisen ist prädestiniert für die konzertante Darstellung der großen Tradition der abendländischen Orgelmusik - von den Anfängen des „Buxheimer Orgelbuches“ im 15. Jahrhundert bis hin zu zeitgenössischen Kompositionen wie „Bann.Nachtschwärmerei“ von Wolfgang Rihm oder den Etüden für Orgel von György Ligeti im 20. Jahrhundert.

Ich schätze an diesem Meisterinstrument, das noch einige Register in der Zukunft zur weiteren Vervollkommnung erwarten darf, vor allem dessen sinfonisch-orchestralen Klangcharakter.
Dieser reicht von streichenden Stimmen (z.B. Salicional 8´) im stufenlos dynamisch veränderbaren III. Manual (Schwellwerk) über den mächtigen Prinzipal-chor des I. Manuals (Hauptwerk) bis zu rund und voll tönenden Zungenstimmen (z.B. Bombarde 16´ im Pedalwerk).
Aber auch das silbrige, mit vielen Obertonregistern farbig disponierte II. Manual (Positiv) mit seinem feinen, cembalistischen Anschlag ist eine wahre Freude für jeden Organisten und jede Organistin.

Mein künstlerisches Fazit der bisherigen Spielerfahrungen an diesem noch ausbaufähigen Instrument lässt sich wunderbar in dem berühmten Ausruf des französischen Komponisten und Organisten César Franck (1822-1890)zusammenfassen: „Mon orgue, c´est un orchestre!“ (Meine Orgel, ein Orchester!)

Ich wünsche mir noch viele schöne musikalische Erlebnisse an allen drei Orgeln, die ich gerne mit Ihnen teilen möchte - SOLI DEO GLORIA – Gott allein die Ehre (J. S. Bach).





Text: Dekanatskantor Alexander Kuhlo
Fotos: Volkmar Rupp